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Gesundheit|Medizin

Diagnosen sollten die Tageszeit berücksichtigen

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Credit: Thinkstock
Morgens fühlen wir uns oft anders als Nachmittags und nach einer schlaflosen Nacht sowieso. Dies scheint sich auch im Stoffwechsel des Menschen widerzuspiegeln, belegt nun eine britische Studie: Tageszeit und Schlafmangel beeinflussen demnach deutlich den Metabolismus des Körpers. Da der Stoffwechsel die Konzentration von Biomarkern bestimmter Erkrankungen und auch den Umsatz von Medikamenten beeinflussen kann, kommt ihren Ergebnissen eine Bedeutung für Diagnoseverfahren zu, sagen die Forscher. Außerdem könnten sie die Ursachen eines Effekts erhellen, der bereits therapeutisch eingesetzt wird: Schlafentzug kann Depressionen lindern.

Die Ergebnisse von Debra Skene von der University of Surrey und ihre Kollegen basieren auf der Untersuchung von männlichen Probanden, die sich bereiterklärt hatten, 48 Stunden lang kontrollierte Bedingungen über sich ergehen zu lassen: Schlaf, Lichtangebot, Mahlzeiten und Bewegung waren vereinheitlicht. Die ersten 24 Stunden verbrachten die Testteilnehmer in einem normalen Schlaf-Wach-Rhythmus. Danach folgten 24 Stunden ohne Schlaf. Über die gesamten 48 Stunden hinweg entnahmen die Forscher den Probanden Blutproben. Sie wurden auf die Konzentrationen eines breiten Spektrums an Stoffwechselprodukten untersucht.

Die Auswertungen zeigten: Die Konzentration vieler dieser Metabolite schwankte im Tagesverlauf deutlich. Das heißt, die Aktivität des Organismus beim Umsetzen bestimmter Stoffe hat kein einheitliches Niveau, sondern unterliegt tageszeitabhängigen Schwankungen. Die Untersuchungsergebnisse des zweiten Versuchsteils belegen darüber hinaus, dass auch Schlafentzug sich im Metabolismus klar widerspiegelt: Der Schlafmangel erhöhte demnach 27 der im Rahmen der Studie getesteten Stoffwechselprodukte.

Diagnosen, Medikamente und antidepressive Wirkungen

„Die Studie legt nahe, dass es bei der Entwicklung von Diagonalverfahren wichtig ist, die Tageszeit der Probennahme zu berücksichtigen. Ähnliches gilt für bei der Überprüfung von Wirkungen von Medikamenten“, sagt Skene. Co-Autorin Florence Raynaud vom Institute of Cancer Research in London ergänzt: „Unsere Ergebnisse könnten auch erklären, warum Menschen so unterschiedlich auf Medikamente reagieren. Sie bieten darüber hinaus Ansatzpunkte für die Erforschung der Zusammenhänge bestimmter Stoffwechselprozesse und Krankheiten wie Krebs“, so Skene. Die Ergebnisse ergänzen den Forschern zufolge auch das Wissen über die Ursachen der Gesundheitsrisiken, die bekanntermaßen mit Schlafmangel und Störungen der inneren Uhr einhergehen: Übergewicht, das metabolische Syndrom oder Diabetes können die Folge sein.

Die Studie wirft außerdem Licht auf den Hintergrund des Phänomens, dass gezielter Schlafentzug antidepressive Wirkungen entfalten kann. Entsprechende Verfahren werden bereits seit Jahrzehnten zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Warum sie wirken, ist allerdings noch weitgehend unklar. Die Ergebnisse von Skene und ihren Kollegen bieten dazu nun Hinweise, denen es sich lohnt nachzugehen: Unter den Metaboliten, die durch Schlafmangel erhöht werden, waren nämlich auch Serotonin, Tryptophan und Taurin. Es handelt sich bei diesen Substanzen um alte Bekannte aus der Depressionsforschung: Sie sind an der Einstellung des Gemütszustandes des Menschen maßgeblich beteiligt.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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