Dicke beste Freunde - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Dicke beste Freunde

Auch viele Hunde leiden an Übergewicht. (Foto: Willee Cole/ istock)

Übergewicht und Fettleibigkeit sind inzwischen zu einer regelrechten Epidemie geworden. Dabei sind nicht nur immer mehr Menschen zu dick – sondern auch viele ihrer „besten Freunde“: Hunde. Forscher haben nun untersucht, wie sich das Dicksein im Verhalten der Vierbeiner widerspiegelt und eine erstaunliche Gemeinsamkeit aufgedeckt. Demnach zeigen übergewichtige Hunde ganz ähnliche Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen wie übergewichtige Menschen.

Hunde sind dem Menschen im Laufe ihrer Domestikation immer ähnlicher geworden: Inzwischen verstehen die Vierbeiner problemlos unsere Gesten und nach etwas Training sogar menschliche Worte. Tatsächlich verarbeiten sie Sprache sogar in den gleichen Hirnarealen wie wir. Außerdem besitzen sie eine Art episodisches Gedächtnis, das dem unsrigen gleicht. Doch im Laufe ihrer langen Kameradschaft haben Mensch und Hund nicht nur viel miteinander kommuniziert und interagiert. Sie haben auch oft ihre Ernährungsweise und ihre Lebensgewohnheiten geteilt: Achten Herrchen und Frauchen auf eine gesunde Ernährung, spiegelt sich dies in der Auswahl des Hundefutters wider. Sind sie aktiv und viel unterwegs, ist auch der Hund immer in Bewegung. Bleiben sie dagegen lieber auf dem Sofa, wird der Vierbeiner wahrscheinlich ebenfalls zum „Couch-Potato“.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass der gemeinsame Alltag mit dem Menschen bei Hunden auch körperliche Spuren hinterlässt. So ähnelt beispielsweise die Zusammensetzung ihrer Darmflora auffällig der unsrigen, wie Untersuchungen belegen. Zudem leiden die Vierbeiner – wie ihre Herrchen und Frauchen – immer häufiger an krankhaftem Übergewicht. In einer aktuellen Studie aus den USA waren immerhin 34 Prozent der untersuchten Hunde dick oder sogar fettleibig. Wissenschaftler um Ákos Pogány von der Eötvös Loránd Universität in Budapest wollten wissen, ob sich das Dicksein auch im Verhalten der Tiere widerspiegelt. Kurzum: Interagieren übergewichtige Hunde anders mit ihrer menschlichen Bezugsperson und reagieren sie anders auf Belohnungen in Form von Futter?

Gewichtiger Verhaltensunterschied

Dies testeten die Forscher mit 91 Hunden unterschiedlicher Rassen – darunter Golden Retriever, Beagle und Border Collie. Alle Vierbeiner nahmen an jeweils zwei Experimenten teil. Beim ersten ging es darum, in Anwesenheit ihres Besitzers der Anweisung einer zweiten Person zu folgen, die auf eine von zwei Schalen zeigten. Dabei war die nicht angezeigte Schale entweder leer oder sie enthielt eine ausgesprochene Leckerei. Wie gut würden die Hunde hören? Es zeigte sich: Übergewichtige Tiere folgten dem Fingerzeig seltener, wenn die andere Schale eine essbare Belohnung enthielt. Normalgewichtige Vierbeiner bewiesen beim Befolgen der menschlichen Befehle dagegen mehr Ausdauer.

Auch beim zweiten Experiment offenbarte sich ein vom körperlichen Zustand der Tiere abhängiger Unterschied: Für diesen Test lernten die Hunde, eine Seite eines Raumes mit einem positiven Erlebnis zu assoziieren, die andere dagegen mit einem negativen – je nach Seite enthielt eine dort abgestellte Schale entweder immer Futter oder sie war stets leer. Beim eigentlichen Experiment wurde eine Schale mittig, an einer uneindeutigen Position abgestellt. Die Hunde konnten demnach nicht sicher sein, welcher Inhalt sie erwarten würde. Wie würden sie reagieren, wenn sie zu dieser Schale laufen sollten? Das Ergebnis: Anders als normalgewichtige Hunde zögerten dicke in dieser Situation merklich. Sie liefen erst nach einigen Sekunden oder sogar gar nicht los. Offenbar wollten sie sich ungerne anstrengen, wenn ihnen eine nahrhafte Belohnung nicht sicher war und gingen eher pessimistisch an die Sache heran.

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Erstaunliche Gemeinsamkeit

Mit diesen beobachteten Merkmalen gleichen übergewichtige Hunde übergewichtigen Menschen auf erstaunliche Weise, wie die Forscher berichten. „Die Ergebnisse entsprechen dem, was Modelle zum Zusammenhang zwischen Übergewicht und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensweisen beim Menschen nahelegen“, schreibt das Team. Demnach ist auch für menschliche Dicke häufig typisch, dass Essen als Belohnung und wirkungsvoller Anreiz fungiert und in bestimmten Situationen ohne diesen Anreiz die Ausdauer und Motivation fehlt. Damit haben die Wissenschaftler nicht nur eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Menschen und ihren „besten Freunden“ aufgedeckt. Sie liefern damit auch einen Ansatzpunkt, um den Ursachen und Folgen von Übergewicht beim Menschen auf den Grund zu gehen. „Aufgrund dieser Ähnlichkeiten könnten sich Hunde besser als Modelltiere für derartige Untersuchungen eignen als etwa Nager“, so das Team.

Quelle: Ákos Pogány (Eötvös Loránd Universität, Budapest) et al., Royal Society Open Science, doi: 10.1098/rsos.172398

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Wissenschaftslexikon

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