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Mittelalterliches England

Woran starb der “Schwarze Prinz”?

Der Schwarze Prinz
Portrait des "Schwarzen Prinzen" Edward von Woostoock. © Christine_Kohler/ iStock

Der aus dem Hause Plantagenet stammende Prinz Edward von Woodstock gilt als einer der großen Heerführer der englischen Geschichte und trägt bis heute den Beinahmen “der Schwarze Prinz”. Doch obwohl der Thronfolger nie in einer Schlacht verwundet wurde, starb er 1376 im Alter von 45 Jahren nach neun Jahren der periodisch wiederkehrenden Krankheit, bevor er König werden konnte. Lange galt die Amöbenruhr als mögliche Todesursache des Prinzen, doch dem widersprechen Forscher nun.

Der “Schwarze Prinz” Edward von Woodstock wurde im Jahr 1330 als ältester Sohn des Königs Edward III. und seiner Frau Philippa geboren. Als Thronfolger der Plantagenet-Dynastie lernte Prinz Edward früh das Reiten, Kämpfen und ritterliches Benehmen. Mit 15 begleitete er seinen Vater erstmals auf einem Feldzug nach Flandern, mit 16 wurde er zum Ritter geschlagen und übernahm ab dann das Kommando über verschiedenen Truppen des Königs. Sein Erfolg als Anführer vor allem im Krieg gegen Frankreich war dabei so groß, dass der junge Prinz sich schnell einen Ruf als heldenhafter, geschickter und dennoch ritterlicher Heerführer und Krieger erwarb.

Rätselhafter Tod mit nur 45 Jahren

Doch die glänzende Karriere des Thronfolgers nahm ein verfrühtes Ende: Er starb am 8. Juni 1376 mit 45 Jahren, bevor er König werden konnte. Mit dem Tod von Prinz Edward nahm die englische Geschichte eine folgenschwere Wende. Denn nach dem Tod seines Vaters nur ein Jahr später wurde der erst zehnjährige Sohn Edwards als Richard II. zum König Englands. Seine schwache Position führte zu einem Erbfolgekrieg unter den Abkömmlingen Edwards III., der letztlich den fast 30 Jahre dauernden Rosenkrieg zwischen den Häusern York und Lancaster auslöste.

Die Todesursache des Schwarzen Prinzen war jedoch keine Verletzung in einer Schlacht, sondern eine langanhaltende, über neun Jahre hinweg periodisch immer wiederkehrende Krankheit, deren Art und Ursache bis heute Rätsel aufgibt. “Die meisten Berichte zum Tod des Schwarzen Prinzen legen nahe, dass er an chronischem Durchfall, wahrscheinlich durch eine Amöbenruhr starb”, berichten drei Militärexperten und Mediziner um James Robert Anderson vom 21. Ingenieursregiment in Großbritannien. Diese im mittelalterlichen Europa häufige Krankheit wird durch parasitische Amöben verursacht und kann zu anhaltenden Durchfällen, blutenden Darmgeschwüren und lebensgefährlichen Abszessen an der Leber und anderen Organen führen.

Eher periodisch wiederkehrend als chronisch

Durch Sichtung historischer Quellen und medizinischer Fallbeschreibungen haben nun Anderson und sein Team den Fall des Schwarzen Prinzen neu aufgerollt. “Es wird angenommen, dass Edwards Krankheit nach seinem Sieg in der Schlacht von Najera im Jahr 1367 begann”, berichten die Forscher. Der Schwarze Prinz und seine Armee rasteten damals nahe der nordspanischen Stadt Valladollid, wo sie zeitgenössischen Berichten zufolge unter Hitze, Hunger und Durst litten. “Eine Chronik legt nahe, dass bis zu 80 Prozent der Armee des Prinzen damals an der Ruhr und anderen Krankheiten starben”, so die Wissenschaftler.

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Allerdings: Historische Dokumente schildern, dass der Prinz auch im Jahr 1370 noch zu krank war, um an der Belagerung von Limoges zu Pferde teilzunehmen – er dirigierte seine Truppen von einer Sänfte aus. 1372 schien es ihm aber wieder deutlich besser zu gehen, denn er ging an Bord eines Schiffs, um an einem letzten Feldzug in Frankreich teilzunehmen. “Wenn der Prinz aber tatsächlich unter chronischem Durchfall gelitten haben soll, dann wäre es fraglich, ob er fit genug war, um sich einzuschiffen und ob er überhaupt an Bord willkommen gewesen wäre”, erklären Anderson und seine Kollegen. Ihrer Ansicht nach passen die Hinweise auf eine eher schubweise und periodisch auftretende Verschlimmerung der Erkrankung nicht zu einer Amöbenruhr.

Malaria, Brucellose oder Ähnliches

Was aber war es dann? Eine Möglichkeit wäre, dass sich der Schwarze Prinz in Spanien mit Malaria angesteckt hat. Diese vom Einzeller Plasmodium vivax verursachte Tropenkrankheit war damals auch im südlichen Europa durchaus häufig. Ein Befall führt typischerweise zu wiederkehrenden Fieberschüben mit Muskelschmerzen, Schwäche, Darmproblemen, Blutarmut und einer erhöhten Anfälligkeit für schwere Infektionen wie einer Lungenentzündung, die zum Tod führen können. “Die Malaria würde zur fluktuierenden Natur seiner Krankheit passen und auch zum zunehmenden Siechtum gegen Ende seines Lebens”, erklären die Wissenschaftler. Denn in den letzten beiden Lebensjahren verließ Prinz Edward seinen Wohnsitz in Woodstock kaum mehr.

Denkbar wären nach Angaben der Forscher aber auch andere durch wiederkehrende Entzündungsschübe gekennzeichnete Krankheiten, darunter die von Bakterien verursachte Brucellose, die unter anderem durch den Genuss kontaminierter Milchprodukte oder Fleisch übertragen wird. Auch Paratyphus, eine entzündliche Darmerkrankung oder wiederkehrende Nierensteine seien möglich. “Letztlich kommen mehrere Infektionen oder entzündliche Syndrome als Todesursache für den Schwarzen Prinzen in Frage. Eine Amöbenruhr jedoch ist unwahrscheinlich”, schließen die Wissenschaftler.

Quelle: BMJ, Fachartikel: BMJ Military Health, doi: 10.1136/military-2022-002282

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