Zweifelhaft frühe Erinnerungen - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie

Zweifelhaft frühe Erinnerungen

Die "früheste" Erinnerung kann trügen. Szepy/iStock

Was sind die frühesten Erinnerungen Ihres Lebens? Bei dieser Frage berichten erstaunlich viele Menschen von Erlebnissen, die sie mit einem Alter von zwei Jahren oder sogar früher verknüpfen, hat eine Befragung ergeben. Wissenschaftlich betrachtet scheint dies nicht möglich, denn man geht davon aus, dass das Erinnerungsvermögen des Menschen höchstens bis zu einem Alter von drei Jahren zurückreicht. Wie die Forscher erklären, handelt es sich bei dem Phänomen wohl um Illusionen, derer sich die Personen nicht bewusst sind. Die extrem frühen Erinnerungen sind demnach Konstrukte aus späteren Erfahrungen.

Es ist die umfangreichste Untersuchung zum Thema frühkindliche Erinnerungen, die jemals durchgeführt wurde: Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher von der City University London 6641 Personen nach ihren frühesten Kindheitserinnerungen befragt. Sie sollten dabei detaillierte Angaben über diese Erinnerungen machen und darüber, wie alt sie zu dieser Zeit gewesen sind. Es wurde bei der Befragung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um eine Erinnerung handeln soll, die nicht mit Aufzeichnungen, Fotos oder Erzählungen verknüpft ist.

Was steckt hinter den „zu frühen“ Erinnerungen?

Die Auswertungen zeigten: Rund 40 Prozent der Befragten besaßen angeblich Erinnerungen, die aus einer Zeit stammen, als sie zwei Jahre waren oder jünger. 893 Personen berichteten sogar von Erinnerungen an Erfahrungen im Alter von einem Jahr oder früher. Dies widerspricht eindeutig den Ergebnissen von Untersuchungen zum Erinnerungsvermögen des Menschen. In der Regel können sich Menschen demnach nur an Erlebnisse im Alter von dreieinhalb Jahren erinnern – das Maximum liegt bei drei Jahren. Wie kommt diese Diskrepanz zwischen den Ergebnissen zustande?

Anhand von Analysen der Merkmale der fragwürdig frühen Erinnerungen kommen die Forscher zu dem Schluss, dass es sich um Konstruktionen handelt, welche die Personen als eine tatsächliche Erinnerung wahrnehmen. Die fiktiven Erinnerungen setzen sich demnach aus Fragmenten von tatsächlichen frühkindlichen Erfahrungen und Fakten oder Wissen über die eigene Kindheit zusammen, die aber von Fotos oder Familiengesprächen stammen. Für die Erinnerer fühlen sie sich jedoch wie tatsächliche Erlebnisse an, die sie als extrem frühe Erfahrungen interpretieren, erklären die Wissenschaftler.

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„Ich erinnere mich an einen grünen Kinderwagen…“

„Bei der Begutachtung der ungewöhnlich frühen Berichte stießen wir beispielsweise häufig auf Erinnerungen, die mit Beschreibungen von Kinderwägen verknüpft sind“, sagt Co-Autor Martin Conway. Wie er erklärt, könnten hinter diesen fiktiven Erinnerungen Bemerkungen von Familienmitgliedern stecken, die diese Personen schon früh im Leben gehört haben. Konkret könnte es geheißen haben: „Deine Mutter hatte einen großen, grünen Kinderwagen“. Die Person, hat sich dann vielleicht vorgestellt, wie es gewesen sein könnte, in einem solchen Wagen gelegen zu haben. Im Laufe der Zeit könnten sich solche Informationsfragmente dann in Konstruktionen verwandelt haben, welche die betreffende Person als Erinnerung wahrnimmt: „Ich erinnere mich, wie ich einem großen grünen Kinderwagen gelegen habe.“ Die Übereinstimmung mit der Realität können dann Augenzeugen aus der Zeit bestätigen.

„Wichtig ist, dass die Personen sich nicht darüber bewusst sind, dass es sich um Fiktionen handelt“, betont Conway. „Wenn man ihnen sagt, dass es keine wirkliche Erinnerung sein kann, bestreiten sie oft, dass es sich um eine Illusion handelt.“ Grund dafür ist Conway zufolge, dass wir die Sicherheit unseres erwachsenen Erinnerungsvermögens auf diese fiktiven Erfahrungen übertragen. „Doch erst im Alter von fünf oder sechs beginnt der Mensch Erinnerungen zu bilden, die denen im Erwachsenenalter entsprechen“, sagt Conway. „Diese Entwicklung ist verknüpft mit der Reifung der Wahrnehmung der Welt in diesem Alter“, so der Wissenschaftler.

Quelle: City University London

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Aas|flie|ge  〈f. 19; Zool.〉 = Schmeißfliege

Neur|as|the|nie  auch:  Neu|ra|sthe|nie  〈f. 19; Med.〉 Erschöpfungszustand des Nervensystems; ... mehr

Cen|ti|mor|gan  〈[–m:gn] m. 4; Gentech.〉 Maßeinheit der Rekombinationsfähigkeit (1 C. entspricht beim Menschen ca. 1 Million Basenpaaren) [<lat. centum ... mehr

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