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Hermann Göring, Aluminium und die Besetzung Norwegens

Zweiter Weltkrieg

FAbrik
Bombardierung einer deutschen Metallfabrik in Norwegen während des Krieges. © US National Archives and Records Administration

Im Jahr 1940 eroberte die deutsche Wehrmacht Norwegen und wollte sich damit gleich zwei Vorteile sichern. Zum einen den leichten Zugang zum schwedischen Eisenerz, zum anderen aber sollte in Norwegen Aluminium für die deutsche Luftwaffe produziert werden – das jedenfalls war der Plan von Feldmarschall Hermann Göring. Warum dieser dafür ein Land wählte, das selbst gar kein Aluminiumerz besaß, hat ein norwegischer Historiker näher untersucht.

Am Beginn dieser Geschichte steht ein Land, das über eine Ressource im Übermaß verfügt: Wasserkraft. Durch seine gebirgige Topografie und den Wasserreichtum besitzt Norwegen viele Wasserfälle, deren Gefälle relativ leicht zur Stromerzeugung genutzt werden können. Anfang des 20. Jahrhunderts bot das damals noch junge Land Norwegen damit der wachsenden Schwerindustrie in Europa und den USA die verlockende Aussicht auf eine nahezu unbegrenzte Menge an billigem Strom.

An diesem Punkt setzt auch die Geschichte von Görings Plänen und der Eroberung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg an. Einer der Gründe für Hitlers Interesse an diesem eher dünn besiedelten Land im Norden Europas waren seine Häfen und die Zugverbindungen in die Erzfördergebiete im neutralen Schweden. Die enormen Vorkommen an Eisenerz waren für die deutsche Industrie wichtig und die Einnahme der norwegischen Häfen sicherte dem Deutschen Reich den Zugriff und problemlosen Abtransport des Erzes.

Görings ehrgeiziger Plan

Doch es gibt noch einen zweiten Grund, wie der Historiker Hans Otto Frøland von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim (NTNU) herausgefunden hat. „Um das zu verstehen, müssen wir uns klarmachen, dass Aluminium zu jener Zeit ein strategisch wichtiges Metall geworden war“, erklärt Frøland. „Wenn man den Krieg gewinnen wollte, musste man den Luftraum kontrollieren und dafür brauchte man Flugzeuge. Um jedoch Flugzeuge zu produzieren, waren Aluminium und andere Leichtmetalle nötig – und deren Herstellung wiederum erforderte Energie.“ Genau diese Energie war in Norwegen wegen seiner Wasserkraft reichlich verfügbar.

Als Deutschland im Jahr 1940 Norwegen besetzte, sah daher Feldmarschall Hermann Göring die Chance: „Als Leiter der Luftwaffe und des Luftfahrtministeriums trieb er Pläne voran, die Norwegen zu einem Hauptlieferanten für die Deutsche Luftwaffe und die Flugzeug-Fertigung machen sollten“, erklärt der Historiker. Aus den von ihm ausgewerteten Aufzeichnungen, Unternehmensunterlagen, Briefen und weitere historischen Dokumente geht hervor, dass Göring dafür das Aluminiumerz Bauxit aus Förderländern wie Südamerika nach Norwegen verschiffen wollte. Dort sollten dann bestehende Fabriken unter anderem von britischen Unternehmen als sogenannte „Feindvermögen“ beschlagnahmt, andere neu gebaut werden, um dann vor Ort Aluminium für die deutsche Luftwaffe zu produzieren.

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…und warum er scheiterte

Die in Norwegen ansässigen Unternehmer der Aluminiumbranche standen vor der Wahl, mit dem Feind zu kooperieren oder zu flüchten. Während der Direktor der britischen Aluminium-Fabrik BACO, Maurice Turner, noch gerade rechtzeitig nach Großbritannien floh, entschied sich Sigurd Kloumann, der Leiter der Norwegischen Aluminium Corporation (NACO), für die Kollaboration. Er verriet den deutschen Besatzern unter anderem, wo die Kraftwerke lagen und an welchem Orten die Bedingungen für neue Werke besonders günstig waren, wie Frøland berichtet. Gemeinsam mit den Besatzern baute Kloumann die norwegische Aluminiumindustrie aus und setzte auf eine lange, profitable Zusammenarbeit mit dem Deutschen Reich.

Doch es kam anders. Görings ehrgeizige Pläne für eine in Norwegen stationierte deutsche Aluminium-Industrie scheiterten. „Dieses Programm war von Anfang an überdimensioniert und es produzierte während des Krieges in ganz Norwegen nicht ein einziges Kilogramm Aluminium“, erklärt Frøland. Einer der Gründe dafür: Den neuen Aluminiumwerken fehlte es zwar nicht an Strom, dafür aber am Aluminiumerz: Die Bauxitfrachter wurden von den alliierten Seeblockaden aufgehalten und erreichten ihren Bestimmungsort daher nicht. Die Fabriken konnte daher mangels Rohmaterial nicht arbeiten.

Immerhin: Nach Ende des Krieges profitierte Norwegen von der Infrastruktur, die die deutschen Besatzer hinterlassen hatten. Die von Göring und seinen Kollaborateuren vorangetriebenen Aluminiumfabriken bildeten Ende der 1940er Jahre den Grundstock für die norwegische Aluminium-Industrie. Kloumann allerdings konnte davon nicht mehr profitieren: Er wurde als Kollaborateur und Verräter vor Gericht gestellt und Zeit seines Lebens geächtet.

Mehr Informationen zur Geschichte der Aluminium-Industrie in Norwegen können Sie im 63-Grad-Nord-Podcast „Hermann Görings Luftwaffe und der sechs Milliarden-Deal“ hören.

Quelle: NTNU/ SINTEF

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