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Gesellschaft+Psychologie

Auch verbale Schläge schaden

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Credit: Thinkstock
„Du bist echt das Letzte…“ viele Eltern machen ihre Kinder regelmäßig zur Sau, um ihrem Frust mit dem renitenten Nachwuchs Luft zu machen, oder weil sie glauben, der psychische Druck verbessere das problematische Verhalten. Doch diese Strategie funktioniert nicht und geht vermutlich sogar nach hinten los, legt eine aktuelle Studie aus den USA nahe: Jugendliche im Alter von 13 bis 14 Jahren, die oft mit harten Worten beschimpft werden, entwickeln häufig Verhaltensprobleme und depressive Gemütszustände.

Körperliche Züchtigung als Erziehungsmittel ist schädlich – das ist mittlerweile allgemein bekannt. Weniger erforscht sind hingegen die Auswirkungen von verbalen Disziplinierungsmaßnahmen im Rahmen der Kindererziehung. Eine Umfrage in den USA hatte ergeben, dass 50 Prozent der Eltern ihre Kinder ausgesprochen hart verbal traktieren: Sie beleidigen, hänseln oder verfluchen ihre Kinder sogar gelegentlich.

 

Die Forscher um Ming-Te Wang von der University of Pittsburgh sind der Frage, wie sich dies auf die Entwicklung von Kindern und Jugendliche auswirkt, durch eine umfangreiche Langzeitstudie nachgegangen. Sie führten über zwei Jahre hinweg kontinuierlich Befragungen bei rund 1 . 000 Mittelklasse-Familien durch, in denen mindestens ein Kind im Alter von 13 bis 14 Jahren lebte. Alle Beteiligten wurden detailliert nach den Erziehungspraktiken, der Qualität der Eltern-Kind- Beziehung, den psychischen Befindlichkeiten und problematischem Verhalten der Kinder in Alltag und Schule befragt .

 

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Bedenkliche Zusammenhänge

 

Die Auswertungen der Forscher ergaben: Wenn Eltern ihre Kinder mit verbaler Gewalt traktierten, entwickelte der Nachwuchs verstärkt depressive Störungen und Verhaltensprobleme. Die Jugendlichen hatten beispielsweise häufiger disziplinarische Probleme in der Schule und neigten mehr zu kriminellen Verhaltensweisen und körperlicher Gewalt als Altersgenossen, die zuhause wenig beschimpft wurden. Auch ein eigentlich liebevoller Familienhintergrund mache die schädlichen Auswirkung verbaler Gewalt nicht wett, berichtet Ming-Te Wang. Bei Familien, die von einem innigen Verhältnis berichteten, machte sich der Effekt harscher Sprache in den Statistiken ebenfalls negativ bemerkbar. „Verbale Gewalt scheint unter allen Umständen schädlich zu sein“, sagt Wang.

 

Dem Forscher zufolge sei stets der beste Weg, ein Problem mit einem Kind oder Jugendlichen ruhig zu besprechen. Für viele Eltern ist das im emotionsgeladenen Alltag schwer umzusetzen. Es sei deshalb wichtig, entsprechende Strategien in Beratungsprogramme für Eltern besser zu integrieren. Man könne Alternativen zum Schreien und Beschimpfen erlernen, so Wang.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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