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Gesellschaft+Psychologie

Namen prägen früh das Gedächtnis

Wenn verschiedene Plüschtiere persönliche Namen bekommen, prägen sich Kleinkinder offenbar eher ihre individuellen Merkmale ein. (Bild: Alexander S. LaTourrette)

Das ist „Minka“ oder aber „das ist ein Plüschtier“ – ob ein Objekt individuell oder als Teil einer Kategorie benannt wird, beeinflusst schon früh die Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit des Menschen, zeigt eine Studie. Wenn verschiedene Plüschtiere individuell benannt werden, können zwölf Monate alte Kinder sie anschließend besser wiedererkennen, als wenn sie mit einem Sammelbegriff bezeichnet wurden. Bei gleichen Begriffen richtet sich die Aufmerksamkeit wahrscheinlich eher auf die Gemeinsamkeiten und nur bei individuellen Bezeichnungen auf die spezifischen Merkmale, erklären die Forscher.

Es ist eine wichtige Funktion unseres Verstandes, die mit der Sprache eng verbunden ist – wir kategorisieren und individualisieren: Ein Mensch, eine Katze, eine Pflanze… Diese Begriffe bezeichnen Mitglieder einer Gruppe mit bestimmten Gemeinsamkeiten, die wir verallgemeinern. Mit „Martin“, „Minka“ oder „Rose“ heben wir hingegen die Individualität der Person oder des Objekts hervor. Bei Erwachsenen ist die Bedeutung dieser Verbindung recht gut dokumentiert. Bisher ist allerdings unklar, wie und wann die Verbindung zwischen Sprache und kognitiver Darstellung im Lauf der Kindheitsentwicklung entsteht.

Dieser Frage sind Alexander LaTourrette und Sandra Waxman von der University of British Columbia in Vancouver nun durch eine experimentelle Studie nachgegangen. Bei den Versuchsteilnehmern handelte es sich um 77 Kleinkinder im Alter von 11,5 bis 12,5 Monaten. Im Rahmen der Sprachentwicklung repräsentiert diese Phase ein frühes Stadium: In diesem Alter sagen Kleinkinder häufig zum ersten Mal ein Wort, das sie auch tatsächlich mit einer Bedeutung verbinden können.

Test mit benannten Plüschtieren

Am Anfang der Untersuchungen stand eine Trainingsphase: Den jungen Probanden wurden nacheinander Bilder von vier gleichgroßen Plüschtieren in einem ähnlichen Stil präsentiert, die sich aber im Detail unterschieden: Es handelte sich um eine Katze, eine Ente, ein Schwein und einen Panda. Eine Gruppe der Kinder hörte bei dem aufeinander folgenden Erscheinen der Plüschtiere immer die gleiche Bezeichnung: „Schau dir den Boff an!“ Bei der anderen Gruppe bekam jedes Plüschtier hingeben eine individuelle Bezeichnung: „Schau dir Etch an!“, hieß es etwa bei der Ente oder „Schau dir Arg an!“ beim Plüsch-Schweinchen.

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Während der Testversuche wurde den Kindern dann schweigend jedes Trainingstier zusammen mit einem anderen präsentiert, das sie noch nicht gesehen hatten – beispielsweise die Ente zusammen mit einem Affen. Ob die Kleinen die Ente als bekannt erfassten, schlossen die Forscher aus den Aufzeichnungen ihrer Blicke. Demnach schauen Kinder ein neues Objekt im Gegensatz zu einem bekannten intensiver an: Beim Beispiel sollten sie also eher auf den Affen blicken, wenn ihnen die Ente bereits bekannt erscheint.

Namen richten den Fokus auf individuelle Merkmale

Wie die Forscher berichten, ergaben ihre Auswertungen: Diejenigen Kinder, die für jedes Tier eine individuelle Bezeichnung gehört hatten, erkannten die meisten zuvor gesehenen Plüschtiere wieder. Im Gegensatz dazu war die Erfolgsquote bei den Probanden, die immer die gleiche Bezeichnung für alle Plüschtiere gehört hatten, deutlich geringer, berichten die Forscher. Demnach bestimmt die Art und Weise, wie ein Objekt benannt wird, schon bei Kleinkindern, die gerade erst zu sprechen beginnen, die mentale Repräsentation eines Objektes und seine Einprägung ins Gedächtnis, resümieren LaTourrette und Waxman.

Wie sie erklären, liegt der Effekt wahrscheinlich daran, dass die immer gleiche Bezeichnung die Wirkung eines Kategoriebegriffs erzeugt hat. Vermutlich regte dies die Kinder dazu an, eher nur auf Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Plüschtieren zu achten. Demgegenüber führten die Namen dazu, dass sich die Kinder die individuellen Merkmale einprägten, wodurch sie die Plüschtiere später besser wiedererkennen konnten, sagen die Wissenschaftler.

Die Ergebnisse legen somit nahe, dass die Entwicklung zur Fähigkeit der Generalisierung und Individualisierung im Zusammenhang mit Sprache früh beginnt. Die Grenze ist dabei allerdings nun noch nicht ausgelotet. LaTourrette und Waxman planen deshalb nun weitere Untersuchungen, die Einblicke liefern, wann im Laufe des ersten Lebensjahrs sich das interessante mentale Muster abzuzeichnen beginnt.

Quelle: PNAS, doi: 10.1073/pnas.2006608117

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