Depressionen: EEG zeigt Therapieerfolg an - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Depressionen: EEG zeigt Therapieerfolg an

In der elektrischen Aktivität eines bestimmten Hirnbereichs spiegelt sich offenbar Behandlungserfolg wider. (Illustration: image_jungle/iStock)

Medikamente sollen den furchtbaren Gemütszustand bessern! Doch ob ein Antidepressivum tatsächlich wirkt, zeichnet sich oft erst verzögert ab, was zu Problemen bei der richtigen Wahl der Therapie führen kann. Eine Studie zeigt jetzt, dass eine Elektroenzephalografie (EEG) Hinweise liefern kann, ob die Behandlung anschlägt. Die Methode könnte somit die oft langwierige Suche nach dem richtigen Medikament deutlich verkürzen, sagen die Wissenschaftler.

Die meisten Menschen sind gelegentlich mal „schlecht drauf“, doch wer schon einmal mit einer richtigen Depression zu kämpfen hatte, kennt den Unterschied. Von der bleiernen Schwermut sind in Deutschland etwa 5,3 Millionen Menschen betroffen. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann leidet im Laufe des Lebens an einer Depression. Zur Behandlung kommen weltweit zunehmend Antidepressiva zum Einsatz. Sie beeinflussen Signalübertragungen zwischen Nervenzellen, die im Rahmen von depressiven Störungen beeinträchtigt sein können.

Was hilft wem?

Doch diese Behandlungsform ist knifflig: Die Bandbreite an Mitteln ist groß und der Effekt schwer vorherzusagen. Meist wirken Antidepressiva erst nach einigen Wochen und da am Anfang der Behandlung oft Nebenwirkungen auftreten, ist es häufig schwierig zu beurteilen, ob die Therapie richtig anschlägt. Die Folge: Häufig ist ein problematisches und langwieriges Ausprobieren angesagt, bis die passende Behandlungsweise gefunden ist. Aus diesem Grund sind Möglichkeiten zur frühen Beurteilung von Behandlungserfolgen gefragt. Eine Studie der Forscher um Madhukar Trivedi vom UT Southwestern Medical Center in Dallas legt nun nahe, dass zukünftig ein EEG bei der Suche nach dem richtigen Medikament helfen könnte.

An der Untersuchung haben 296 Patienten aus vier US-Kliniken teilgenommen, die an einer schweren Depression litten. Sie erhielten im Rahmen der Studie entweder ein Antidepressivum in Form eines Serotonin-Wiederaufnahmehemmers (SSRI) oder eine wirkungslose Kontrollsubstanz (Placebo). Zu Beginn der Therapie und eine Woche später wurde bei allen Probanden EEGs durchgeführt.

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Dabei wurden elektrische Ströme im Gehirn mittels Elektroden gemessen, die auf dem Kopf der Patienten platziert waren. Das Verfahren ist dabei schmerzfrei und ohne Risiko. Bei der Auswertung konzentrierten sich die Forscher auf die Untersuchung der Hirnströme in einem bestimmten Teil des limbischen Systems: im rostralen Abschnitt des anterioren Gyrus cinguli. Dieses Areal gilt bereits seit einiger Zeit als ein Hirnbereich, der mit schweren Depressionen verknüpft ist.

Im EEG spiegelt sich ein Effekt wider

Wie die Forscher berichten, zeichnete sich ab: Wenn in diesem Hirnbereich eine erhöhte Aktivität in Form von sogenannten Thetawellen im EEG festzustellen war, sprachen die Patienten gut auf die Behandlung mit den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern an. Das EEG könnte somit auch als ein Werkzeug zur Überprüfung eines Therapieerfolgs dienen, sagen die Forscher. Sie loten nun weitere Möglichkeiten aus, die Effektivität von Behandlungen durch Antidepressiva zu überprüfen – etwa durch Bluttests. „Es wäre ideal, Bluttests und Untersuchungen der Hirnaktivität als Standardstrategien bei der Behandlung von Depressionen etablieren zu können“, sagt Trivedi.

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) sieht in dem Konzept ebenfalls eine Chance, die Suche nach geeigneten Medikamenten in Zukunft zu verkürzen. „Der Bedarf an solchen Tests ist hoch, da Depressionen häufig akut behandelt werden müssen“, erklärt Ulrich Hegerl vom Universitätsklinikum Leipzig und von der DGKN. Auch sein DGKN-Kollege Stefan Knecht von der St. Mauritius Therapieklinik in Meerbusch sieht Potenzial in dem Ansatz: „Wenn sich die Beobachtungen der Studie bestätigen, könnte das EEG bei Depressionen zukünftig routinemäßig zum Einsatz kommen“, so der Neurologe.

Quelle: UT Southwestern Medical Center, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V., JAMA Psychiatry doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.0252

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