Walter Ulbricht Zwischen Hoffen und Bangen - wissenschaft.de
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Walter Ulbricht

Zwischen Hoffen und Bangen

Wie vollzog sich seit 1933 die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung in einer ganz normalen deutschen Stadt? Wie erlebten die Betroffenen den Prozess der Ausgrenzung und Verfolgung? Und wie verhielten sich nichtjüdische Nachbarn und Freunde? Eine neue DVD des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) liefert Antworten auf diese Fragen: In drei verschiedenen Filmelementen zeichnet sie die Geschichte der Judenverfolgung in Westfalen am Beispiel zweier jüdischer Familien aus Münster nach.

Im Mittelpunkt des Mediums, das das LWL-Medienzentrum für Westfalen mit Unterstützung des Geschichtsorts Villa ten Hompel und des Medienservice für Münster produziert hat, steht ein einzigartiges Filmdokument. Gedreht hat es der jüdische Kaufmann Siegfried Gumprich in den Jahren 1937 bis 1939. Die Filmaufnahmen zeigen scheinbar unbeschwerte Momente des Familienlebens: Eltern und die beiden Kinder Brigitte und Walter beim Spiel im Garten, beim Sonntagsspaziergang in der Altstadt, beim Sport und im Urlaub. Doch der Schein trügt. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen hatten die Gumprichs wie die übrigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde schon mit schwersten Repressionen und Demütigungen zu kämpfen. Anders als viele Freunde und Verwandte entkam die Familie aber fast in letzter Minute dem Holocaust: Drei Tage vor Kriegsbeginn gelang ihnen die Flucht nach Großbritannien.

„Durch die Flucht wurden auch die in ihrer Überlieferung wohl einmaligen Amateurfilmsequenzen aus dem Leben einer jüdischen Familie in Deutschland zur Zeit der Naziherrschaft vor der Vernichtung bewahrt“, erläutert Dr. Markus Köster, Historiker und Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Auf Vermittlung der Historikerin Gisela Möllenhoff gelangten die Aufnahmen ins LWL-Medienzentrum. 2003 verarbeitete der Filmemacher Markus Schröder sie zu einem 20-minütigen Dokumentarfilm, der jetzt in deutscher und englischer Sprache erstmals auf DVD zur Verfügung steht.

Ein zweiter Filmteil dokumentiert die Erinnerungen von Hans Kaufmann, der 1925 als Sohn eines angesehenen jüdischen Rechtsanwaltes in Münster geboren wurde. In einem Gespräch mit Markus Schröder schildert der inzwischen 85-Jährige ohne jedes Pathos, aber mit großer Eindringlichkeit, wie er als Kind die immer stärkere Verfemung und Isolierung der jüdischen Bevölkerung Münsters erlebte, aber auch, wie seine Eltern ihm 1939 zur Flucht nach Dänemark verhalfen. Von dort entkam Hans Kaufmann 1943 nach Schweden, seiner heutigen Heimat.

Den dritten Teil der DVD bildet ein filmanalytischer Baustein, der am Beispiel der Aufnahmen von Siegfried Gumprich vorführt, wie aus einem historischen Filmdokument ein historischer Dokumentarfilm wird. Die Methoden der Gestaltung reichen dabei vom Schnitt über die Kommentierung bis zur Musik.

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„Damit erfüllt die DVD einen doppelten Zweck“, erläutert Markus Köster. „Exemplarisch und in anrührender Anschaulichkeit vermittelt sie, auf welche Weise sich Diskriminierung und Verfolgung der deutschen Juden während des „Dritten Reiches“ vollzogen. Zugleich bietet das Medium sich für einen methodisch-reflektierten Einsatz im Geschichtsunterricht und auch für die Vermittlung kritischer Medienkompetenz an. Dafür enthält sie in einem ROM-Teil und einem umfangreichen Begleitheft zusätzliche Hintergrundinformationen, Materialien und Unterrichtstipps.

Zwischen Hoffen und Bangen Jüdische Schicksale im Münster der NS-Zeit DVD mit Begleitheft Spielzeit ca. 90 Minuten, s/w und Farbe, Preis 14,90 Euro.

Bezug: LWL-Medienzentrum für Westfalen Fürstenbergstr. 14 48147 Münster E-Mail: medienzentrum@lwl.org Fax: 0251/ 591-3982

Quelle: LWL
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