Tierversuche: Alternativmethoden ausgezeichnet - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie

Tierversuche: Alternativmethoden ausgezeichnet

Heikles Thema: Tiere im Dienste der Forschung. (Foto: Eduard Lysenko/iStock)

Tierversuche vermeiden, reduzieren und verbessern – diesem Motto ist der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis gewidmet. In diesem Jahr geht er zu gleichen Teilen an eine Toxikologin und einen Mathematiker, die sich um das Tierwohl in der Forschung verdient gemacht haben. Ellen Fritsche erhält den Preis für die Entwicklung eines Testsystems für Chemikalienwirkungen an neuronalen Zellkulturen. Hamid Noori wird für sein innovatives Nutzungskonzept von Big Data in der Neurobiologie ausgezeichnet, das zur Einschränkung von Tierversuchen führen könnte.

Tiere im Dienste der Forschung: Für den wissenschaftlichen Fortschritt, die Medizin und weitere Bereiche sind Tierversuche nötig – darüber herrscht weitgehend Einigkeit. Dennoch muss es Regeln geben und die Einschränkung von Tierleid sollte stets ein Ziel sein, betont die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Vor diesem Hintergrund hat die DFG nun zum siebten Mal den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis verliehen. Er richtet sich an Wissenschaftler, die den Tierschutz in der Forschung im Sinne des 3R-Prinzips verbessert haben: Die drei R stehen dabei für Replace (Vermeiden), Reduce (Reduzieren) und Refine (Verbessern).

„Die DFG als Forschungsförderorganisation hat ein ureigenes Interesse an einer konsequenten Umsetzung und Weiterentwicklung des 3R-Prinzips. Die Qualität von Forschungsergebnissen ist unmittelbar an einen verantwortlichen Umgang mit Versuchstieren geknüpft“, sagte DFG-Vizepräsidentin Katja Becker. Der Tierschutzpreis geht auf die Initiative von Ursula M. Händel (1915 bis 2011) zurück, die sich in vielfältiger Weise für den Tierschutz eingesetzt hat. Händel stellte der DFG die Mittel für den Tierschutzpreis zur Verfügung. Er wird alle zwei Jahre vergeben und ist mit 100.000 Euro dotiert. In diesem Jahr gab es 16 Bewerber. Die Jury hat sich diesmal dazu entschieden, den Preis zu teilen. Am 23. November 2018 wird die feierliche Verleihung in Berlin stattfinden.

Zellkultur statt Tier

Im Fokus der Forschung der Preisträgerin Ellen Fritsche von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf stehen sogenannte Neurosphären. Es handelt sich dabei Labor-Kulturen von Nervenzellen, die organähnliche Merkmale entwickeln. An diesem Modell-Hirngewebe lassen sich dann die Effekte bestimmter Substanzen auf die Entwicklung des Gehirns testen. Die Relevanz für den Tierschutz lieget somit auf der Hand: Durch Neurosphären könnten in Zukunft weniger Experimente mit Ratte und Co nötig sein. Das Konzept bietet sogar Vorteile: Weil die Neurosphären aus menschlichen Stammzellen gezüchtet werden, eignen sie sich besonders gut für die Untersuchung potenziell kritischer Wirkungen von chemischen Stoffen für das Nervensystem des Menschen. Denn klar ist: Ergebnisse aus Tierversuchen lassen nicht immer uneingeschränkt auf den Menschen übertragen.

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Wie Fritsche und ihr Team ankündigen, wollen sie das Preisgeld nun für die Weiterentwicklung ihres Neurosphären-Konzepts einsetzten. Ihr Ziel ist es, die Auswirkungen neurotoxischer Substanzen zuverlässig charakterisieren zu können, damit das Testsystem auf europäischer Ebene als Ersatzmethode für die bislang vorgeschriebenen Tierversuche anerkannt werden kann.

Bessere Datenauswertung kann Tierversuche vermeiden

Der Erfolg des zweiten Preisträgers basiert auf einem ganz anderen Ansatz – jedoch mit ähnlich günstigen Effekt für den Tierschutz. Hamid Reza Noori vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen macht bereits vorhandene Daten aus Tierversuchen besser nutzbar, wodurch weniger Experimente nötig werden. Er verwendet neue Ansätze aus Mathematik, Datamining und maschinellem Lernen, um die Vielzahl publizierter Daten aus neurobiologischen Forschungsprojekten der letzten Jahrzehnte auszuwerten.

Konkret haben er und sein Team tausende Studien über chemische Abläufe im Gehirn von Ratten analysiert und die gesammelten Erkenntnisse in Datenbanken frei zugänglich gemacht. Mittels eines speziell entwickelten Computermodells können die Forscher die Wirkung neuer Substanzen auf das Rattengehirn sogar vorhersagen. So lassen sich Studien besser planen und überflüssige Untersuchungen an Tieren vermeiden. Diese Nutzbarmachung von Big Data im Bereich der Neurowissenschaften birgt großes Potenzial für den Tierschutz in der Forschung, ist man bei der DFG überzeugt

Quelle: DFG, Max-Planck-Gesellschaft

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