Wie es die Chinesen vor 2000 Jahren unter dem Maulbeerbaum trieben - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Wie es die Chinesen vor 2000 Jahren unter dem Maulbeerbaum trieben

Taoismus gebot Sex im Freien und versprach langes Leben

Vor 2000 Jahren, als die Germanen noch die Keulen schwangen und in Bärenfellen herumliefen, wussten die Chinesen schon genau, wie man die schönen Dinge des Lebens am besten genießt. Man schätzte Sex in der freien Natur, konnte sich das Ganze offenbar auch mit Partnertausch vorstellen und glaubte überdies, dass diese Kombination von Yin und Yang, d.h. das männliche und weibliche Element, lebensverlängernd wirke.

Diese Einstellungen enthüllt ein Backsteinrelief aus der Han-Dynastie (206 v. Chr – 220 n. Chr.), das jetzt im heute prüden China wieder für einiges Aufsehen sorgt. Das Relief wurde bereits 1960 in Xindu ausgegraben und während der Kulturrevolution von einem Bauern vor einer möglichen Zerstörung bewahrt, indem er damit seinen Schweinestall abstützte. 1980 entdeckten es die Kunsthistoriker des dortigen Museums wieder. Seitdem wurde es immer wieder im In- und Ausland gezeigt – bis es vor einem Monat wegen „pornografischen Inhalts“ dem chinesischen Publikum entzogen wurde. Das Relief stellt ein halbnacktes Paar beim Geschlechtsverkehr unter einem Maulbeerbaum dar. Ein weiterer Mann wartet hinter dem Baum, schon in freudiger Erwartung.

„Das Backsteinrelief ist eines der schönsten Beispiele aus Chinas reicher erotischer Kunst, die 5000 Jahre zurückreicht. Das Relief zeigt die Verehrung von Sex und Sexualorganen im alten China – das sieht man auch an dem [im Relief abgebildeten] erigierten Penis. Der Mann, der hinter dem Baum wartet, lässt zudem darauf schließen, dass zu jener Zeit auch Gruppensex praktiziert wurde“, erläutert Liu Dalin, bekannt als „Kinsey“ von China. „Dies sind Dinge, auf die die modernen Chinesen stolz sein sollten. Sie sollten ihnen nicht peinlich sein. Die alten Chinesen betrachteten Sex als eine natürliche Sache. Im Gegensatz zu dem stereotypen Bild von den Chinesen, die hölzern und asexuell seien, hatten die alten Chinesen tatsächlich ein sehr lebendiges Sexualleben.“

Diese Einstellung untermauerten während der Han-Dynastie die Lehren des Taoismus, der zu jener Zeit in der Bevölkerung hoch im Kurs stand. Sex galt als eine Form der Selbstpflege, vor allem, wenn man ihm in der freien Natur frönte. Und man glaubte, dass man durch regelmäßigen Sex ein hohes Alter erreicht.

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Doris Marszk und Independent

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