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Gesellschaft+Psychologie

Warum die Menschen spielen

Spielendes Kleinkind
Der Spieltrieb ist uns Menschen angeboren. (Foto: Irina Schmidt, Fotolia)
„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, so lautet ein berühmtes Zitat von Friedrich Schiller. Damit trifft er ziemlich genau den Kern der Sache. Gesellschaftsspiele, Computerspiele, Glücksspiele, ob zusammen mit mehreren oder alleine – auf der ganzen Welt und in jeder Kultur wird gespielt. Hauptsächlich verbinden wir „spielen“ mit der typischen Freizeitbeschäftigung von Kindern. Für sie bedeutet es nicht nur Vergnügen, sondern auch das Erlernen wichtiger Fähigkeiten. Doch warum spielen wir Erwachsenen und welche Bedeutung hat das Spielen für uns?

Der Spieltrieb – was ist das?

Keine Spezies spielt so intensiv wie der Mensch. Zwar lässt sich auch bei Tierkindern ein klarer Spieltrieb erkennen, doch beim Menschen ist er besonders stark ausgeprägt.

Doch was ist der Spieltrieb? Unter dem Begriff Spieltrieb versteht man allgemein die Lust und Freude am Spielen, die beim Menschen und bei höheren Tieren zu beobachten ist. Die Bezeichnung Spieltrieb wird der Trieb- und Instinkttheorie zugeordnet. Es handelt sich also um ein Sozialverhalten, das bei Säugetieren angeboren ist und vor allem während der Kindheitsphase auftritt.

Auf den ersten Blick mag hinter dem Spielen kein größerer Sinn stecken. Das spielerische Verhalten erscheint gerade Erwachsenen oft ineffizient und sinnlos. Man verfolgt beim Spielen in der Regel kein höheres Ziel – man spielt einfach um des Spielens willen.

So sieht es auch Rolf Oerter, emeritierter Professor für Entwicklungspsychologie. Seiner Meinung nach ist das Spielen nicht für das unmittelbare Überleben notwendig, es geschieht freiwillig und außerhalb des Alltags. Oerter bezeichnet das Spielen als Verhalten ohne Zweck, aber nicht ohne Sinn.

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Denn es ist der Spieltrieb, der es Menschen- wie auch Tierkindern ermöglicht, durch Versuch und Irrtum zu lernen (engl. trial and error) und dabei wichtige Kenntnisse über das Leben und die Welt zu gewinnen sowie – teils überlebenswichtige – Fähigkeiten auszubauen.

Kinder spielen nicht nur zum Spaß

Forschungen in Bezug auf das Spielverhalten von Kindern haben ergeben, dass Kinder bis zum Alter von sechs Jahren jeden Tag zwischen sieben und acht Stunden lang spielen sollten. Nicht nur, weil das Spielen Spaß macht, sondern vor allem, weil es die kindliche Entwicklung auf vielfältige Weise vorantreibt.

Beim Spielen verbessern Kinder ihre motorischen Fähigkeiten, indem sie gezielt nach Gegenständen greifen und ihr Spielzeug bewegen. Dabei lernen sie, wie so manche Dinge funktionieren und wie sie (spielerisch) genutzt werden können. Das vermittelt Kindern ein immer deutlicheres Bild von der Welt.

Kinder stellen sich beim Spielen immer wieder neuen Herausforderungen. Werden diese erfolgreich gemeistert, steigt das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das ermutigt sie dazu, sich auch im späteren Leben mutig neuen Aufgaben und Schwierigkeiten zu stellen.

Beim Spielen für das Leben lernen

Spielen bedeutet immer auch lernen, denn im Spiel üben Kinder ganz beiläufig wichtige Fähigkeiten und Fertigkeiten, die ihnen den Umgang mit ihrem Umfeld erleichtern und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Auf diese Weise legen Kinder im Spiel die Weichen für ihr späteres Erwachsenenleben.

Vor allem im Zusammenspiel mit anderen Kindern ist der Lernfaktor sehr hoch. Hierbei lernen Kinder den Umgang mit eigenen Gefühlen wie etwa aggressiven Impulsen, wenn etwas nicht nach ihren Wünschen erfolgt. Außerdem können sie die eigenen Grenzen erproben und kennenlernen, sowie die der anderen. Kinder entwickeln damit eine hohe emotionale Intelligenz, die sie auch in Konfliktsituationen mit anderen Personen ausbauen.

Kinder, die ihre Kräfte und Fähigkeiten im Zusammenspiel mit anderen erproben und dabei lernen, ihren eignen Standpunkt zu vertreten, sowie sich in andere hineinversetzen können, haben es später wesentlich leichter, sich in den verschiedensten Situationen zurechtzufinden. Denn auch der Umgang mit Misserfolgen und Enttäuschungen wird im Spiel erlernt.

Erlernen von Fähigkeiten und Problembewältigung

Aus diesem Grund ist das Spielen für Kinder eine sehr einfache und zugleich effektive Methode, sich stetig weiterzuentwickeln und geistig zu wachsen. Je weniger Vorgaben es dabei gibt, desto besser.

Denn besonders das sogenannte freie Spielen fördert wichtige Fähigkeiten und Charakterzüge. So regt das Spielen im Sandkasten oder mit Bauklötzen die Denkfähigkeit und Kreativität eines Kindes an. Denn es gibt keine festgeschriebenen Regeln, das Kind muss sich selber ausdenken, wie es mit den Spielsachen umgehen möchte.

Kinder brauchen das Spiel auch, um Erlebtes oder Probleme zu verarbeiten, da ihnen andere Möglichkeiten der Bewältigung noch fehlen. Besonders im Rollenspiel ahmen sie erlebte Situationen nach und können sie auf diese Weise begreifen.

Rolf Oerter: „Zur Psychologie des Spiels“

Rolf Oerter, emeritierter Professor für Entwicklungsforschung, erläutert in seinem Artikel „Zur Psychologie des Spiels“ einige Hintergründe über das kindliche Spielverhalten.

Dabei geht er unter anderem auf die vier Merkmale des Spiels ein:

  • Selbstzweck des Spiels: Kinder gehen vollkommen im Spiel auf und sind darauf konzentriert, sodass sie alles andere um sich herum ausblenden.
  • Wechsel des Realitätsbezuges: Kinder konstruieren beim Spielen eine neue, ganz eigene Realität und weisen dabei Dingen unter Umständen eine andere Bedeutung oder Funktion zu.
  • Wiederholung und Ritual: Kinder wiederholen Handlungen beim Spielen sehr oft, was auch eine Art Ritualcharakter annehmen kann. Dabei werden Handlungen in der immer gleichen Reihenfolge ausgeführt.
  • Gegenstandsbezug: Das Spielen bezieht sich im Grunde immer auf Gegenstände wie Spielsachen oder Bestandteile von Gesellschaftsspielen. Deren Bedeutung und Funktion werden oftmals durch die Vorstellungskraft der Kinder umgedeutet.

Außerdem behandelt Oerter in dem Artikel die verschiedenen Formen des Spiels:

  • Sensomotorisches Spiel: Säuglinge und Kleinkinder entdecken die Welt vor allem über Sinneswahrnehmungen. Sie betrachten Gegenstände, betasten und bewegen sie und erkunden sie auch mit dem Geschmackssinn.
  • Als-ob-Spiel (Symbolspiel): Ab dem zweiten Lebensjahr beginnen Kinder damit, den Gegenständen, die sie schon kennen, im Spiel eine neue Bedeutung zu geben. Sie werden zum Symbol für etwas anderes und das Kind tut so, als ob es in einer anderen Realität lebte.
  • Rollenspiel: Beim Rollenspiel spielen Kinder zu zweit oder zusammen mit mehreren und ahmen Situationen nach, die sie aus dem Alltag kennen. Dafür einigen sie sich auf einen Spielrahmen oder ein Thema und schlüpfen in andere Rollen.
  • Regelspiel: Ab einem Alter von sechs Jahren sind Kinder in der Lage, Regeln einzuhalten. Somit werden nun auch Spiele interessant, die auf der Einhaltung von Regeln basieren und nur so funktionieren können.

Aus diesen Spielformen ergeben sich Kombinationsmöglichkeiten zu diversen Mischformen.

Die Bedeutung des Spiels für Erwachsene

Kinder sind wahre Meister des Spiels. Doch ab der Pubertät lässt der Spieltrieb nach und so spielen Erwachsene viel seltener, manch einer gar nicht mehr. Dazu kommt: Im Alltag sind es Erwachsene gewohnt, zu funktionieren, ihre Aufgaben zu erfüllen und das sowohl auf der Arbeit als auch zuhause. Viele Dinge laufen in einem abgesteckten Rahmen ab, der kaum Platz für Freiheiten bietet. Es bleibt kaum Zeit zum Spielen. Dabei ist das Spielen auch für Erwachsene von Bedeutung.

Auch Erwachsene lernen beim Spielen

Denn nicht nur auf Kinder hat das Spielen positive Effekte, sondern auch auf Erwachsene. Wer als Kind viel spielen konnte, braucht das Spielen als Erwachsener nicht mehr, um Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln, aber es kann durchaus dabei helfen, das ein oder andere wieder stärker zum Vorschein zu bringen.

So sind Erwachsene durch das Spielen besser in der Lage, ihre Potenziale zu entfalten. Dies hängt damit zusammen, dass das Gehirn beim Spielen sozusagen zur Hochform aufläuft, weil sich viele Gehirnzellen neu vernetzen können. Dadurch wird das Gedächtnis gefördert.

Spielen regt zudem auch jenseits der Kindheit die Fantasie und Kreativität an, denn das Spielen verleitet dazu, Neues auszuprobieren und das bringt die kreative Denkweise in Schwung. Deswegen fällt es Erwachsenen beim Spielen auch leicht, sich in andere Welten hineinzuversetzen.

Doch auch motorische Fähigkeiten werden bei Erwachsenen durch das Spielen verbessert. Die Neurowissenschaftlerin Simone Kühn konnte nachweisen: Wer regelmäßig Computerspiele spielt, regt das Wachstum der Hirnareale an, die für die Koordination des Bewegungsapparates zuständig sind.

Positive Effekte des Spielens

Der Spaß am Spielen wirkt befreiend und entspannend, er ermöglicht eine Auszeit vom Alltag, kompensiert Alltagsfrust und vertreibt Langeweile. Auf diese Weise wird das Spiel zu einer Tür in eine andere Welt, fernab von den alltäglichen Aufgaben und Forderungen.

Das Spielen mit der Familie oder mit Freunden fördert zudem den sozialen Zusammenhalt und generell die sozialen Kompetenzen. Man ist auf eine spielerische Weise gezwungen, sich mit seinen Mitspielern auseinanderzusetzen, was es auch möglich macht, bisher unbekannte Eigenschaften an ihnen zu entdecken, zusammen Spaß zu haben und die gemeinsame (Aus-)Zeit zu genießen.

Außerdem erleben viele Erwachsene beim Spielen eine Art Regression: Sie fühlen sich wieder wie ein Kind. Denn man ist beim Spielen nur bedingt auf ein bestimmtes Ziel fixiert. Das ermöglicht es Erwachsenen, absichtslos Erfahrungen zu sammeln, was wiederum mehr Lebendigkeit und Lebensfreude mit sich bringt.

Dazu kommt, dass Erwachsene durch das Spielen wieder eine stärkere Verbindung zu ihren kindlichen Anteilen und Gefühlen aufbauen, die im Alltag durch die starke Betonung auf den Verstand verloren geht, was ebenfalls mehr Leichtigkeit ins Leben zurückbringt.

Alles kann ein Spiel sein

Um dem natürlichen Spieltrieb nachzukommen, sind Erwachsene nicht auf typisches Spielzeug, Gesellschaftsspiele, sportliche Spiele oder ähnliches angewiesen.

Im Grunde lässt sich jede Art der Freizeitbeschäftigung als Spiel bezeichnen, die dem betreffenden Spieler als Ausgleich zum Alltag dient. So können im Sinne der Gamification neben kreativen Arbeiten wie das Stricken, Malen oder Basteln auch Haushaltsarbeiten ein Spiel sein.

Dem niederländischen Kulturhistoriker Johan Huizinga zufolge war es der homo ludens, der spielende Mensch, der die Kultur, Politik und Wissenschaft aus spielerischen Verhaltensweisen heraus entwickelt hat. Durch Ritualisierungen und Institutionalisierungen wurde aus dem Spiel über die Jahrtausende hinweg Ernst.

Spielen als Teil der Kultur und Evolution

Das Spielen ist vermutlich eine der ältesten Kulturtechniken des Menschen und tritt in allen Kulturen weltweit auf. Vom Säuglingsalter bis in die Pubertät hinein hat das Spielen eine besonders große Bedeutung. Doch auch im Erwachsenenalter wird weiterhin gespielt.

In der Evolution tritt das Spielen schon vor dem Erscheinen des homo sapiens auf, in der Form des homo ludens, des spielenden Menschen. Das Spielen ist also tief verankert in der Natur aller Säugetiere. Tierkinder üben durch das Spielen Fertigkeiten, die sie zum Überleben in der Wildnis brauchen: Sich anschleichen, jagen, einem Fressfeind entkommen, sich gegen Angreifer zur Wehr setzen und so weiter.

Geschichte und Archäologie zeigen, dass überall auf der Welt Spiele erfunden worden sind. Der Mensch hatte also schon immer den Drang, sich spielerisch mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen.

Kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Durch den interkulturellen Austausch wurden jeweils fremde Spiele übernommen und neue Varianten entwickelt, sodass die Kinder aus verschiedenen Kulturen zumindest teilweise die gleichen Spiele kennen – nur eben häufig unter einem anderen Namen. So gibt es einige Spiele, die auf der ganzen Welt zu finden sind.

Dazu gehören Brettspiele wie das indische „Pachisi“, welches im europäischen Raum eher als „Eile mit Weile“ oder „Fang den Hut“ bekannt ist oder das „Domino“-Spiel, das ursprünglich aus China stammt. „Mikado“ wurde im asiatischen und europäischen Raum entwickelt und das bekannte „Mühle“-Spiel hat seine Ursprünge in Ägypten, Irland und China.

Auch typische Kinderspiele wie „Himmel und Hölle“, „Verstecken“ oder „Seilhüpfen“ sind in verschiedenen Ländern bekannt. Dennoch sind beim Spielen kulturelle Unterschiede zu erkennen, wie das Glücksspiel deutlich beweist.

Denn in nahezu allen Ländern und Kulturen der Erde ist auch das Glücksspiel seit jeher bekannt und kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Das Spiel mit dem Risiko macht hier einen großen Teil der Faszination aus. Nichtsdestotrotz hat das Glücksspiel ein ganz unterschiedliches Ansehen und steht deshalb oft in ganz unterschiedlichem gesellschaftlichen Kontext. Religion und Aberglaube spielt in diesem Zusammenhang oft eine wichtige Rolle. In Asien ist es gesellschaftlich anerkannt und Teil des normalen Lebens, wobei es in China größtenteils verboten ist. Nur in wenigen Regionen kann man dort legal dem Glücksspiel nachgehen.

Auch in Amerika ist das Glücksspiel bis auf ein paar Ausnahmen verboten und darf nur in staatlich betriebenen Lotterien, in Indianer-Casinos sowie in Atlantic City und Las Vegas betrieben werden.

Veränderungen im Spielverhalten

Festzustellen ist aus evolutionsbiologischer Sicht, dass sich mit der Entwicklung des Menschen auch sein Spielen verändert hat. In den frühen Jahren der Menschheit lernten die Kinder spielerisch Fähigkeiten, die sie zum Überleben brauchten. Dazu gehörte der Umgang mit Pfeil und Bogen oder das Spurenlesen.

Heute spielen Kinder bei uns besonders gerne am Computer oder an der Spielekonsole, also eher solche Spiele, die sie in virtuelle Welten eintauchen lassen, fernab von tatsächlichen Begebenheiten und Dingen, die im alltäglichen Leben eine Rolle spielen.

Diese Unterschiede lassen sich auch heute noch ausmachen, denn Kinder aus weniger weit entwickelten Völkern, die es tendenziell eher in Entwicklungsländern gibt, spielen anders als Kinder in Industrieländern.

Denn neben den motorischen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten trainieren Kinder im Spiel auch Handlungsweisen, Arbeitsabläufe und dergleichen, die in der jeweiligen Kultur ausgeübt werden. So spielen etwa Kinder aus Hirtenvölkern den Umgang mit einer Viehherde nach, während in unserer Kultur schon Kleinkinder das Telefonieren nachahmen.

Spielen aus psychologischer Sicht

Das Spielen ist kulturell und evolutionär in der Menschheit verankert, in dieser Hinsicht ist sich die Forschung einig. Was jedoch die sogenannte Basismotivation des Spielens betrifft, wie sie in der Psychologie bezeichnet wird, verfolgen Wissenschaftler unterschiedliche Ansätze.

Nach Mihály Csíkszentmihályi, emeritierter Professor für Psychologie, spielt das sogenannte „Flow“-Erlebnis eine wichtige Rolle beim Spielen. Es setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. So kommt es beim Spielen zur Verschmelzung von Handlung und Bewusstsein, sodass der Spielende sich zwar der Handlung, aber nicht mehr seiner selbst bewusst ist. Er geht vollkommen im Spiel auf, lenkt seine Aufmerksamkeit nur darauf und gerät in einen Zustand der Selbstvergessenheit. Das „Flow“-Erlebnis erfordert zudem keinerlei Ziele oder Belohnungen.

Für Sigmund Freud steht beim Spielen die Wunscherfüllung im Vordergrund. Das Spiel wird als Fantasieprodukt, als eine eigens geschaffene Realität angesehen, in der man Dinge tut, die man sonst nicht tun darf. Man bekommt die Möglichkeit, den Zwängen der Realität zu entfliehen und Impulse auszuleben, beispielsweise aggressiven Bedürfnissen nachzugehen, Tabus zu brechen und unterdrückte Wünsche zu erfüllen. Daher sieht Freud das Spielen als Lustbefriedigung an, aber auch als Möglichkeit Konflikte zu Verarbeiten. Somit ergibt sich durch das Spielen eine Katharsis, eine Art Reinigungszustand von Problemen und Ängsten.

Jean Piaget, Schweizer Psychologe und Pionier der kognitiven Entwicklungspsychologie, sieht die Bedeutung des Spielens zwischen zwei Kräften, der Akkomodation und der Assimilation. Akkomodation bezeichnet die Fähigkeit, sich an die Anforderungen der Umwelt anzupassen. In Bezug auf das Spielen bedeutet das, dass sich beispielsweise Kinder anpassen, indem sie das reale Verhalten ihrer Eltern nachahmen.

Im Sinne der Assimilation sind sie aber auch in der Lage, die Umwelt an ihre Bedürfnisse anzupassen, indem Kinder Gegenstände umdeuten und ihnen in einer fiktiven Spielwelt eine neue Bedeutung zuweisen. Nach Piaget ist die Assimilation die Gegenwehr gegen die Wirklichkeit, gegen ihren Sozialisationsdruck und Zwang. Im Spiel behauptet man seine eigene Wirklichkeit gegen die reale Umwelt.

Der sowjetische Psychologe Lew Semjonowitsch Wygotski sieht den Hauptgrund für das Spielen in der Erfüllung unrealistischer Wünsche. So hat man in Computerspielen oftmals besondere Kräfte oder Fähigkeiten, die man im realen Leben nicht hat und nie haben könnte. Kinder wollen früh so sein wie Erwachsene und auch so handeln wie sie, was ihnen in der Realität aber verwehrt bleibt. Sie erfüllen sich im Spiel insofern Wünsche, als dass sie sich eine Realität erschaffen, die ihnen das ermöglicht.

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