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Forschung mit Witz

Erkennen wir Kulturzugehörigkeit am Lachen?

Kann man hören, woher ein Lachender stammt? (Illustration: Roza Kamiloglu and Disa Sauter)

Lacht da ein Japaner oder ein Niederländer? Forscher sind der Frage nachgegangen, inwieweit Menschen die kulturelle Zugehörigkeit am Klang des Lachens erkennen können. Den Ergebnissen zufolge gibt es in den nonverbalen Lautäußerungen offenbar subtile Hinweise, die eine korrekte Zuordnung ermöglichen: Anhand kurzer Hörbeispiele konnten Probanden überdurchschnittlich gut erkennen, ob eine lachende Person aus ihrer eigenen oder einer anderen kulturellen Gruppe stammt. Das galt dabei für das spontane sowie das bewusst-höfliche Lachen gleichermaßen.

„Hihi-Haha…“: Das Lachen ist ein Verhaltensphänomen, das alle Menschen der Welt miteinander verbindet. Es handelt sich um ein soziales Signal mit vielschichtiger Bedeutung. Es kann auf verschiedene Weise soziale Bindungen stärken oder auch kooperative Absichten verdeutlichen. Die Grundmuster der nonverbalen Lautäußerungen sind dabei universell: Das Lachen ist von stoßartigen Lauten geprägt. Doch es gibt bekanntlich deutliche individuelle Unterschiede in Klängen und Mustern und außerdem zwei grundlegend verschiedene Arten des Lachens.

Das spontane Lachen ist eine reflexartige Reaktion, beispielsweise auf lustige Witze, und ist von unkontrollierten akustischen Merkmalen geprägt. Das höfliche Lachen geben wir hingegen bewusst von uns – es wird durch eine gezielte Modulation der Stimme erzeugt, die das spontane Lachen in gewisser Weise imitiert. Durch dieses kommunikative Signal vermitteln wir unseren Mitmenschen etwa höfliche Zustimmung oder zumindest Friedlichkeit und gute Laune.

Wer lacht denn da?

Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass Menschen bestimmte Personen anhand ihres Lachens recht gut erkennen können. Sie können dabei auch Menschen Lachaufnahmen zuordnen, die sie zuvor nur sprechen gehört haben. Interessanterweise gelingt ihnen dies allerdings besser anhand des bewussten Lachens im Vergleich zum spontanen. Vermutlich liegt dies daran, dass die größere stimmliche Kontrolle mehr Hinweise auf den Lachenden vermittelt. Es gab auch bereits Hinweise darauf, dass sich die emotionalen Ausdrucksformen des Lachens zwischen verschiedenen kulturellen Gruppen in bestimmten Merkmalen unterscheiden. Doch inwieweit können wir aus dem Lachen eines Menschen tatsächlich auf seine kulturelle Zugehörigkeit schließen? Und welche Unterschiede gibt es dabei zwischen den Arten des Lachens?

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Diesen Fragen sind die Wissenschaftler um Disa Sauter von der Universität Amsterdam am Beispiel des Lachens von Japanern und Niederländern nachgegangen. Zunächst erzeugten sie dazu Hörbeispiele. Männliche und weibliche Probanden beider Länder lachten dazu entweder spontan über selbstgewählte Videos oder aber „höflich“ über Witze anderer, die sie nicht zu reflexartigem Lachen brachten. Aus diesen Aufnahmen gewannen die Forscher dann 350 niederländische und 445 japanische Lach-Clips der beiden Kategorien mit einer Länge von jeweils etwa fünf Sekunden. Sie wurden dann 273 niederländischen und 131 japanischen Studienteilnehmern zur Beurteilung vorgespielt.

Erkennbare Signatur

Es zeigte sich: In etwa 60 Prozent der Fälle konnten die Probanden anhand der nur kurzen Lachsequenzen die Gruppenzugehörigkeit richtig zuordnen. Mit einer Rate von etwa 75 Prozent lagen sie auch bei der Frage richtig, ob es sich um ein spontanes oder aber höfliches Lachen in der Aufnahme handelt. Auf die Fähigkeit zur kulturellen Zuordnung wirkte sich dies aber überraschenderweise nicht aus: Offenbar konnten die Studienteilnehmer in beiden Arten des Lachens gleich gut Spuren der Gruppenzugehörigkeit erkennen. Die Befragungen belegten zudem, dass spontanes Lachen in beiden Kulturen positiver bewertet wird als höfliches Lachen, berichten die Wissenschaftler.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hörer mit überdurchschnittlicher Genauigkeit erkennen können, ob eine lachende Person aus ihrer eigenen oder einer anderen kulturellen Gruppe stammt. Entgegen der Vermutung fanden wir aber keine Hinweise darauf, dass sie die Gruppenzugehörigkeit anhand des bewussten Lachens besser erkennen könnten“, resümieren die Autoren. „Diese Ergebnisse ergänzen damit das wachsende Wissen über das Lachen als einem reichhaltigen stimmlichen Signal, das von Zuhörern verwendet werden kann, um eine Vielzahl von Rückschlüssen auf andere zu ziehen – von ihren sozialen Beziehungen bis hin zu ihrer Identität“, schließen die Wissenschaftler.

Quelle: Universiteit van Amsterdam

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