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Gesellschaft+Psychologie

Unsichere Kleinkinder suchen Hilfe

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Wo ist das Spielzeug? Illustration zu den Versuchen, Credit: PNAS, doi:10.1073/pnas.1515129113 , CC-by-sa
„Ich weiß nicht – was meinst Du denn?“ Unsicherheit teilen Menschen typischerweise anderen mit, um sich Hilfe bei Entscheidungen zu holen. Französische Forscher haben nun dokumentiert, wie erstaunlich früh sich dieses charakteristische Verhalten entwickelt: Schon bevor sie klar sprechen können, drücken Kleinkinder im Alter von 20 Monaten ihre Unsicherheit aus, um sich Unterstützung zu organisieren.

Was ist in diesem Fall die richtige Entscheidung? Mit dieser Frage sind Lebewesen in ihrem Alltag häufig konfrontiert – vom Insekt bis zum Primaten. Dabei haben sich verschiedene Strategien entwickelt, um mit Unsicherheit umzugehen und damit auf die unklare Situation möglichst sinnvoll zu reagieren. Der Mensch hat diese Fähigkeit zu einer seiner großen Stärken ausgebaut: So detailliert wie kein anderes Wesen kommunizieren wir unsere Unsicherheit Mitmenschen, um Entscheidungen auf eine breitere Informationsbasis stellen zu können. Bisher war unklar, in wieweit diese Fähigkeit mit der Sprachentwicklung zusammenhängt – ob sie schon vor oder erst nach diesem wichtigen  Entwicklungsschritt vorhanden ist. Dieser Frage sind die Forscher um Louise Goupila von der Université de recherche Paris Sciences et Lettres (oder PSL Research University in Paris)nun konkret nachgegangen.

An der Studie nahmen insgesamt 80 Kinder im Alter von 20 Monaten teil, die während der Tests von ihren Eltern betreut wurden. In spielerischer Atmosphäre sollte sich zeigen, ob die Kleinen ihre Bezugspersonen durch Körpersprache zur Hilfe auffordern, um Fehler bei den Aufgaben zu vermeiden. Zunächst platzierte der Versuchsleiter dazu vor den Augen der Kinder und ihrer Eltern ein Spielzeug unter einer von zwei Kisten. Anschließend sollte das Kind auf die Kiste zeigen, unter der sich das Spielzeug befand – was die Kleinen in der Regel auch souverän selbstständig leisteten.

Fragende Blicke richten sich an die Eltern

Beim zweiten Versuchsteil kam nun allerdings ein Vorhang zum Einsatz: Er wurde vor dem Blickfeld der Kinder zugezogen und der Versuchsleiter versteckte dahinter das Spielzeug unter einer der beiden Kisten. Dem Kind fehlte somit die klare Information über das Versteck – die Eltern wussten hingegen, wo sich das Spielzeug befand. Anschließend ging der Vorhang wieder auf und der kleine Proband wurde wieder gefragt, unter welcher der Kisten das Spielzeug sich wohl befindet. In dieser unklaren Situation wendeten sich die Kinder häufig an ihre Eltern, berichten die Forscher. Durch Blickkontakt machten sie nonverbal klar, dass sie unsicher sind und sich Hilfe wünschen, um keine falsche Entscheidung zu treffen, erklären Goupila und ihre Kollegen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder bereits in diesem Alter ihre eigene Unsicherheit registrieren und gegebenenfalls nonverbal kommunizieren können, um sich das Wissen anderer zu Nutze zu machen“, schreiben die Forscher. Die erstaunlich frühe Entwicklung dieses komplexen Verhaltens unterstreicht damit erneut die zentrale Bedeutung dieser Fähigkeit für den Menschen: Kollektives Wissen macht uns klug.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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