Kinder verstehen früh, was Zählen bedeutet - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie

Kinder verstehen früh, was Zählen bedeutet

Kleine Pobanden zeigen numerisches Verständnis. (Bild: Johns Hopkins University)

„Eins, zwei, drei…“: Beim Zählen geht es um Mengen, das weiß jedes Kind – doch ab wann genau entwickelt sich dieses Verständnis? Eine experimentelle Studie bei 14 bis 18 Monate alten Kindern zeigt nun: Lange bevor die Kleinen die genaue Bedeutung von Zahlenwörtern kennen, begreifen sie, dass es um mehr als ein einzelnes Objekt geht, wenn Erwachsene zählen.

Die Erlebniswelt und die geistigen Fähigkeiten von Kindern im ersten und zweiten Lebensjahr galten lange als vergleichsweise simpel. Doch die Forschung der letzten Jahre hat zunehmend gezeigt, dass viele Verstandesleistungen sich bereits überraschend früh entwickeln. Bisher galt das allerdings nicht für die numerischen Fähigkeiten. Für den frühkindlichen Verstand sind sie offenbar eine große Herausforderung, geht aus Studien hervor. Dabei gilt: In der Regel verstehen Kinder die volle Bedeutung von Zahlenwörtern erst, wenn sie ungefähr vier Jahre alt sind.

Unverständnis bis zum Vorschulalter?

„Das erscheint überraschend, wenn man bedenkt, wie oft kleine Kinder mitbekommen, wie Erwachsene etwas zählen“, sagt Lisa Feigenson von der Johns Hopkins University in Baltimore. Im Rahmen ihrer Studie sind die Kognitionswissenschaftlerin und ihre Kollegen deshalb nun der Frage nachgegangen, inwieweit Kinder auch schon vor dem Vorschulalter ein Verständnis von der Bedeutung des Zählens entwickeln. Die Forscher führten dazu spielerische Experimente mit Kindern im Alter von 14 bis 18 Monaten durch.

Die kleinen Probanden sahen dabei zu, wie Spielzeuge – kleine Hunde oder Autos – in einer Kiste versteckt wurden, in die sie nicht hineinsehen, in die sie aber greifen konnten. Bei einigen Versuchsansätzen zählten die Forscher im Blick der Kinder jedes Spielzeug auf, wenn sie mehrere nacheinander in die Schachtel legten. Sie sagten dabei: „Schau! Ein, zwei, drei, vier – vier Hunde!“ Ein anderes Mal zeigte der Versuchsleiter nur auf die einzelnen Spielzeuge und sagte dazu: „Dies, das, das und das – diese Hunde.“ Anschließend wurden sie ebenfalls in die Kiste gelegt. Danach durften die Kinder in die Schachtel greifen. Wie sie sich dabei verhielten, erfassten die Wissenschaftler durch Videoaufnahmen.

Da geht es um „mehr“!

Die Auswertungen ergaben: Wenn die Forscher nicht gezählt hatten, fiel es den Kindern schwer, sich daran zu erinnern, dass die Schachtel mehrere Spielzeuge enthielt: Sie verloren das Interesse an der Kiste, nachdem sie sich ein Spielzeug herausgeholt hatten. Wenn der Versuchsleiter allerdings zuvor die Spielzeuge gezählt hatte, zeigten die Kleinen ein anderes Verhalten: Sie wollten immer wieder in die Kiste greifen – sie hatten offenbar begriffen, dass es mehr zu holen gab. Sie erinnerten sich zwar nicht an die genaue Zahl, es zeichnete sich aber ab, dass sie sich an die ungefähre Menge erinnerten, berichten die Wissenschaftler.

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„Die Ergebnisse waren überraschend“, sagt Co-Autorin Jenny Wang. “Denn frühere Studien haben immer wieder verdeutlicht, wie schwer es für kleine Kinder ist, die Bedeutung von Zählwörtern zu begreifen“. Wie sich nun abzeichnet, stimulieren diese Begriffe Kinder aber offenbar schon früh dazu, eine Vorstellung von Mengen zu entwickeln. „Untersuchungen wie unsere zeigen, dass kleine Kinder bereits ein überraschend komplexes Verständnis der Welt entwickeln – sie versuchen dabei, einen Sinn für das zu finden, was Erwachsene in ihrer Umgebung sagen. Und dazu gehört offenbar auch das Zählen“, resümiert die Kognitionswissenschaftlerin.

Quelle: Johns Hopkins University, Fachartikel: Developmental Science, doi: 10.1111/desc.12805

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