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Gesundheit+Medizin

Achtung, natürliches Risiko!

Präparate aus natürlicherweise Pyrrolizidinalkaloid-bildenden Pflanzen können problematisch sein. (Foto: Kwangmoozaa/iStock)

„Natur pur“ bedeutet keineswegs gesund und unbedenklich! Bestimmte kräuterhaltige Nahrungsergänzungsmittel können kritisch hohe Werte von gesundheitsschädlichen Natur-Substanzen enthalten, berichtet das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Einige Präparate aus Wasserdost, Huflattich, Borretsch und anderen traditionellen Heilkräutern können demnach erheblich zur Gesamtaufnahme von pflanzlichen Pyrrolizidinalkaloiden aus der Nahrung beitragen, die als leberschädigend, erbgutverändernd und krebsauslösend gelten.

Pflanzenschutzmittel, Schwermetalle und andere potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe stehen berechtigterweise im Zentrum der Aufmerksamkeit bei der Sorge um mögliche Belastungen unserer Lebensmittel. Vielen Menschen ist hingegen weniger bewusst, dass man sich auch vor der Natur in Acht nehmen muss: Einige Organismen wie Mikroben, Schimmelpilze und Pflanzen bilden Substanzen, die für sie wichtige Funktionen erfüllen, für uns aber gefährlich sind. Bei den Pyrrolizidinalkaloiden handelt es sich in diesem Zusammenhang um einen Kampstoff mancher Pflanzenarten, mit denen sie sich gegen Fraßfeinde verteidigen.

Risikobewertung aktualisiert

Es ist bereits seit einiger Zeit bekannt, dass diese sekundären Pflanzenstoffe nicht nur Raupe und Co schädigen, sondern auch den Menschen: Sie können die Leber belasten und Tierversuche haben darüber hinaus gezeigt, dass Pyrrolizidinalkaloide erbgutverändernd und krebserregend wirken. In die menschliche Nahrung können sie beispielsweise durch Pyrrolizidinalkaloid-bildende „Unkräuter“ gelangen, die bei der Ernte mit in die Verarbeitung kommen. Man sollte deshalb etwa beim Waschen von Salat und Blattgemüse alle Pflanzenteile entfernen, die einem fremd vorkommen. Bei verarbeiteten Produkten ist dies allerdings nicht möglich. So ist bereits bekannt, dass etwa Kräutertees problematische Beimengungen von Pyrrolizidinalkaloid-bildenden Wildkräutern enthalten können.

Wie das BfR berichtet, hat es nun seine Risikobewertung zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln aktualisiert. Die Grundlage bildeten neue wissenschaftliche Erkenntnisse und toxikologische Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Die Aufnahme aus allen wichtigen Lebensmittelgruppen wurden dabei berücksichtigt. Als besondere Quelle fielen die Nahrungsergänzungsmittel mit Bestandteilen von Pflanzen auf, die bekannterweise selbst Pyrrolizidinalkaloide bilden. Es gibt zwar Verfahren, die den Pflanzenstoff aus den Extrakten entfernen können. Doch offenbar kommen sie teils nicht oder zu wenig effektiv zum Einsatz.

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Viele Präparate weisen demnach teilweise kritisch hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden auf: „Die dem Bundesinstitut für Risikobewertung zur Verfügung stehenden Daten zeigen, dass Nahrungsergänzungsmittel, die Pyrrolizidinalkaloid-bildende Pflanzen oder Pflanzenteile enthalten, erheblich zur Aufnahme dieser Substanzen beitragen“, sagt Andreas Hensel vom BfR. „In einigen Nahrungsergänzungsmitteln ist der Gehalt sogar so hoch, dass bereits nach kurzfristigem Verzehr toxische Wirkungen möglich sind.“

Wasserdost, Huflattich, Borretsch…

Der höchste Wert wurde in einer Kapsel eines Nahrungsergänzungsmittel festgestellt, das Wasserdost (Eupatorium cannabinum) als Inhaltsstoff enthielt. Dieser Pflanze wird eine immunstärkende Wirkung nachgesagt. Weitere Beispiele sind Nahrungsergänzungsmitteln aus den Pyrrolizidinalkaloid-bildenden Pflanzen Huflattich, Beinwell, Borretsch, Steinsamen und Pestwurz, berichtet das BfR. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit hohem Gehalt kann die Aufnahme deutlich über der von Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs liegen. Dadurch sind sogar akut-toxische Wirkungen durch den Konsum bestimmter Präparate möglich, resümieren das BfR und die EFSA.

Wie das BfR hervorhebt, waren auch Johanniskraut-haltige Präparate in fast jeder untersuchten Probe mit Pyrrolizidinalkaloid belastet. Allerdings ist die Ursache in diesem Fall nicht das Johanniskraut selbst, da es die Substanz nicht bildet. Der Befund weist hingegen darauf hin, dass es besonders im Anbau dieses häufig gegen Depressionen eingesetzten Heilkrauts Probleme mit Pyrrolizidinalkaloid-bildenden Beikräutern gibt, die in die Verarbeitung geraten.

Im Fall der Präparate aus selbst Pyrrolizidinalkaloid-bildenden Pflanzen vertritt das BfR den Standpunkt: Beim Konsum stehen einem oft nicht gesicherten gesundheitlichen Nutzen mögliche gesundheitliche Risiken gegenüber. Daher empfiehlt das Institut, die entsprechenden Präparate zu meiden. Darüber hinaus macht sich das BfR nun erneut für Maßnahmen zur Überwachung und Senkung des problematischen Pflanzeninhaltsstoffes in betroffenen Lebensmittelgruppen stark. Der Verbraucher kann indes selbst zu einer Verringerung seines gesundheitlichen Risikos beitragen – auch was andere Problemsubstanzen betrifft: Das BfR empfiehlt, Abwechslung und Vielfalt bei der Auswahl der Lebensmittel zu gewährleisten, um sich nicht einer möglichen Dauerbelastung durch ein bestimmtes Nahrungsmittel auszusetzen.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

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