Wiedereröffnung des Hohenasperg-Museums mit neuen Exponaten - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Wiedereröffnung des Hohenasperg-Museums mit neuen Exponaten

Die Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg diente über Jahrhunderte als Gefängnis. (Haus der Geschichte Baden-Württemberg)

Mit 24 neuen Objekten startet das Museum „Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis“ am 28. März in die Saison 2013. Dazu gehört der geheimnisvolle Haftbefehl gegen „drey Persohnen von unserer fürstl. Dienerschafft“ aus dem Jahr 1756, mit dem Herzog Karl Eugen die Starsängerin Marianne Pirker und andere unliebsame Mitwisser seiner Liebschaften wegschließen ließ. Auch der Spott über einen gefloppten Appell ist zu sehen: eine Karikatur nach dem Aufruf des Revolutionärs Gottlieb Rau zum bewaffneten Marsch auf den Cannstatter Wasen, dem 1848 statt der erhofften Massen nur sieben Unbewaffnete folgten. Erschütternd ist die Geschichte der „Zigeunerfamilie“ Reinhardt, die 1940 deportiert wurde, als deren Holzhütte dem Bürgermeister von Mundelsheim ein Dorn im Auge war.

Die Ausstellung „Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis“, die das Haus der Geschichte Baden-Württemberg im ehemaligen Arsenalbau des Gefängnisses eingerichtet hat, zeigt am Beispiel von Häftlingsbiographien, wie sich der Freiheitsentzug als Strafe über drei Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.

Weit über Württemberg hinaus galt der Hohenasperg lange als das politische Gefängnis schlechthin. Die zahlreichen Namen, mit denen dieser Ort charakterisiert wurde, zeugen davon: „Demokratenbuckel“, „Tränenberg“, „Hausberg der schwäbischen Intelligenz“, „Schicksalsberg“ oder „der höchste Berg Württembergs“ (weil man 20 Minuten hinauf braucht, aber manchmal Jahre, um wieder herunterzukommen). Der alleinige Blick auf die politischen Gefangenen, vor allem des Vormärz und der gescheiterten Revolution von 1848, greift aus Sicht der Ausstellungsmacher jedoch zu kurz.

Viele tausend Menschen waren über die Jahrhunderte hinweg hoch oben auf dem Hohenasperg unter Verschluss – aus einer Vielfalt von Gründen. Manche mussten dort für ihre politische Überzeugung büßen, andere waren schlicht in Ungnade gefallen oder wurden Opfer rassischer Verfolgung. Und wieder andere hatten gestohlen, betrogen, Menschen getötet. Die „Festungshaft“ hoch oben auf dem weithin sichtbaren Berg wirkte immer wie eine besonders klare Demonstration der Macht. Die Botschaft des Staates, die unten sehr vereinfacht ankam, war diese: „Seht her, das geschieht mit denen, die querschießen.“ Wohl nicht zufällig hörten Kinder in der Umgebung oft diesen Satz: „Wenn Du nicht brav bist, kommst Du auf den Asperg.“

Quelle: Haus der Geschichte Baden-Württemberg
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