Dem „guten Ruf" auf der Spur - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie

Dem „guten Ruf“ auf der Spur

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Credit: Thinkstock
Gutes tun lohnt sich – wie bei dem jungen Mann, der immer der alten Dame die Einkaufstaschen in den zweiten Stock trägt: Hat dieser nette Zeitgenosse selbst mal ein Problem, zeigt sich die Nachbarschaft besonders hilfsbereit. Dieser positive Aspekt eines guten Rufs ist ein typischer Bestandteil des menschlichen Sozialverhaltens. Japanische Forscher konnten nun zeigen, dass dieses Konzept schon das Verhalten von Fünfjährigen im Kindergarten prägt: Beobachtet ein Kind, wie ein anderes sich pro-sozial verhält, zeigt es sich dem „netten“ Kameraden gegenüber ebenfalls besonders hilfsbereit.

Bei Erwachsenen ist die sogenannte sozial indirekte Reziprozität durch Studien gut belegt: Beobachten Menschen positives Sozialverhalten eines anderen, unterstützen sie ihn, auch wenn sie gar nicht selbst von der guten Tat profitiert haben. Umgekehrt funktioniert das Prinzip auch: Bekannten Missetätern wird die Kooperation verweigert. Auf die tiefen Wurzeln solchen Sozialverhaltens weisen bereits einige Untersuchungen an Kindern hin. Beispielsweise machen Kleinkinder schon ab einem Alter von sechs Monaten ablehnende Zeichen gegenüber Handpuppen, die sich böse verhalten und bejahende gegenüber freundlichen Akteuren. Bisher wurden solche Verhaltensweisen von Kindern allerdings nicht in einem realen sozialen Umfeld erforscht. Mayuko Kato-Shimizu und seine Kollegen von der Osaka University haben diese Lücke nun geschlossen.

 

Hilfsbereitschaft im Kindergarten

 

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Die Wissenschaftler führten ihre Untersuchungen in zwei Gruppen eines japanischen Kindergartens durch. Sie erfassten das Verhalten der insgesamt 35 Kinder durch Videoaufnahmen, die sie anschließend systematisch analysierten und auswerteten. Das Augenmerk der Forscher galt vor allem zwölf Kindern, von denen sie bereits wussten, dass sie häufig pro-soziales Verhalten zeigen. Sie erfassten bei ihren Beobachtungen nun gezielt, wann eines dieser Kinder freundliches Verhalten zeigte – beispielsweise einem anderen Kind einen Gegenstand gab oder ihm half, ein Problem zu lösen. Dabei blickten die Wissenschaftler in die Runde, um festzustellen, welches Kind dieses Szenario gerade verfolgte. Nun galt die Aufmerksamkeit diesem Beobachter-Kind und seinen folgenden Reaktionen auf den „netten“ Kameraden.

 

Die Auswertungen der Forscher dokumentierten nun, dass sich bereits Fünfjährige so etwas wie einen guten Ruf unter ihren Altersgenossen im Kindergarten schaffen. Auf ein Schema reduziert zeichnete sich die Regel ab: Hilft Kind A dem Kameraden B, wird sich Beobachter-Kind C anschließend A gegenüber hilfsbereit zeigen. Dadurch einsteht ein kooperatives Klima in der Gruppe. Dieser Aspekt sei ein fundamentaler Bestandteil des menschlichen Sozialverhaltens, sagen die Forscher. Die Fähigkeit zur Kooperation ist zweifellos eines der Erfolgsgeheimnisse der Spezies Mensch. Die aktuelle Studie belegt nun erneut, dass wir den Regeln dieses Konzepts bereits früh folgen.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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