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Gesellschaft+Psychologie

Wie sich Eltern kleine Narzissten züchten

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Credit: Thinkstock
„Du bist besser als die anderen!“ Das sollten Eltern ihrem Sprössling besser nicht einreden, sagen niederländische Forscher. Denn ein kleiner Narziss könnte das Resultat sein. Ihren Ergebnissen zufolge begünstigt Überbewertung die Entwicklung dieses problematischen Charakters. Ein gesundes Selbstwertgefühl entsteht hingegen aus der Vermittlung von Liebe und Wertschätzung, berichten die Wissenschaftler.

Verliebt in sein eigenes Spiegelbild: Der schöne Jüngling Narkissos aus der griechischen Mythologie ist der Namensgeber der Bezeichnung für die übersteigerte Selbstliebe, den Narzissmus. Menschen mit diesem Grundcharakter sind zwar oft erfolgreich, charmant und attraktiv – doch sie besitzen meist auch eine dunkle Seite: Sie blicken auf ihre Mitmenschen herab, setzen ihre Ziele rücksichtslos durch und sind missgünstig. Das macht Narzissten sowohl im zwischenmenschlichen Umgang als auch für die Gesellschaft problematisch.

Deshalb sollten Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder alles meiden, was die Entwicklung dieses Charakters fördert. Doch welche Faktoren sind das? Einer Theorie zufolge entwickeln Kinder narzisstische Züge, wenn ihre Eltern sie überbewerten, eine zweite sieht die Ursache hingegen in elterlicher Gefühlskälte. Welcher Faktor tatsächlich die Hauptrolle spielt, haben die Forscher um Eddie Brummelman von der Universität Amsterdam durch Befragungen von 565 Kindern und deren Eltern untersucht.

Überbewertung oder elterliche Gefühlskälte?

Die Kinder waren zwischen sieben und elf Jahre alt – das gilt als die Entwicklungsphase, in der sich narzisstische Züge herausbilden. Die Forscher erfassten die nazisstischen Tendenzen sowie das Selbstwertgefühl bei den jungen Probanden insgesamt vier Mal im Abstand von sechs Monaten durch anerkannte Fragesysteme. Parallel dazu untersuchten sie die Einstellungen der Eltern gegenüber dem Kind. Sie sollten beispielsweise einstufen, wie sehr die Aussage zutrifft: Mein Kind ist begabter als andere. Um zu beurteilen, wie herzlich Eltern mit ihren Kindern umgehen, befragten die Forscher beide Parteien. Die Kinder sollten beurteilen, wie intensiv ihnen die Eltern vermitteln, dass sie geliebt werden und die Eltern stuften ebenfalls ein, wie stark sie ihren Kindern dies mitteilen.

Die statistischen Auswertungen der Forscher ergaben: Nur die Überbewertung, nicht aber der Mangel an elterlicher Wärme, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind narzisstische Tendenzen entwickelt. Dabei ist den Forschern zufolge auch nicht der Charakter der Eltern maßgeblich: Narzisstische Eltern haben nicht zwangsläufig auch narzisstische Kinder – die entscheidende Rolle spielt die Überbewertung des Nachwuchses, belegen ihre Auswertungen.

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Elterliche Wärme fördert gesundes Selbstwertgefühl

Obwohl der Mangel an Wärme zwar nicht den Narzissmus fördert, so macht sich sein Gegenteil doch deutlich positiv bemerkbar, berichten die Forscher: Elterliche Liebe und Wertschätzung förderten bei den jungen Probanden ein gesundes Selbstwertgefühl. Der Knackpunkt ist dabei: Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl denken, sie sind genauso wertvoll wie andere – Narzissten denken hingegen, sie seien besser.

Die Forscher betonen allerdings, dass die elterliche Überbewertung nicht die einzige Ursache für die Entwicklung von Narzissmus bei Kindern ist. Wie bei anderen Persönlichkeitsmerkmalen ist die Neigung auch Veranlagungssache. „Einige Kinder können eher als andere zu Narzissten werden, wenn ihre Eltern sie überschätzen“, sagt Buschmann.

Die Forschungsergebnisse haben sogar seine eigenen Erziehungsstil verändert, berichtet der Vater von drei Kindern. „Ich hatte selbst die Neigung, meine Kinder zu behandeln, als wären sie Extraklasse. Das vermeide ich nun“, so Buschmann. Ihm zufolge sollten die Ergebnisse nun auch in die Elternberatung einfließen. „Man sollte Eltern vermitteln, wie wichtig es ist, Kindern Liebe und Wertschätzung zu zeigen, aber ohne den Kleinen einzureden, sie seien besser als andere“, sagt Buschmann.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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