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Gesellschaft+Psychologie

Wo Technik die Mädels begeistert

Festlicher Abschluss: Die Teilnehmerinnen der Girls‘ Day Akademie und des Girls‘ Day College bekommen Zertifikate und Diplome. (Bild: experimenta gGmbH)

Mal ohne Jungs: Mit der Girls‘ Day-Akademie und dem Girls‘ Day College fördert das Science Center experimenta gezielt Mädchen im Bereich Naturwissenschaft und Technik. Im Rahmen der beiden Programme experimentieren die Teilnehmerinnen während des Schuljahrs regelmäßig in den Laboren der experimenta, lernen Soft Skills und besuchen Firmen. „Sie können auf diese Weise ihr persönliches und fachliches Potenzial entfalten – und davon profitiert letztlich auch die Wirtschaft“, sagt der zuständige Bereichsleiter bei der experimenta, Thomas Wendt.

Seit April 2019 heißt es in Heilbronn wieder: Mach mit und probier’s aus! Die experimenta hat sich nach zweijähriger Ausbauzeit zum größten Science Center Deutschlands gemausert. Die Besucher können nun an über 275 interaktiven Exponaten Wissenschaft und Technik spielerisch erfahren und buchstäblich begreifen. Darüber hinaus sorgen vielfältige Shows im Science Dome für Wow-Effekte und eine Sternwarte eröffnet den Blick ins Universum. Seit der Ersteröffnung 2009 bietet das Science Center am Neckar allerdings noch ein weiteres Highlight, das im Zuge des Ausbaus großzügig erweitert wurde: Gruppen können unter Anleitung experimentieren – dafür stehen jetzt neun modern ausgestattete Labore zur Verfügung.

Hauptsächlich nutzen Schulklassen die Laborwelt – das Kurs-Angebot der experimenta ist dabei ausgesprochen bunt: Es umfasst viele Themen aus dem Bereich der sogenannten MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Konkret entstehen bei den Kursen etwa Solarmobile, genetische Fingerabdrücke, Nanopartikel oder Computerprogramme. Im Rahmen der Girls‘ Day-Akademie und des Girls‘ Day College heißt es dabei nun: Nur die Mädchen sind dran! Im Gegensatz zu gemischten Gruppen können sie bei diesen Formaten ihr Interesse und Talent für die MINT-Fächer besser entfalten, so ein Aspekt des Konzepts. Letztlich soll es aber auch der Tatsache gegensteuern, dass junge Frauen nach wie vor vergleichsweise selten naturwissenschaftlich-technische Berufe ergreifen, die auf dem Arbeitsmarkt momentan stark nachgefragt werden.

Jung, weiblich und technisch interessiert

„Bei der Girls‘ Day-Akademie treffen sich interessierte Schülerinnen aus den Klassenstufen 7 bis 9 einmal in der Woche nach dem Unterricht zu verschiedenen Veranstaltungen“, erklärt Wendt. Für die Mädchen ab Klasse 10 hat die experimenta darüber hinaus ein weiterführendes Format entwickelt: das Girls‘ Day College. Dabei suchen sich die Mädchen individuell bestimmte Kurse aus, für deren Teilnahme sie Credit Points erhalten. Wer genügend gesammelt hat, bekommt dann am Ende ein Diplom überreicht.

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„Die Konzepte haben sich aus dem Girls’ Day entwickelt, der schon seit vielen Jahren bundesweit im April stattfindet und Mädchen Einblick in technisch-naturwissenschaftliche Berufe und in Unternehmen aus diesem Bereich bietet“, sagt Wendt. In Baden-Württemberg entstand dann die Idee, diese eintägige Veranstaltung um ein wöchentliches Programm zu erweitern: Durch Unterstützung des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall entwickelte sich die Girls’ Day Akademie, die nun mittlerweile auch bundesweit angeboten wird. Vielerorts ermöglicht die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen, Unternehmen und finanziellen Unterstützern Technik-interessierten Schülerinnen die Teilnahme an den Programmen. „Häufig finden die praktischen Veranstaltungen im Rahmen der Girls’ Day Akademien allerdings an Schulen oder Einrichtungen statt, die nur über eine bescheidene Ausstattung verfügen. In den Laboren der experimenta können dagegen auch anspruchsvollere Projekte durchgeführt werden“, sagt Wendt. Zudem widmen sich am Science Center zwei Mitarbeiterinnen nur diesem Angebot, dienen als Role Model und kümmern sich auch um einzelne Mädchen. Trotz dieses Aufwands ist die Teilnahme an dem Angebot der experimenta kostenlos – die finanzielle Förderung der Agentur für Arbeit Heilbronn und der Dieter Schwarz Stiftung macht dies möglich.

Experimente, Workshops und Firmenbesuche

„Vermittelt wird das Angebot an den eingebundenen Schulen durch Kontaktlehrer. Die teilnehmenden Mädchen sagen dann verbindlich zu, auch tatsächlich regelmäßig zu den Veranstaltungen zu erscheinen“, erklärt Wendt. Konkret umfasst das 30-teilige Programm praktische Workshops in den Laboren der experimenta, bei denen geforscht, getüftelt und gebaut wird. Außerdem gehören Kurse dazu, die Softskills fördern – bei diesen Veranstaltungen geht es etwa um Präsentationstechniken, Teamwork oder Kommunikationsstrategien.

Die dritte Säule des Konzepts bilden Exkursionen zur Berufsorientierung: Um unterschiedliche Arbeitsfelder und Branchen kennenzulernen, besuchen die Mädchen-Gruppen Firmen, die sich in der Nähe der jeweiligen Schule befinden. Darunter sind etwa Unternehmen aus den Bereichen Automobilindustrie, Chemie, Energiewirtschaft oder Maschinenbau. „Viele Firmen zeigen sich ausgesprochen interessiert an einer Beteiligung“, betont Wendt. „Es zeichnet sich ab, dass sie teils dringend Nachwuchs bei ihren Arbeitnehmern im technischen Bereich benötigen. Deshalb unterstützen sie Projekte, die das Potenzial der jungen Frauen mobilisieren und sie möglicherweise gleich mit dem eigenen Unternehmen vertraut machen“.

Mal ohne Jungs

Auch aus pädagogischer Sicht sind bei praktischen Projekten im Bereich Technik spezielle Formate für Mädchen sinnvoll, sagt Wendt: „Bei gemischten Kursen wird oft deutlich, dass es eine Neigung zu unterschiedlichen Verhaltens- und Herangehensweisen gibt: Mädchen gehen oft etwas vorsichtiger und geplanter an technische Fragestellungen heran – Jungs machen dagegen oft einfach drauflos. Beide Strategien können zum Erfolg führen – in Kombination können sie für die Mädchen aber nachteilig sein. Denn die Jungs drängeln sich durch ihr Verhalten in gemischten Gruppen tendenziell in den Vordergrund. Deshalb können nach Geschlechtern getrennte Angebote Sinn machen“, erklärt Wendt.

Im letzten Schuljahr konnten nun die Teilnehmerinnen der Girls‘ Day Akademie und des Girls‘ Day College erstmals die Möglichkeiten der frisch ausgebauten experimenta nutzen. Das abschließende Highlight bildete ein Fest vor dem Beginn der Sommerferien: Vor rund 200 geladenen Gästen wurden den 60 Mädchen feierlich Zertifikate und Diplome überreicht. Im Rahmen der Veranstaltung präsentierten Gruppen aus Teilnehmerinnen der Girls‘ Day Akademie außerdem ihre „Incredible Machines“: Als Herausforderung für den Abschluss galt es, das gelernte Know-how für die Lösung einer kniffligen Transportaufgabe einzusetzen.

Eine Ball-Transport-Maschine zum Abschluss

„Die Incredible Machines sollten einen Tischtennisball von einem Tisch auf einen zweiten befördern, der einen Meter entfernt stand“, sagt Wendt. Es hat Spaß gemacht zu sehen, welche cleveren Lösungen die Mädchen dazu entwickelt haben. „Viele nutzten einen Föhn als Schlüssel-Element ihrer Ball-Transport-Maschine. Und sogar mit Unterdruck wurde gearbeitet – dabei kam ein Staubsauger zum Einsatz“, berichtet Wendt.

Nun geht es in die nächste Runde: Im neuen Schuljahr ist erneut Girls‘ Power bei der experimenta angesagt und einige der bisherigen Teilnehmerinnen führen das Programm auch fort. „Vielleicht entwickeln sich ja manche unserer Mädchen zu besonders erfolgreichen Vorbildern: Es wäre schön zu sehen, wenn die eine oder andere einmal erfolgreich bei Jugend forscht teilnimmt oder schließlich eine wissenschaftliche Karriere entfaltet“, sagt Wendt.

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Link: experimenta

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