CBD-Öl als Mittel bei Autoimmunerkrankungen - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin

CBD-Öl als Mittel bei Autoimmunerkrankungen

Hanf und CBD-Öl
Hanf-Cannabinoide docken an den gleichen Rezeptoren an wie körpereigene Cannabinoide. (Bild: pixabay.com, cbd-infos-com (CC0))

Autoimmunreaktionen sind schwer behandelbar

Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen eigenes Gewebe. Schuld daran trägt die unzureichend funktionierende Selbsttoleranz, welche den Körper normalerweise schützt. Stattdessen identifiziert das Immunsystem den eigenen Organismus fälschlicherweise als Fremdkörper. Die zu den weißen Blutkörperchen gehörigen T-Lymphozyten vermögen aufgrund der fehlerhaften Funktion nicht mehr zwischen körperfremden und körpereigenen Eiweißmolekülen zu unterscheiden. Infolge dieser fehlerhaften Reaktionen entzündet sich das betroffene Gewebe chronisch. Dadurch entstehen beispielsweise chronisch-entzündliche Krankheiten wie Multiple Sklerose, Typ-1-Diabetes oder rheumatoide Arthritis.

Um diese und ähnliche Immunerkrankungen zu behandeln, setzen Ärzte überwiegend entzündungshemmendes Kortison oder Immunsuppressiva ein. Die Mittel sind medizinisch betrachtet nicht unumstritten, da sie viele mögliche Nebenwirkungen mitbringen. Insgesamt sind Patienten infolge des permanent unterdrückten Immunsystems empfindlicher gegenüber Infektionen und anderen Krankheiten. Ein weiterer problematischer Aspekt ergibt sich in den hohen Kosten, die für die Behandlung aufzuwenden sind. Die eigentliche Ursache der Krankheiten – das aus dem Gleichgewicht gebrachte Immunsystem – kann die medikamentöse Therapie nicht heilen.

Deshalb könnte, wie Studien belegen, das nicht-psychoaktive Cannabidiol CBD ein alternativer Behandlungsansatz sein. Dessen entzündungshemmende Wirkung könnte dabei helfen, das körpereigene Immunsystem auszugleichen.

Studien zur Wirkungsweise von CBD bei Autoimmunerkrankungen

Im Gegensatz zum medizinischen Cannabis verfügt das CBD lediglich über eine geringe psychoaktive Wirkung. Dennoch soll das risikofreiere CBD, wie Studien nahelegen, gegen viele der mehr als 80 bekannten Autoimmunerkrankungen helfen. Erst kürzlich untersuchten Wissenschaftler die Wirkungsweise des Cannabidiols im Hinblick auf autoimmunbedingte Herzmuskelentzündungen. Wie belegt werden konnte, verbesserte sich die Herzfunktion, wobei gleichzeitig die entzündliche Reaktion zurückging. Als besonders effektiv erwies sich in den bisher vereinzelt vorgenommenen Untersuchungen gut verträgliches CBD-Öl. Es gibt Hinweise darauf, dass die Tropfen krampflösend wirken und zahlreiche Beschwerden lindern. Weiterhin erkennt die Forschung bis heute eine stimmungsaufhellende Wirkung an, die beispielsweise depressive Zustände infolge der Autoimmunerkrankung verbessert.

Interessant sind auch die weiterführenden Studien, die einen Zusammenhang zwischen Cannabinoiden und Autoimmunreaktionen untersuchen. In den vergangenen 25 Jahren versuchten Forscher, etliche experimentelle Modelle durchzuführen. Dazu gehörte in etwa, Labortiere Cannabinoide zu verabreichen. Weiterhin versuchten Wissenschaftler, die Effekte der Cannabinoide auf Immunzellkulturen zu erforschen. Einige dieser Studien gelangten zu dem Ergebnis, dass Cannabinoide die Funktionsweisen der B und T-Lymphozyten modulieren könnten. Andere Berichte deuten auf ähnliche Wirkungsweisen hin: Dem Modulieren von Wirtsresistenz insbesondere bei sekundären Immunreaktionen.

Anzeige

Weitere Forschungen des Yoonkyung Do konnten 2016 aufzeigen, wie CBD oder THC bei Multipler Sklerose helfen. Hierbei würden Patienten vom programmierten Zelltod sogenannter dendritischer Zellen profitieren. Diese wiederum sind maßgeblich an den auslösenden Autoantigenen beteiligt, welche die Autoimmunität hervorrufen. Für die Zukunft könnten diese Erkenntnisse wegweisend sein, um Autoimmunerkrankungen entgegenzuwirken.

Therapeutische Rolle des CBDs bei Arthritis und Typ-1-Diabetes mellitus

 Die rheumatoide Arthritis ist als die am häufigsten auftretende entzündliche Gelenkerkrankung bekannt. Innerhalb Deutschlands leidet durchschnittlich einer von 100 Erwachsenen an dieser Rheuma-Form. Welche Faktoren die Krankheit auslösen, ist bis heute wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt. Denkbar ist aber, dass die Krankheit durch genetische Faktoren oder durch Viren- bzw. Bakterienstämme ausbricht. Besser erforscht ist der im Gelenk ablaufende, entzündliche Prozess. Auch hier greifen die Immunsystemzellen irrtümlich eigenes Gewebe an.  Infolgedessen schwellen die Gelenke an und verursachen eine ausgeprägte Morgensteifigkeit wo gegen auch das bekannte Hagebuttenpulver helfen soll. Unbehandelt schreitet die Krankheit weiter voran und entzündet neben großen Gelenken auch andere Organe wie Herz, Lunge oder Augen.

Bisher verabreichte Medikamente – etwa Kortison oder später eingesetzte Biologika – sind nicht frei von Nebenwirkungen. Während Biologika relativ häufig Infektionen auslösen, kann Kortison den Appetit vergrößern oder den Zuckerstoffwechsel stören. CBD Öl könnte ergänzend zu diesen Behandlungsoptionen in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Medikamenten berichten Studien von lediglich geringen bis gar keinen Nebenwirkungen. In seltenen Fällen könnten Patienten nach Einnehmen der Tropfen müde werden oder kurzzeitig den Appetit verlieren.

Aus diesem Grund legen die Ergebnisse nahe, zum Anfang der therapeutischen Behandlung mit einer geringen Dosis zu beginnen. Zu Beginn könnte eine Menge von 15 Milligramm CBD, was etwa drei Tropfen entspricht, bei entzündlichen Reaktionen des Immunsystems anschlagen. Bei schweren rheumatischen Verläufen lässt sich die Dosis auf bis zu 100 Milligramm steigern.

Erkenntnisse zu CBD und dessen Wirkung bei Typ-1-Diabetes mellitus

Ähnliche Ansätze könnten beim Umgang mit Typ-1-Diabetes herangezogen werden. Diese weit verbreitete Autoimmunerkrankung zerstört die Insulin produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Der Körper braucht das Insulin wiederum, um durch Glucose Energie in den Zellen zu produzieren. Bisher ist es Medizinern nicht gelungen, ein Heilmittel für die Krankheit zu finden. Hoffnung könnte einem Experiment zufolge das CBD machen. Es wurde mit einer Dosis von täglich je 5 mg/kg diabetischen Mäusen verabreicht. Über zehn Wochen sollte das Experiment eine mögliche Wirkungsweise von CBD auf Typ-1-Diabetes m Frühstadium aufzeigen.

Anhand der Ergebnisse können Forscher bereits vielversprechende Effekte erkennen: So würden CBD-behandelte Mäuse etwa reduziert aktivierte Leukozyten aufweisen. Ebenfalls konnte eine erhöhte Kapillardichte, die zum Entstehen von Diabetes beiträgt, nachgewiesen werden. Ein weiterer, vielversprechender Effekt ergibt sich in der verlangsamten Produktion von T-Zellen. Wie Forscher bemerkten, könne das Cannabidiol das sogenannte Immungedächtnis unterdrücken. Dadurch ließen sich künftige Angriffe des Immunsystems gegen eigenes Gewebe verringern oder hinauszögern.

Im Rahmen ähnlicher Untersuchungen ließ sich ebenfalls ein Zusammenhang zwischen CBD und oxidativem Stress feststellen. Die Fähigkeit des CBDs zum Aktivieren der CB2-Rezeptoren würde die schädlichen Folgen auf Immunzellen reduzieren.

CBD als Antwort bei Autoimmunerkrankungen?

Um die Wirkungsweise des CBDs bei Autoimmunerkrankungen vollständig zu erforschen, bedarf es weiterer Studien. Schon jetzt sind die Ergebnisse jedoch ein Indiz dafür, dass dieses Cannabinoid Symptome entzündlicher Autoimmunerkrankungen lindert. Zu bedenken ist immer, dass es sich um vorläufige Ergebnisse handelt. Zukünftig besteht die Aufgabe der Forschung darin, Auswirkungen verstärkt anhand von humanitären Studien zu bestätigen.

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Mess|wand|ler  〈m. 3; El.〉 Transformator, der einen zu messenden (starken) Strom od. Spannung so umformt, dass er mit einfachen Messgeräten zu messen ist

E–Pa|per  〈[ipp(r)] n.; – od. –s, –; IT; kurz für〉 Electronic Paper

Kryp|to|gra|fie  〈f. 19〉 oV Kryptographie 1 Geheimschrift, die durch abweichenden Gebrauch der Buchstaben entsteht ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige