Olympischer Denksport - wissenschaft.de
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Astronomie+Physik Gesellschaft+Psychologie

Olympischer Denksport

Onkel Leonhard, ein Bruder meiner Schwiegermutter, ist Junggeselle und war Mathematiklehrer an einer Realschule in Leipzig. Seit er pensioniert ist, hat ihn die Reiselust gepackt, und er taucht in regelmäßigen Abständen bei all seinen Verwandten in ganz Deutschland auf. Onkel Leonhards Besuche sind immer etwas gefürchtet, denn er behandelt jeden wie einen faulen und begriffsstutzigen Schüler.

Bei seinem letzten Besuch erzählte er uns am Kaffeetisch, dass er einen Förderverein gegründet habe. „Wie ihr wissen solltet“, sagte er dann mit erhobenem Zeigefinger, „hat sich Leipzig beim IOC darum beworben, 2012 die 30. Olympischen Sommerspiele ausrichten zu dürfen. Zweifellos wird die Bewerbung erfolgreich sein.“ „Was hat dein Förderverein mit der Olympiade zu tun?“, fragte meine Frau. „Es gibt Unmengen von olympischen Disziplinen, vom Achterrudern bis hin zum Zehnkampf – und bei allen geht es nur um körperliche Tüchtigkeit, während der Geist außen vor bleibt. Nun weiß aber jeder seit Juvenal, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist stecken sollte. Und darum fordere ich: Denksport muss eine olympische Disziplin werden. Der Förderverein, den ich gegründet habe, versucht, dies beim IOC durchzusetzen.“ „Gibt es denn außer dir noch weitere Mitglieder in dem Verein?“, fragte meine Tochter etwas taktlos. „Natürlich“, erwiderte Onkel Leonhard entrüstet. „Wir sind zu dritt.“ „ Wahrscheinlich alles pensionierte Lehrer“, murmelte ich. Onkel Leonhard sah mich böse an und fuhr vor: „Das Logo unseres Vereins ist gleichzeitig eine Denksportaufgabe. Es sind die olympischen Ringe, in deren 15 Feldern man die Zahlen von 1 bis 15 so verteilen soll, dass die Summe der Zahlen in jedem Ring 38 beträgt.“ Er kritzelte das Muster auf den Rand einer Zeitung. „Es gibt insgesamt 74 verschiedene Lösungen, von denen die eine Hälfte das Spiegelbild der anderen Hälfte ist. Bei allen Lösungen steht jedoch in dem Feld, das von den beiden unteren Ringen und von dem mittleren oberen Ring umschlossen wird, dieselbe Zahl. Versucht jetzt bitte herauszubekommen, wie sie lautet.“ Gehorsam machten wir uns an die Arbeit, aber so sehr wir uns auch mühten, es gelang uns nicht. Nach einer halben Stunde sagte Onkel Leonhard: „Wie ich sehe, seid ihr alle recht denkunsportlich. Deshalb gebe ich euch drei Zahlen vor.“ Aber auch mit dieser Hilfe gelang es uns nicht, das Problem zu lösen. Wissen Sie, welche Zahl in dem Feld stehen muss, das vom mittleren oberen Ring und von den beiden unteren Ringen begrenzt wird?

Die Lösung des März-Preisrätsels

Das Problem lässt sich recht einfach lösen, wenn man die beiden Wanderungen in ein Weg-Zeit-Diagramm zeichnet. Nennt man die drei Zeitabschnitte von Sonnenaufgang bis Mittag, von Mittag bis 16 Uhr und von 16 Uhr bis 21 Uhr t1, t2 und t3 und die Entfernungen von Altendorf nach Hesepe bzw. von Altendorf nach Frenswegen a bzw. b, so erhält man aus dem Strahlensatz folgende Gleichungen: a/b = t1/(t1 + t2 + t3) und a/b = t2/(t1 + t2). Setzt man die beiden Ausdrücke gleich und löst sie nach t1 auf, ergibt sich t1 = Ð t2(t2 + t3). Mit t2 = 4 Stunden und t3 = 5 Stunden erhält man daraus t1 = 6 Stunden. Somit lautet das Ergebnis: Die Sonne ging am ersten Tag der Wanderung um sechs Uhr morgens auf.

Die Gewinner

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Das Los hat entschieden: Rupert Koob, Oberhaching, erhält den Hauptgewinn, die Microsoft AutoRoute 2004. Buchpreise bekommen: Monika Edinger, Neustadt; Stefan Heidland, Karlsruhe; Wilhelm Kuny, Grünwald; Dr. Stefan Tóth, Grevenbroich; Margit Walter, Bellheim. Wir gratulieren allen Gewinnern.

So machen Sie diesen Monat mit:

Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 30. Juni 2004 an:

bild der wissenschaft

Kennwort „Cogito 06|04″

Ernst-Mey-Straße 8

70771 Leinfelden-Echterdingen

Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im September-Heft 2004 veröffentlicht.

Zu gewinnen

Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden zwei Hauptgewinne und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinne sind zwei Taschenferngläser „Victory Compact 8×20″ von Carl Zeiss für den besseren Durchblick. Mehr Infos dazu: www.zeiss.de Die Buchpreise sind fünf Exemplare „Ein Esel lese nie“ von Karl Günther Kröber, eine spannende Lektüre über die Mathematik der Palindrome (Wörter oder Sätze, die vorwärts und rückwärts gelesen den gleichen Sinn ergeben). Mehr Infos: www.rororo.de

Sind Sie noch im Bild der Wissenschaft? – Die richtigen Antworten

1c, 2b, 3a, 4b, 5a, 6a, 7b, 8abc, 9a, 10b

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Eis|bär  〈m. 16; Zool.〉 Angehöriger einer der größten Arten der Bären, lebt in der Arktis fast ausschließlich von Fischen u. Seehunden: Thalarctos maritimus

♦ Fi|bro|se  〈f. 19; Med.〉 krankhafte Vermehrung von Bindegewebe (Lungen~)

♦ Die Buchstabenfolge fi|br… kann in Fremdwörtern auch fib|r… getrennt werden.

ve|ge|ta|tiv  〈[ve–] Adj.〉 1 pflanzlich 2 〈Med.〉 unbewusst, nicht dem Willen unterliegend (von Nerven) ... mehr

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