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Geschichte|Archäologie Gesellschaft|Psychologie

Zwillingsbruder mit dreidimensionalem Nebeneffekt

Jungen haben Einfluss auf das räumliche Denkvermögen ihrer Zwillingsschwestern. Das hat ein finnisch-amerikanisches Forscherteam in einer Studie festgestellt. Darin sollten Freiwillige dreidimensionale geometrische Formen im Geist drehen. Frauen mit einem männlichen Zwilling schnitten dabei deutlich besser ab als Frauen mit einer Zwillingsschwester. Dieser Effekt könnte vor allem auf das männliche Hormon Testosteron zurückzuführen sein, das mit verbessertem räumlichem Denken in Verbindung gebracht wird. Weibliche Embryonen mit Zwillingsbruder kommen im Mutterleib mit mehr Testosteron in Kontakt, so dass sie eher männertypische Fähigkeiten entwickeln als Frauen mit Zwillingsschwester.

Die Forscher verwendeten für ihre Studie den sogenannten Test zur mentalen Rotationsfähigkeit (MRT). Dabei müssen zwei- oder dreidimensionale Gebilde im Geist gedreht werden: Die Probanden wählen unter Zeitdruck aus vier in unterschiedlichen Perspektiven abgebildeten Figuren zwei aus, die mit einer Zielfigur übereinstimmen. Mit diesem Test können Wissenschaftler die unterschiedliche Leistungsfähigkeit des räumlichen Denkvermögens von Personen einstufen. Studien zufolge schneiden Männer bei solchen Tests im Durchschnitt etwas besser ab als Frauen.

Schon frühere Studien hatten Hinweise darauf geliefert, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron dabei eine Rolle spielt. Über die Zwillingsforschung ist es möglich, die Auswirkungen eines erhöhten Testosteronspiegels bei Frauen zu untersuchen. Dazu werden verschiedengeschlechtliche Zwillingspaare mit gleichgeschlechtlichen verglichen. Diesen Ansatz wählten die Wissenschaftler auch hier: Sie studierten die Unterschiede im MRT bei 804 Zwillingen mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren. Dazu gehörten 351 Frauen und 223 Männer mit einem gleichgeschlechtlichen Zwilling sowie 120 Frauen und 110 Männer, die einen andersgeschlechtlichen Zwilling hatten.

Frauen mit Zwillingsbrüdern schnitten signifikant besser ab als ihre Geschlechtsgenossinnen, die eine Zwillingsschwester hatten, zeigte die Auswertung. Auch Männer mit einem Zwillingsbruder erreichten höhere Punktzahlen als Männer mit einer Zwillingsschwester, allerdings in geringerem Maße. Insgesamt übertrumpften die Männer die Frauen deutlich, was die Forscher auch erwartet hatten.

Für den Bruder-Effekt gibt es zwei Erklärungen, schreiben die Wissenschaftler. Zum einen könnte es sein, dass Frauen unter vorgeburtlichem Testosteroneinfluss in gewisser Weise vermännlichen: Wenn sie in ihrer embryonalen Phase einen benachbarten männlichen Zwilling haben, bekommen sie mehr Testosteron ab, wodurch ihr Gehirn höhere Leistungen bezüglich dreidimensionalen Denkvermögens entwickelt. Andererseits könnte die Ursache für den Effekt jedoch auch im sozialen Bereich liegen. Demnach kommen Frauen mit einem Zwillingsbruder mehr mit männertypischen Aktivitäten in Berührung als Frauen mit einer Schwester. Die Forscher selbst glauben an eine Mischung von vorgeburtlichen hormonellen Gegebenheiten und späteren Umwelteinflüssen: Testosteron wirkt während der Schwangerschaft auf weibliche Föten, so dass diese sich nach der Geburt eher männertypischen Aktivitäten zuwenden und dadurch auch im räumlichen Denken immer besser werden.

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Eero Vuoksimaa (Universität in Helsinki) et al.: Psychological Science, Onlineveröffentlichung, doi: 10.1177/0956797610376075 ddp/wissenschaft.de ? Theresa Klüber
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