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Gesellschaft+Psychologie

Viel Sex – spätere Menopause

Im zweiten Lebensdrittel beendet das Klimakterium die Fruchtbarkeit von Frauen. (Bild: AMR Image/iStock)

Es ist weitgehend eine Veranlagungssache – doch offenbar beeinflusst auch ein anderer Faktor, wann Frauen ins Klimakterium kommen: Ein aktives Sexualleben ist mit einem eher späteren Beginn der Wechseljahre verknüpft, geht aus einer statistischen Studie hervor. Möglicherweise spiegelt sich in dieser Tendenz wider, dass sich der weibliche Körper an der Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis orientiert, sagen die Forscher. Ihnen zufolge passt dies wiederum zu der sogenannten „Großmutter-Hypothese“ als Erklärungsansatz für die Menopause.

Das Klimakterium ist ein Mysterium: Warum beenden die Wechseljahre bereits im zweiten Lebensdrittel die Fruchtbarkeit von Frauen, während Männer ihr Leben lang zeugungsfähig bleiben? Das Klimakterium bezeichnet dabei die Zeit der hormonellen Umstellung vor und nach der letzten Regelblutung, die auch den letzten Eisprung kennzeichnet. Im Tierreich finden sich dazu kaum Parallelen: In der Regel sind die Weibchen bis zum Tod fortpflanzungsfähig. Der bekannteste Erklärungsansatz für den evolutionären Ursprung des Klimakteriums beim Menschen ist die Großmutter-Hypothese. Sie besagt, dass Frauen jenseits der Wechseljahre durch ihre Erfahrungen für das Überleben der Sippe und damit der eigenen Gene besonders wichtig waren: Sie konnten sich durch die kluge Sorge um ihre Kinder und Enkel mehr Nachkommen sichern als durch die Geburt weiterer eigener Kinder, so die Theorie.

Studie mit intimen Einblicken

Wie Megan Arnot und Ruth Mace vom University College London berichten, gibt es bereits statistische Hinweise darauf, dass verheiratete Frauen tendenziell später in die Wechseljahre kommen als alleinstehende. Im Rahmen ihrer Studie sind sie nun der Frage nachgegangen, was hinter diesem Zusammenhang stecken könnte: Ist es nur das enge Zusammenleben mit einem Partner, das diesen Effekt beeinflusst oder hat es mit der Sexualität zu tun? Um Hinweise zu bekommen, haben sie Daten einer US-amerikanischen Studie zur Frauengesundheit ausgewertet.

Bei Studienbeginn im Jahr 1996 lag das Durchschnittsalter der rund 3000 Teilnehmerinnen bei 45 Jahren. Keine der Frauen war bereits in die Wechseljahre eingetreten. Die Daten umfassten neben vielen Informationen auch Einblicke ins Intimleben der Teilnehmerinnen: Sie gaben an, wie häufig sie sexuell aktiv waren – sei es in der Form von Geschlechtsverkehr oder anderer Praktiken. Die Studie besaß eine Laufzeit von zehn Jahren, im Verlauf derer die Frauen ins Klimakterium kamen. Unter Berücksichtigung weiterer Faktoren, darunter dem Östrogenspiegel, der Bildung, dem Gewicht und der allgemeinen Gesundheit, führten die Wissenschaftlerinnen eine statistische Auswertung durch, um einer etwaigen Verknüpfung von sexuellem Verhalten und dem Alter des Einsetzens der Menopause auf die Spur zu kommen.

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Ergebnisse im Einklang mit der Großmutter-Hypothese

Wie die beiden Forscherinnen berichten, lag das durchschnittliche Beginn der Wechseljahre bei 52 Jahren. Beim Blick auf die Variationsbreite dieses Alters zeichnete sich allerdings ab: Frauen, die wöchentlich Sex hatten, kamen signifikant später ins Klimakterium als Studienteilnehmerinnen, die angegeben hatten, nur etwa einmal im Monat sexuell aktiv zu sein. Bei Frauen, die noch weniger Sex praktizierten, setzte sich diese statistische Tendenz weiter fort, berichten die Wissenschaftlerinnen. Die bloße Anwesenheit eines Partners im Haushalt spielte hingegen keine Rolle, stellten sie fest.

Den Forscherinnen zufolge gibt es eine plausible Erklärung für den festgestellten Zusammenhang: Die Ergebnisse legen nahe, dass der weibliche Körper eher mit dem „Einsparprogramm Menopause“ beginnt, wenn eine Frau kaum Sex hat und dadurch ohnehin wenig Chancen auf eine Schwangerschaft bestehen. Dies fügt sich wiederum in das Konzept der Großmutter-Hypothese ein: Wenn eine Schwangerschaft unwahrscheinlich ist, erscheint es vorteilhafter, die Energie für die Menstruation einzusparen und für die Sorge um die bereits vorhandenen Nachkommen zu investieren. „Eine Annahme im Rahmen der Großmutter-Hypothese besagt, dass die Wechseljahre es reiferen Frauen ermöglichen, ihre Fitness zu steigern, um sich im fortgeschrittenen Alter um ihre Sippe kümmern zu können“, so Arnot.

Ihre Kollegin Mace sagt abschließend: „Irgendwann kommt die Menopause auf jeden Fall – es gibt keine natürliche Verhaltensintervention, die das Ende der weiblichen Fruchtbarkeit verhindern kann. Dennoch sind diese Ergebnisse ein erster Hinweis darauf, dass das Timing der Wechseljahre in einem gewissen Rahmen mit der Wahrscheinlichkeit verknüpft ist, schwanger zu werden“, resümiert die Wissenschaftlerin.

Quelle: University College London, Fachartikel: Royal Society Open Science, doi: 10.1098/rsos.191020

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