Aufgepäppelte Spenderlungen - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Aufgepäppelte Spenderlungen

Versagt die Lunge, bleibt Betroffenen nur noch ein Spenderorgan - doch die sind rar. (Bild: Natalie_Mis/ istock)

Spenderorgane sind weltweit knapp – das gilt auch für Lungen. Damit künftig mehr dieser Organe für eine Transplantation zur Verfügung stehen, haben Forscher nun einen interessanten Ansatz entwickelt: Sie päppeln eigentlich zu schwer beschädigte Lungen vor der Operation wieder auf. Möglich wird dies, weil die Organe in dieser Zeit bereits an einen Blutkreislauf angeschlossen sind und so erstaunlich lange außerhalb des Körpers überleben. Ein erster Test mit Schweinen zeigt, dass das Prinzip funktioniert.

Versagt die Lunge, kann Betroffenen nur noch ein Spenderorgan helfen – doch die Wartelisten für Transplantationen sind lang. Dies liegt unter anderem daran, dass es zu wenige Spender gibt. Aber auch an einem weiteren Problem: Oft sind theoretisch verfügbare Organe für eine Transplantation schlicht nicht geeignet. „Bis zu 80 Prozent aller Spenderlungen werden derzeit wegen schwerer, aber potenziell reversibler Verletzungen aussortiert“, erklären Forscher um Brandon Guenthart von der Columbia University in New York. Was aber wäre, wenn diese ausgemusterten Organe wieder für die Transplantation fit gemacht werden könnten?

Regeneration außerhalb des Körpers

Mit dieser Frage haben sich Guenthart und seine Kollegen nun genauer beschäftigt. Für ihre Studie untersuchten sie, ob sich durch gastrische Aspiration verletzte Lungen regenerieren lassen. Bei diesem Krankheitsbild dringt ätzender Mageninhalt in die Atemwege ein und fügt dem Lungengewebe empfindliche Schäden zu – solche Verletzungen sind ein häufiger Grund für die Ablehnung von Spenderorganen. Die Idee der Wissenschaftler: Schließt man diese Lungen an einen externen Blutkreislauf an, könnten sie nach der Entnahme länger überleben und es bliebe mehr Zeit für therapeutische Interventionen. Tatsächlich wird ein ähnlicher Ansatz bereits getestet, um Spenderorgane schonender vom Spender zum Empfänger zu transportieren.

Die Lunge wird an den Kreislauf eines Schweins angeschlossen. (Bild: B. Guenthart)

Während es sich in diesem Fall aber um ein künstliches System handelt, verbanden Guenthart und sein Team ihre Organe mit dem Blutkreislauf eines lebenden Organismus. Konkret schlossen sie im Test acht Schweinelungen an das Zirkulationssystem des jeweiligen Empfängertiers an. Auf diese Weise wurde den Organen vorgegaukelt, sich bereits in deren Körper zu befinden. Wie gut würden sich die Lungen in diesem System entwickeln? Das Ergebnis: Durch die gezielte Behandlung des Gewebes und die gleichzeitige Versorgung mit Blut und Nährstoffen erholten sich die Organe merklich. Demnach regenerierten sich die Zellen und die Lungenfunktion verbesserte sich signifikant.

Alle Kriterien erfüllt

Insgesamt konnten die Lungen 36 Stunden außerhalb des Körpers erhalten und behandelt werden. Aktuelle Lungenunterstützungssysteme sind den Forschern zufolge auf einen deutlich kürzeren Zeitraum von sechs bis acht Stunden beschränkt – dies sei zu kurz für die Regeneration stark beschädigter Lungen. Das 36-Stunden-Fenster reicht dagegen offenbar für den nötigen Erfolg: Nach der Behandlung erfüllten die Organe alle Kriterien für eine Transplantation, wie das Team betont. „Den Kollegen ist ein wichtiger Fortschritt gelungen, der die Zahl der verfügbaren Spenderorgane in Zukunft deutlich steigern könnte“, kommentiert Transplantationsexperte Seth Karp von der Vanderbilt University in Nashville.

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Bevor es soweit ist, müssen jedoch weitere Studien durchgeführt werden: Wie gut funktionieren die Lungen nach der Transplantation? Und wie reagieren sie auf Immunsuppressiva? Bestätigen kommende Untersuchungen den Nutzen und die Sicherheit der Methode, könnte sie künftig auch für andere Organe genutzt werden. „Wir stellen uns vor, dass unser System auch bei beschädigten Herzen, Nieren und Lebern zum Einsatz kommt und insgesamt zu mehr erfolgreichen Transplantationen führt“, schließt Mitautor Matthew Bacchetta von der Vanderbilt University.

Quelle: Brandon Guenthart (Columbia University, New York) et al., Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-019-09908-1

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