Zeigen australische Felsbilder die ältesten bekannten schamanistischen Rituale? - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Zeigen australische Felsbilder die ältesten bekannten schamanistischen Rituale?

Die Felskunst der Kimberley Region Australiens zeigt möglicherweise nicht nur die ältesten religiösen Praktiken, sondern gibt darüber hinaus auch Einblick in das allen Menschen gemeinsame kulturelle Erbe. Dass vermutet das Rock Art Research Team (RART) unter Leitung des Geologen Per Michaelsen von der James Cook University in Queensland, wie das Magazin NewScientist berichtet.

Bradshaws heißen die Felsbilder aus der Kimberley Region, einer unwegsamen Gegend im Nordwesten Australiens. Über 100.000 dieser Bilder vermutet Michaelsen an den Felsüberhängen entlang der Flusssysteme. Obwohl noch lange nicht alle erforscht sind, so konnten doch bereits vier Malstile identifiziert werden. Die ältesten Abbildungen sind sehr groß und realistisch, während die jüngeren Bilder eher stilisiert und abstrakt wirken. Alle diese Bilder zusammen verschaffen einen guten Überblick über die materielle Kultur der Bradshaw-Menschen.

Doch Michaelsen und sein Kollege Noel Smith, von der State University of New York in Plattsburg sehen darüber hinaus Hinweise auf Schamanismus in den Abbildungen. Viele der Bradshaw-Figuren scheinen zu tanzen. „In einigen Bildern ist der Kopf der Figuren weit nach hinten gebeugt und schaut in den Himmel. Viele schweben im Raum, so als hätten sie gerade eine Vision“, meint Michaelsen. Die Forscher haben die Bilder mit schamanistischen Abbildungen oder Tänzen noch existierender Kulturen in Amerika, Afrika und Asien verglichen und fanden überraschend viele Gemeinsamkeiten. Sie schlossen daraus, dass sich der Schamanismus vor rund 50.000 Jahren von Afrika aus über die ganze Welt verbreitet hat. „Es gibt viele Hinweise darauf, dass zu dieser Zeit ein großer kultureller Wandel in Nordafrika vonstatten ging“, so Smith. Körperschmuck, Felsbilder und komplizierte Knochengeräte scheinen hier ihren Ausgangspunkt zu haben.

Langjährige Felskunstforscher wie Grahame Walsh bezweifeln diese gewagte Theorie. Gerade beim Vergleich der alten Bradshaw-Bilder mit „moderner“ Kunst, noch dazu aus weit entfernten Ländern, wäre Walsh vorsichtig. Dass die Bilder komplexe Informationen enthalten, bestreitet er jedoch nicht. Nur entziffert müssten sie noch werden.

Birgit Kahler
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