Wie viele Gesichter kennen wir? - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie Nachgefragt

Wie viele Gesichter kennen wir?

Im Durschnitt haben Menschen 5000 Gesichter im Kopf. (Bild: PeopleImages/iStock)

Freunde, Nachbarn, Kollegen, Promis… In unserem Lebensumfeld und den Medien wimmelt es von Gesichtern. Doch wie viele von ihnen speichern wir in unserem Gedächtnis ab? Dieser Frage sind Forscher durch Tests mit Probanden und durch Hochrechnungen nachgegangen. Der Schätzung zufolge können sich Menschen im Durchschnitt an 5000 Gesichter erinnern. Allerdings gibt es dabei eine große Variationsbreite, geht aus den Ergebnissen hervor.

„Kenne ich diesen Menschen oder nicht?“ Die richtige Zuordnung hat für unser Leben bekanntlich eine wichtige Bedeutung. Mit den Prinzipien der menschlichen Fähigkeit zur Erkennung von Geschichtszügen haben sich schon einige Studien befasst. Doch welches Speichervolumen Menschen im Durchschnitt für Gesichter besitzen, ging aus diesen Untersuchungen nicht hervor. Um zumindest eine grobe Einschätzung dieses Aspekts zu ermöglichen, haben die Forscher um Rob Jenkins von der University of York Tests mit 25 Freiwilligen durchgeführt.

Die Probanden sollten sich zunächst systematisch die Gesichter ihres Lebensumfeldes nacheinander vor Augen rufen und die Erinnerungen in Tabellen am Computer eintragen. Dabei unterstützten sie Kategorien: Freunde, Kollegen, Nachbarn, Angestellte im Supermarkt… Eine Stunde hatten die Probanden Zeit für das Brainstorming. In einer zweiten Stunde waren dann die Gesichter dran, die die Probanden nicht persönlich, sondern aus den Medien kannten. Sie sollten also auflisten, welche Gesichter von Schauspielern, Politikern usw. ihnen in den Sinn kamen. Was sie in das Computerprogramm eintrugen, wurde in bestimmten Abständen automatisch abgespeichert.

1000 bis 10.000 Gesichter im Kopf

Bei beiden Durchgängen zeichnete sich ab, dass den Studienteilnehmern anfangs schnell viele Menschen einfielen – danach die Eingaberate aber kontinuierlich abnahm. Wie die Forscher erklären, diente ihnen diese Abnahmerate als Grundlage zur Einschätzung, wie viele Gesichter die Probanden tatsächlich im Gedächtnis besitzen. Als zusätzliche Datengrundlage zur Schätzung dienten zudem die Ergebnisse von Erkennungssets, bei denen den Studienteilnehmern Bilder prominenter Persönlichkeiten vorgelegt wurden. Auch die Erkennungsrate bei diesen Tests gab Hinweise auf den gesamten Umfang des Gesichts-Gedächtnisses, erklären die Forscher.

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Unterm Strich kamen sie so zu dem Ergebnis: Die durchschnittliche Zahl der bekannten Gesichter liegt bei rund 5000. Allerdings basiert dieser Durchschnittswert auf einer großen individuellen Bandbreite. Besonders gute Gesichtsmerker haben demnach bis zu 10.000 Konterfeis im Kopf – die eher schwachen nur 1000. In dieser Variationsbreite scheint sich widerzuspiegeln, dass Menschen verschiedene Begabungen besitzen, sich an Gesichter zu erinnern, erklären die Forscher.

„Es gibt etwa Unterschiede darin, wie viel Aufmerksamkeit jemand Gesichtern schenkt und wie effizient die Informationsabspeicherung ist“, sagt Jenkins. „Zudem könnten sich Effekte des unterschiedlichen sozialen Umfeldes in den Ergebnissen widerspiegeln. Einige Teilnehmer sind möglicherweise in dichter besiedelten Regionen mit mehr sozialem Input aufgewachsen“, erklärt der Wissenschaftler zum Hintergrund der Variationsbreite.

Quelle: University of York, Fachartikel: Proceedings of the Royal Society B, 2018; doi: 10.1098/rspb.2018.1319

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Heute Abend fand in der VHS Unterföhring bei München eine Diskussion über medizinische Behandlungen „zwischen begründetem Heilsversprechen und Esoterik“ statt, bei der die Homöopathen wieder einmal im Vorfeld dazu aufgerufen hatten, hinzugehen und die Homöopathie zu retten. Der Grund: Der eingeladene Referent war Werner Bartens von der Süddeutschen Zeitung. Den mögen die Homöopathen nicht, weil er anderer Meinung ist als sie. Und Recht haben nun mal sie. Weil sie heilen. Oder glauben zu heilen.

Ob ein Therapieverfahren jenseits des Glaubens daran wirklich hilft oder nicht, ist die Grundfrage der evidenzbasierten Medizin. Werner Bartens hat daher auch damit begonnen, das Anliegen der evidenzbasierten Medizin zu erläutern. Als Beispiele nahm er unnötige Kniearthroskopien und Hormontherapien. Die Homöopathie stand also zunächst gar nicht so sehr im Fokus und die Homöopathen hätten sich eigentlich zurücklehnen können. Aber dafür sind sie nicht hingegangen.

„Das ist eine Falschaussage!“ So eröffnete der im Südbayerischen stets präsente Homöopath Heinrich Hümmer die Wortmeldungen aus dem Publikum. Während Bartens die Studienlage so beschrieb, dass sie keine Wirkung der Homöopathie über Placebo hinaus belegt, war Hümmer natürlich der gegenteiligen Auffassung. Dabei berief er sich, man höre und staune, auf Norbert Aust, den er als den „besten Kenner der Homöopathie“ bezeichnete, weil der alle Studien dazu durchgearbeitet habe. Norbert Aust, so Hümmer sinngemäß, würde nicht mehr behaupten, die Homöopathie wirke nicht über Placebo hinaus, sondern nur, dass es keine guten Belege dafür gäbe, dass sie es tut. Also nicht etwa keine Belege, nur keine guten Belege. Da ich das nur aus der Erinnerung zitiere und Herr Hümmer vielleicht eine Nuance anders formuliert hat, will das nicht weiter kommentieren. Viel wichtiger finde ich, dass er Norbert Aust als „besten Kenner der Homöopathie“ betrachtet. Jetzt sollte er daraus auch die Konsequenz ziehen und auf ihn hören. Norbert Aust sagt nämlich sehr wohl noch immer, dass die Homöopathie nicht über Placebo hinaus wirkt.

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Im Publikum, geschätzt 40 bis 50 Leute ganz überwiegend älteren Jahrgangs, gab es vereinzelte Anläufe, vom Thema Homöopathie wegzukommen, z.B. Nahrungsergänzungmittel anzusprechen oder nochmal auf das Beispiel mit den unnötigen Kniearthroskopien zurückzukommen, und dass die Krankenkassen so etwas doch auch nicht bezahlen sollten. Vergeblich. Die Diskussion blieb an der Homöopathie kleben. Schade. Nach der Diskussion lud eine homöopathische Ärztin Bartens ein, er solle doch mal lernen zuzuhören, „aus seiner Echokammer herausgehen und in ihre kommen“. Ich glaube nicht, dass Bartens das als sinnvolle Form des Meinungsaustausches aufgenommen hat.

Als Fazit: Die VHS Unterföhring hatte die Diskussion als Auftakt eines neuen Formats in ihrem Programm in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung angelegt, bei dem, wenn ich es richtig verstanden habe, aktuelle Themen nach einem Impuls eines Referenten im Publikum diskutiert werden sollen. Das muss sich erst noch einspielen und bei kontroversen Themen wohl auch gezielter moderiert werden. Heute lief es auf ein erwartbares Ping Pong zwischen den Homöopathen und Werner Bartens hinaus – argumentativ steril, aber immerhin recht friedlich. Der aufregendste Moment des Abends war, zumindest für mich und natürlich abgesehen von der Ernennung Norbert Austs zum „besten Kenner der Homöopathie“, als ich fast den Mantel eines anderen SZ-Redakteurs an mich genommen hätte. Er hatte Recht, es war seiner, das konnte ohne Studie geklärt werden.

http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2019/12/08/sonntags-talk-was-hilft-was-nuetzt-was-schadet/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=sonntags-talk-was-hilft-was-nuetzt-was-schadet

lo|go|pä|disch  〈Adj.; Med.; Psych.〉 auf der Logopädie beruhend, sie betreffend, mit ihrer Hilfe

Ka|ko|sto|mie  auch:  Ka|kos|to|mie  〈f. 19; unz.; Med.〉 übler, schlechter Mundgeruch ... mehr

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