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Gesundheit+Medizin

Corona-Lockdown: Auch die saubere Luft rettet Leben

Gesichtsmaske
In Ballungsräumen Asiens tragen Menschen auch bei Smog Gesichtsmasken. (Bild: Tzido/ iStock)

Die Beschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Pandemie verringern nicht nur die Covid-19-Fallzahlen – sie fördern auch darüber hinaus die Gesundheit. In dieser Zeit sind weniger Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung gestorben als sonst, wie eine Studie ergeben hat. Auch die Zahl der Asthmaerkrankungen bei Kindern ist durch die saubere Luft zurückgegangen.

Zur Verringerung der Ansteckung haben viele Länder schon vor mehreren Wochen das öffentliche Leben stark eingeschränkt, Schulen geschlossen, Arbeitskräfte ins Homeoffice geschickt und Ausgangsbeschränkungen erlassen. Als Folge ging der Verkehr vor allem in den Ballungsräumen drastisch zurück, Industrie und Kraftwerke drosselten ihre Produktion und damit auch ihre Emissionen. Schon vor einigen Wochen zeigten erste Satellitenaufnahmen der NASA und der europäischen Weltraumagentur ESA, dass durch den weitreichenden Corona-Lockdown beispielsweise die Stickoxidbelastung über Wuhan, aber auch in vielen Ballungsräumen in Europa gegenüber dem Vorjahr deutlich abgenommen haben.

20 Prozent weniger Luftschadstoffe

Zander Venter vom Norwegischen Institut für Naturforschung in Solo und seine Kollegen haben nun näher untersucht, wie stark sich die Luftverschmutzung verringert hat und welche gesundheitlichen Effekte dies haben könnte. Für ihre Studie werteten die Forscher Messdaten zu Stickstoffdioxid, Ozon und Feinstaub (PM2,5) für jeweils die ersten beiden Wochen des Corona-Lockdowns in 27 Ländern aus. Diese von Satelliten und rund 10.000 Messstationen erhobenen Werte verglichen sie – bereinigt um meteorologische Effekte – mit den Schadstoffbelastungen, die im Jahr 2019 um die gleiche Zeit herrschten. Anschließend berechneten die Wissenschaftler mithilfe von epidemiologischen Methoden, wie viele Todesfälle sowie Asthmaerkrankungen bei Kindern durch die verringerte Schadstoffbelastung des bisherigen Lockdowns vermieden worden sind. Außerdem ermittelten sie, welche Gesundheitseffekte eine bis Jahresende 2020 verringerte Luftbelastung hätte.

Das Ergebnis: Den Daten zufolge hat sich die Luftverschmutzung in den ersten beiden Wochen der Lockdowns insgesamt um etwa 20 Prozent verringert. Die Stickoxidbelastung nahm dabei im Schnitt um 29 Prozent ab, das bodennahe Ozon um rund elf Prozent, wie die Forscher berichten. Beim Feinstaub schwankten die Veränderungen je nach Land und Region zwischen einer Zunahme um zehn Prozent und einer Abnahme um 28 Prozent. Weil hierbei Luftströmungen und Wetterlagen erheblich Störeinflüsse hatten, ließ sich zwar im Mittel eine leichte Abnahme des Feinstaubs um neun Prozent erkennen, sie ergab einer keinen einheitlich signifikanten Trend.

7400 Todesfälle weniger

Dennoch konnten Venter und seine Kollegen ermitteln, dass diese Abnahme der Luftbelastung bereits positive Gesundheitseffekte hervorgebracht haben muss. „Wir schätzen, dass schon in den ersten zwei Wochen der Lockdowns weltweit etwa 7400 vorzeitige Todesfälle und 6600 Fälle von Asthma bei Kindern vermieden wurden“, sagt Seniorautor Jos Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie. Ein Großteil dieser Fälle geht dabei auf die zumindest regional deutlich verringerte Feinstaubbelastung zurück. Allein in China und Indien wurden den Forschern zufolge dadurch 1400 und 5300 vorzeitige Todesfälle vermieden.

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„Wir wollen keinesfalls sagen, dass die aktuellen Einschränkungen für die Wirtschaft wünschenswert oder nachhaltig sind“, betont Venter. „Die aktuelle Situation zeigt aber die Bedeutung der oft übersehenen globalen Luftverschmutzungskrise.“ Die Ergebnisse seien ein deutlicher Hinweis auf die potenziellen gesundheitlichen Vorteile, die sich aus einer saubereren Luft ergeben. Würden die verringerten Schadstoffemissionen bis Ende 2020 anhalten, könnten sogar noch mehr Menschen davon profitieren: „Der kumulative Effekt der Reduktion von Stickstoffdioxid, Ozon und Feinstaub für den Rest des Jahres könnte weltweit 780.000 vorzeitige Todesfälle sowie 1,6 Millionen Asthmafälle bei Kindern vermeiden“, berichten die Wissenschaftler.

„Um die Luftverschmutzung auch nach der Coronakrise langfristig zu reduzieren, sollten wir den Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger anstreben“, sagt Lelieveld. „Das würde nicht nur die Gesundheit von Menschen weltweit verbessern, sondern mittelfristig auch das Klima schützen.“

Quelle: Max-Planck-Institut für Chemie; Fachartikel: Preprint medRxiv, doi: 10.1101/2020.04.10.20060673 (PDF)

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