Zwischenruf von Peter Laufmann Vom Schleife binden – und Haien - wissenschaft.de
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Zwischenruf von Peter Laufmann

Vom Schleife binden – und Haien

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Immer noch werden Haifische als Bestien dargestellt. Jetzt fordern Politiker, sie wegen einiger Unfälle präventiv zu töten. Das ist dumm, findet unser Redakteur.

Ein anderes Beispiel: Wieder ist vor Australien ein Mensch von einem Hai angegriffen und getötet worden. Es ist nicht der erste in den letzten Monaten. Schon häufen sich die Stimmen, man müsse die „Killer“ präventiv töten. Im Bundesstaat Westaustralien hat der Ministerpräsident Colin Barnett erklärt, dass Haie, die an der Begrenzung einer einzurichtenden Schutzzone auftauchen, zum Abschuss freigegeben sind. Die „Grenze“ ist übrigens mit Ködern versehen…

Das ist schon perfide: Wir Menschen nehmen den Haien durch unsere Überfischung ihre Nahrungsgrundlage. Können wir ihnen da verübeln, wenn sie sie neue Jagdgründe suchen? So scheint es einen Trend zu geben, dass Haie in den letzten Jahren häufiger in Küstennähe auftauchen. Außerdem nehmen wir ihnen nicht nur das Futter; wir  jagen sie für unsere eigenen zweifelhaften Delikatessen oder töten sie versehentlich, wenn wir auf anderen Fisch aus sind. Eigentlich sind wir die gewissenlosen Killer.

Der australische Schießbefehl ist noch aus anderen Gründen als die Überreaktion eines ahnungslosen Politikers zu sehen: Vor Hawaii hatte die amerikanische Regierung von 1959 bis 1976 4700 Haie töten lassen – die Haiangriffe sind nicht weniger geworden. Selbst heute ist es vor Australien schon erlaubt, nach einem Haiunfall binnen 24 Stunden das Tier zu fangen. Diese „catch-and-kill-order“ ist allerdings ein schlechter Witz, denn in der Regel endet so ein Rachefeldzug ohne Beute. Es gibt eben nicht den Killer, der vor dem Strand auf fette Touristen lauert. Das ist ein Mythos, den Hollywood in zahlreichen Filmen kultiviert hat. Ähnlich dicht an der Realität wie Freddy Krueger oder der Weihnachtsmann.

Ja, es ist tragisch, wenn ein Mensch zu Tode kommt. Aber nur um das klar zu stellen: Nicht der Hai ist an Land gekommen und hat im Lebensraum des Menschen, etwa im Supermarkt, jemanden hinterrücks überfallen. Wir Menschen kommen zum Hai. Wir lieben das Meer. Und es werden immer mehr, die sich an den Stränden tummeln. Sie planschen, schwimmen, surfen. Allein schon aus statistischen Gründen steigt die Wahrscheinlichkeit eines versehentlichen Haiangriffs, denn der Mensch gehört nicht zum Speiseplan des Hais.

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In diesem Jahr gab es 88 registrierte Haiangriffe. Weltweit. 13 endeten tödlich. Zum Vergleich: Jeden Tag sterben 3500 Menschen im Straßenverkehr. Und 150 reisen jährlich ins Jenseits, weil ihnen eine Kokosnuss auf den Kopf fällt. Soll man deswegen alle Kokospalmen umhauen, sobald sie bedrohlich mit ihren Palmblättern wedeln?

Unterm Strich ist es also wie beim Schleife binden: Einfach ist es, es immer so weiterzumachen, wie man es gewohnt ist. Wie es naheliegend erscheint. In Bezug auf Menschen, die durch Haie sterben, heißt das: Man kann Schutzzonen einrichten, Netze vor den Stränden aufspannen, alle Haie töten. Oder man lebt mit dem Risiko und genießt die Sonne und das Meer.

Im Übrigen fordern weder Freunde noch Angehörige der letzten beiden Opfer vor Australien, dass man Haie vorsorglich tötet.

Bild: © James Thew – Fotolia.com

© natur.de – Peter Laufmann
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