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Gesellschaft+Psychologie

Krebsschutz – frei erfunden

Die Befürchtungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dass nach dem Skandal um den südkoreanischen Klonexperten Hwang Woo-Suk weitere Fälschungen in den Biowissenschaften aufgedeckt werden, haben sich bewahrheitet (bild der wissenschaft 3/2006, „ Kein Ende der Fahnenstange“). Am Pranger steht der norwegische Krebsforscher Jon Sudbø vom Radiumhospital in Oslo. Er hatte im vergangenen Oktober mit 13 Mitautoren in der angesehenen britischen medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ eine Studie zur Behandlung von Mundhöhlenkrebs veröffentlicht. Darin schrieb Sudbø, dass Raucher sich vor dieser Krebsform durch die Einnahme bestimmter Schmerzmedikamente und entzündungshemmender Mittel schützen könnten. Der Mediziner stützte sich bei seiner Untersuchung auf das norwegische Gesundheitsregister CONOR mit angeblichen Daten zu 123 234 Menschen aus den Jahren 1975 bis 1995.

Der Schwindel flog auf, als eine Kollegin Sudbøs an der Datengrundlage zweifelte und beim Radiumhospital nachfragte. Dabei kam heraus, dass CONOR erst im Jahr 1994 eingerichtet worden war. Mit dieser Tatsache konfrontiert, gab Sudbø zu, auch andere Details der Datenbank – etwa ihre Kopplung an Krebs- und Todesursachenregister – frei erfunden zu haben.

Lancet-Chefredakteur Richard Horton beteuerte, sein Blatt habe die nötige Sorgfaltspflicht nicht verletzt. Er könne sich allerdings nicht erklären, dass keinem der 13 Mitautoren der Betrug ihres Kollegen aufgefallen sei. Doch damit nicht genug: Kürzlich gab Sudbø zu, auch in zwei anderen renommierten Fachblättern seine Fälschungen veröffentlicht zu haben.

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