Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen rückt näher - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen rückt näher

Auf einer Pressekonferenz wurden heute die Pläne der drei Preisträger des Architektenwettbewerbs zum Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen vorgestellt. Das Sommerschloss der Welfen im Großen Garten in Hannover soll bis 2012 an seinem ursprünglichen Platz wiedererstehen. Die Entwürfe aller 14 Architekturbüros, die sich am Wettbewerb beteiligt haben, sind bis zum 2. Mai im Historischen Museum der Stadt Hannover ausgestellt. Welcher der drei ausgezeichneten Entwürfe letztlich realisiert werden wird, entscheidet sich im Laufe des Sommers – nachdem die Pläne überarbeitet wurden und die Bauherrin IVA KG, eine Tochtergesellschaft der VolkswagenStiftung, sie auf ihre Umsetzbarkeit geprüft hat. Erste bauvorbereitende Arbeiten werden voraussichtlich im Herbst 2010 beginnen.

Den Architekten stellte sich die Aufgabe, Pläne zum Wiederaufbau von Schloss Herrenhausen bei gleichzeitigem Ausbau für eine zeitgemäße Nutzung zu entwerfen. Die Fassade soll getreu dem historischen Vorbild, wie es sich nach der Umgestaltung (1818-1821) durch Georg Ludwig Laves darstellte, wiedererrichtet werden. Das Innere wird ein modernes, multifunktionales Tagungszentrum aufnehmen. Ein unterirdisches Auditorium ergänzt das Tagungszentrum im Hauptgebäude, welches vorrangig für wissenschaftliche und kulturelle Veranstaltungen genutzt werden soll. In den Seitenflügeln des Schlosses wird die Stadt Hannover – mit Unterstützung durch Landesmittel – ein Museum einrichten, das die besondere kultur- und geistesgeschichtliche Bedeutung von Herrenhausen vergegenwärtigt. Hier wirkte der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz und traf mit Kurfürstin Sophie zu ausgedehnten Spaziergängen und philosophischen Disputationen zusammen.

In dem Architektenwettbewerb setzten sich bei der Jurysitzung am 30. März unter Vorsitz von Professor Klaus Theo Brenner die Büros JK Jastrzembski Kotulla Architekten aus Hamburg (1. Preis), ASP Architekten Schneider Meyer Partner aus Hannover (2. Preis), und Peter Kulka Architektur Dresden GmbH (3. Preis) durch. Alle drei ausgezeichneten Entwürfe überzeugten dadurch, dass sie zum einen dem historischen Kontext gerecht werden, zum anderen in dem gegebenen Rahmen zeitgemäße und flexible Lösungen für die vorgesehenen Nutzungen anbieten. Gemeinsam ist den Planungen, dass sie originelle Vorschläge enthalten, um das unter dem Gartenhof gelegene große Auditorium mit Tageslicht zu versorgen. (Abbildungen der Pläne der Preisträger stehen auch auf der Website der VolkswagenStiftung zur Verfügung.)

Der Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Klaus Theo Brenner aus Berlin, zeigte sich von der Qualität aller eingereichten Arbeiten überzeugt: „Die Entwurfsaufgabe, zwischen der historischen Rekonstruktion des Laves-Baus und den neuen architektonischen und organisatorischen Herausforderungen zu vermitteln, war nicht einfach. Alle Teilnehmer haben sich intensiv und auf hohem Niveau mit dieser Herausforderung befasst. Im Vergleich und nach intensiver Diskussion haben die Preisträger durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Alt und Neu und besonders attraktive Raumqualitäten für das Tagungszentrum überzeugt.“

Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, sagte zu den Ergebnissen: „Ich bin von dem Ideenreichtum der Architekten sehr angetan. Die Vorgaben waren ja besonders anspruchsvoll: Innovation und Tradition sollten angemessen miteinander verbunden und in ein ansprechendes Verhältnis von Außen und Innen umgesetzt werden. Besonders spannend ist von unserer Warte aus natürlich der Aspekt der Interaktion von Wissenschaft und Öffentlichkeit, die hier stattfinden soll.“

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Für die Landeshauptstadt Hannover nahm Oberbürgermeister Stephan Weil Stellung: „Auf den Wiederaufbau warten viele Menschen in Hannover seit mehr als 50 Jahren. Er schließt eine im Zweiten Weltkrieg gerissene Lücke. Das neue Schloss wird die Herrenhäuser Gärten um eine bedeutende Attraktion bereichern und ihnen zusätzlichen Glanz verleihen.“

Die Wiedererrichtung des Schlosses Herrenhausen ist ein Investitionsvorhaben der VolkswagenStiftung. Bauherrin des Schlosses ist die Immobilien-Verwaltungs- und Anlagegesellschaft Dr. A. Steiger KG (IVA KG), eine Tochtergesellschaft der Stiftung. Das Grundstück stellte die Landeshauptstadt Hannover als Erbbaurecht zur Verfügung. Das Tagungszentrum im Hauptgebäude wird an eine externe Betreibergesellschaft vermietet werden. Die beiden Seitenflügel will die Landeshauptstadt Hannover gemeinsam mit dem Land Niedersachsen nutzen, um in einem Museum die Rolle der Welfen in der Landesgeschichte sowie Leben und Werk von Gottfried Wilhelm Leibniz darzustellen.

Zur Realisierung der Bauaufgabe wurde ein beschränkter Architektenwettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren durchgeführt. Es gingen 81 Bewerbungen ein, aus denen anhand vorab festgelegter und veröffentlichter Kriterien insgesamt 15 Büros ausgewählt wurden; eingereicht wurden schließlich 14 Arbeiten.

Über die Entwürfe stimmten folgende Preisrichter ab: Stephan Weil, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover; Uwe Bodemann, Stadtbaurat der Landeshauptstadt Hannover; Dr. Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung; Dr. Martina Pörschke, IVA Dr. A. Steiger KG; Prof. Dipl.-Ing. Klaus Theo Brenner, freischaffender Architekt, Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur, Berlin; Prof. Dr.-Ing. Hardo Braun, Universität Stuttgart, Institut für Baukonstruktion und Entwerfen; Andreas Heller, freischaffender Architekt, Studio Andreas Heller, Hamburg.

Das Verfahren wird vom Hamburger Büro D&K drost consult GmbH betreut.

Quelle: VolkswagenStiftung
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