Wie Würfel-Würfe wirklich zufällig wurden - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Wie Würfel-Würfe wirklich zufällig wurden

Mittelalterliche Würfel aus den Niederlanden. (Foto: Jelmer Eerkens, UC Davis)

Sie sollen Glück ins Spiel bringen – wirkliche Zufallszahlen liefern Würfel aber erst seit der Renaissance, berichten Forscher. Sie haben untersucht, wie sich dieses Spiel-Utensil in den letzten 2000 Jahren verändert hat. In der Antike und im Mittelalter stand offenbar noch nicht so sehr der Aspekt im Vordergrund, dass jede Zahl mit der gleichen Wahrscheinlichkeit gewürfelt wird.

Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler um Jelmer Eerkens von der University of California in Davis Hunderte von historischen Würfeln aus den Sammlungen vieler Museen analysiert. Wie sie betonen, gehören diese speziellen Zeugnisse des Lebens nicht gerade zu den häufigen Funden. Viele lassen sich außerdem nur schwer sicher datieren. Doch am Ende der umfangreichen Recherche zeichnete sich dennoch ein klares Gesamtbild ab, sagen Eerkens und seine Kollegen.

Während ein wichtiges Merkmal unserer heutigen Würfel ihre Ebenmäßigkeit ist, galt dies noch nicht für die Exemplare aus der Römerzeit und dem Mittelalter, berichten die Forscher. Sie entsprachen damals noch keiner Norm, die gewährleistete, dass die Zahlen stets mit der gleichen Wahrscheinlichkeit geworfen wurden: Die Würfel waren teilweise deutlich schief und unausgewogen gestaltet und aus verschiedenen Materialien hergestellt, wie Metall, Ton, Knochen, Horn oder Elfenbein.

Auch die Zahlenkonfiguration war nicht festgelegt. Vor allem im frühen Mittelalter waren Würfel oft „unausgewogen“ bei der Anordnung der Zahlen: Die 1 befand sich beispielsweise gegenüber der 2, die 3 gegenüber der 4 und die 5 gegenüber der 6. Bei den heutigen Würfeln ergeben die Zahlen auf den gegenüberliegenden Flächen hingegen stets die Summe 7 – beispielsweise liegt die höchste Zahl 6 immer der 1 gegenüber.

Die Renaissance prägte die Würfel

Den Forschern zufolge besaß Zufälligkeit oder gleiche Wahrscheinlichkeit im Bewusstsein der Menschen damals noch nicht die Bedeutung wie heute. Übernatürliche Faktoren galten als die Quellen des Glücks, wie Gottes Wille oder abergläubische Elemente. Dies änderte sich ab 1450, zeichnet sich in den Merkmalen der Würfel ab. Von da an prägten zunehmend Normen die Formen der Würfel, berichten Eerkens und seine Kollegen.

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„Eine neue Weltanschauung entstand im Zuge der Renaissance: Leute wie Galileo Galilei
und Blaise Pascal entwickelten Ideen über Zufall und Wahrscheinlichkeit, und wir wissen aus schriftlichen Aufzeichnungen, dass sie sich in einigen Fällen tatsächlich mit Spielen auseinandergesetzt haben“, sagt Eerkens. Dieses Gedankengut hat sich dann wiederum auf die Entwicklung der Würfel ausgewirkt, meint der Wissenschaftler.

Ihm zufolge spiegelt sich in der Geschichte der Würfel somit eine Verschiebung der Weltanschauungen der Menschen wider: „Die Vorstellungen von Glück und Schicksal änderten sich. Spieler haben Würfel-Würfe möglicherweise nicht mehr als vom Schicksal vorbestimmt betrachtet, sondern als Ergebnisse des Zufalls.“

Das Bewusstsein über die Möglichkeit zur Manipulation spielte allerdings sicherlich auch eine Rolle: „Die Standardisierung der Merkmale von Würfeln, wie die Symmetrie und die Anordnung der Zahlen, war wohl auch eine Methode, um die Gefahr zu verringern, dass skrupelloser Spieler die Würfel manipulierten, um die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Ergebnisse zu ändern“, sagt Eerkens.

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