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Gesellschaft+Psychologie

Private Equity: Details und Bedeutsamkeit des Beteiligungskapitals

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(Bild: Stock.adobe.com, Mikael Damkier)
Nicht nur börsennotierte Unternehmen bieten eine Möglichkeit zur Beteiligung durch Dritte. Eine immer bedeutsamere Option ist privates Beteiligungskapital oder Private Equity (PE).


Es ist eine der wichtigsten Grundregeln der Marktwirtschaft: Wachstum. Ohne das ständige Bestreben zur Weiterentwicklung stagnieren einzelne Firmen, Branchen und ganze Volkswirtschaften. Dies ist vor allem für nicht als Aktiengesellschaft operierende Firmen ein Problem. Sie stellen die mit Abstand größte Zahl an Deutschlands Wirtschaft dar, haben aber nur wenige Optionen, ihre Mittel jenseits der klassischen Eigenkapitalvermehrung und der Außenfinanzierung durch Kredite und Darlehen zu steigern. Hinzu kommt auch eine spezielle Problematik auf dem Immobiliensektor: Hier ist es wegen des typischerweise großen Umfangs der Arbeiten der dazu nötigen Finanzmittel bei gleichzeitiger Limitierung der Finanzbranche durch die Politik häufig noch schwieriger, frisches Geld zu bekommen.

An diesem Punkt kommt Private Equity ins Spiel: privates Beteiligungskapital, welches in seiner Chartakteristik zwischen klassischem Eigen- und Fremdkapital liegt.

Private Equity: Frisches Geld aus alternativen Quellen

Private Equity (PE) ist längst ein feststehender Begriff in der Finanz- und Wirtschaftswelt. Im deutschsprachigen Raum haben sich jedoch auch die beiden Formulierungen, privates Beteiligungskapital sowie außerbörsliches Eigenkapital etabliert. Gemeint ist damit immer dasselbe Grundprinzip:

Ein oder mehrere Investor(en) treten für ein nicht öffentlich gehandeltes Unternehmen bzw. ein von diesem betreutes Projekt als Geldgeber auf. Durch die Zahlung erwerben die Investoren Beteiligungen an diesem Unternehmen, bekommen typischerweise dadurch auch Stimmrechte. Diese sind in der Regel deutlich umfangreicher, als es beim Erwerb von Anteilen öffentlich gehandelter Firmen der Fall ist.

Der Rückfluss von Kapital erfolgt typischerweise über Gewinnbeteiligungen, kann sich aber auch so darstellen, dass durch PE eine Firma zunächst aufgekauft und später verkauft wird, wobei die Differenz zwischen Investitions- und Kaufsumme natürlich höher sein muss. Typischerweise gehört es zur Vorgehensweise, nicht nur Finanzmittel bereitzustellen, sondern über die erworbenen Stimmrechte auch unternehmerisches Knowhow in die Waagschale zu werfen – wichtig nicht zuletzt für Firmen, die PE benötigen, weil sie sich aktuell in einer wirtschaftlichen Schieflage befinden.

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Das heißt, PE stellt einen Mittelweg zwischen traditioneller Eigenkapitalvermehrung und Fremdkapital dar, ergänzt um eine Investition von Know-how. Damit ähnelt es in gewisser Hinsicht dem Vorgehen bei börsennotierten Unternehmen, ist jedoch keinesfalls direkt mit diesem zu vergleichen.

Sonderfall Venture Capital: Private Equity für spezielle Unternehmungen

Dicht mit dem Gedanken bzw. Vorgehen bei Private Equity verbunden ist auch Venture Capital (VC). Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Private Equity kann für zahllose Zwecke und Firmen eingesetzt werden; bei Venture Capital sind schon dem Namen nach (Wagniskapital, Risikokapital) ausschließlich solche Unternehmungen das Ziel, welche für die Investoren ein gegenüber dem Normalmaß erhöhtes Risiko für Verluste, teils sogar totaler Natur, darstellen.

Typischerweise sind dies Start-ups und andere Jungunternehmen; teilweise gehören dazu aber auch radikal-neue Ideen von etablierten Firmen. Im Unterschied zu PE ist hierbei zum Zeitpunkt der Investition nicht absehbar, wie die erwünschten Erträge tatsächlich ausfallen werden. Aus diesem Grund gehört zu Venture Capital typischerweise nicht nur eine reine Kapitalbeteiligung, sondern oft auch Unterstützung durch Know-how. Dabei ist die Bedeutung von VC enorm, vor allem für die Gründerwelt. Hier gibt es vielfach keine anderen Möglichkeiten, um an Kapital zu kommen. Ohne Venture Capital würden deshalb zahllose Projekte und Bestrebungen noch vor ihrer physischen Manifestierung im Sande verlaufen – mit potenziell katastrophalen Folgen für eine Gesamtwirtschaft:

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass von jungen Unternehmen oder auch Start-up-Firmen, als Träger der Innovationen eher „disruptiven“ Charakters, ein entscheidender Beitrag für die Wachstums- und Beschäftigungsperformance einer (hoch entwickelten) Volkswirtschaft ausgeht!“

Es gilt daher folgender Unterschied:

  • Private Equity richtet sich an etablierte Firmen, die schon längere Zeit bestehen,
  • Venture Capital richtet sich an Start-Ups und ähnliche Unternehmen in der Frühphase ihrer Existenz.

Private Equity: Typischer Modus Operandi

Theoretisch wäre es für Privatpersonen oder auch Firmen jeglicher Art möglich, eine private Beteiligung an einem anderen Unternehmen zu kaufen. In der Praxis geht PE jedoch meist einen völlig anderen Weg. Häufig stehen dahinter Private-Equity-Gesellschaften.

Das sind Investorengesellschaften sowie auch Fonds, die einzig aus dem Anlass gegründet wurden, anderen Unternehmen Private Equity zur Verfügung zu stellen. Ihre Mittel erhalten sie dabei von einer ganzen Reihe von Quellen, typischerweise institutionelle Investoren. Dies können unter anderem sein:

  • Banken,
  • Finanziell potente Privatpersonen,
  • Pensionskassen,
  • Staatliche Institutionen,
  • Versicherungen,

um nur die typischsten Vertreter zu nennen. Für solche Geldgeber sind die Einstiegshürden der meisten PE-Gesellschaften recht hoch, da hohe Mindestbeträge gefordert werden, typischerweise im Millionen-Bereich. In jüngster Zeit werben viele Gesellschaften allerdings auch verstärkt um Kleinanleger. Für diese wurden im Zuge der Leitzinsabsenkung auch bislang unkonventionelle Investitionsmöglichkeiten attraktiv. Über Dachfonds ist es ihnen möglich, auch mit vergleichsweise geringen Beträgen (aus Sicht des typischen PE-Niveaus) zu investieren. Hier liegt die Einstiegshürde je nach Fonds im niedrigen fünfstelligen Bereich.

Dabei sind nur wenige Private Equity Gesellschaften in extrem unterschiedlichen Segmenten gleichzeitig aktiv. Typischerweise liegt der Fokus der Bestrebungen auf einer oder nur sehr wenigen bestimmten Branchen. Eines der sowohl hierzulande wie global bedeutsamsten Betätigungsfelder ist der Immobiliensektor. Hier agieren spezielle Gesellschaften, die sich beispielsweise nur auf bestimmte Immobilien oder eine Immobilienkategorie fokussieren – etwa Seniorenwohnheime, Villen, Eigentumswohnungen und dergleichen. Auch hinter dieser Spezialform von PE (Real Estate Private Equity, REPE) steckt vor allem Notwendigkeit: Nicht zuletzt durch die Basel I – III Vorgaben wurde und wird es für Banken immer schwieriger, Geldmittel für gleichzeitig immer kostspieliger werdende Immobilienprojekte zu vergeben. Das heißt, der Finanzbedarf wuchs und wächst, gleichsam sank und sinkt jedoch die Möglichkeit zur traditionellen Kapitalbeschaffung.

Häufig, wenngleich nicht immer(!), steht hinter dem Finanzbedarf von Unternehmen allerdings auch der Wunsch nach einem Management Buy-Out (MBO). Hierbei bündelt leitendes Personal eines bestehenden Unternehmens seine Kenntnisse, um dieses Unternehmen praktisch In-House zu erwerben. Genügen die Finanzmittel der Akteure nicht, richten diese sich an PE-Gesellschaften. Dadurch wird (oft für begrenzte Zeit) das Management sowohl auf die neuen Eigner wie die PE-Gesellschaft verteilt; wobei die Konditionen erstere meist bevorteilen.

Private Equity: Bedeutung für den modernen Markt

Ein wichtiges Merkmal von Private Equity ist es, dass die Bedeutung beständig steigt. Zwar verzeichnete die Branche im zweiten Quartal 2020 einen herben Verlust, als COVID-19 sich verbreitete, jedoch konnte sich die Branche binnen kürzester Zeit wieder erholen:

„[…] this crisis was different. While a short-lived opportunity for distressed investors produced deals like the multimillion-dollar recapitalizations of Wayfair and Outfront Media, the value window slammed shut quickly. Both global credit and public equity markets rebounded with blinding speed over the summer, pulling private asset prices (which are highly correlated with public equites) along with them.
Consider that it took nearly seven years for the S&P 500 to get back to its precrisis high after the global financial crisis of  2008–09. This time around, the S&P reclaimed its losses within 150 days and finished the year 16% higher than where it started […].

Auf dem US-Markt etablierte sich dieses Investitionsprinzip bereits in den 1980ern. Auf dem europäischen und deutschen Markt hingegen konnte erst ab dem Jahrtausendwechsel Fuß gefasst werden. Dann allerdings mit jährlich steigenden Summen. Allein seit 2009 konnte das Investitionsvolumen hierzulande beinahe jährlich neue Rekorde feiern:

  • 2009: 3,03 Mrd. Euro
  • 2010: 4,98
  • 2011: 7,07
  • 2012: 6,66
  • 2013: 5,43
  • 2014: 7,30
  • 2015: 6,60
  • 2016: 6,78
  • 2017: 11,68
  • 2018: 12,03
  • 2019: 16,59
  • 2020: 12,55

Ähnlich sieht es auch in den meisten anderen Staaten aus. Weltweit konnte das von PE-Gesellschaften erworbene Vermögen im Jahr 2016 erstmalig die Schwelle von 600 Milliarden Dollar überschreiten; 2019 lag das Investitionsvolumen in Europa bei 260 Milliarden Euro.  

Der Grund für das so stark gesunkene Volumen anno 2020 ist dabei einzig in der Corona-Pandemie und der dadurch verstärkten Zurückhaltung in vielen Branchen zu finden. Sobald das Virus keine große Bedrohung mehr ist, werden wohl auch sämtliche Hemmnisse automatisch beseitigt werden – zumal viele Unternehmen dann verstärkt frisches Geld benötigen werden.

Das bedeutet, dass Private Equity in der postpandemischen Epoche wohl eine noch größere – globale – Bedeutung als jetzt erlangen wird. Denn überall wurden die Wirtschaften durch das Virus bzw. staatliche Abwehrmaßnahmen in Mitleidenschaft gezogen, in zahllosen Branchen gibt es Nachholbedarf und wird deshalb Kapital benötigt, welches oft nur von PE-Gesellschaften stammen kann.

04.05.2021

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