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Die Brille lebt!

Das wächst, wenn man eine Brille auf Nährmedium drückt. (Foto: Theresa Mühlbauer )

Es wimmelt überall – doch auch ganz spezielle Mikrobengemeinschaften leben auf vielen Alltagsgegenständen. Nun haben Forscher gezielt untersucht, welche Bakterien auf dem Gegenstand leben, den so viele Menschen auf der Nase tragen. Ihren Ergebnissen zufolge leben auf Brillen zahlreiche harmlose Bakterienarten, aber auch potenziell problematische, die etwa das Auge befallen können. Die Forscher haben zudem getestet, wie man die mikrobielle Bevölkerungsdichte auf der Brille möglichst klein halten kann: Feuchte Reinigungstücher sind dazu offenbar am besten geeignet.

Deutschland – Brillenland: Fast die Hälfte der Bevölkerung trägt ständig oder zumindest gelegentlich eine Brille. Vor diesem Hintergrund scheint die Frage berechtigt, was auf diesen weitverbreiteten Objekten eigentlich lebt. Es gab zwar schon Untersuchungen über die Keimbelastung von Brillen für Chirurgen, doch zu den normalen Sehhilfen der Bevölkerung fehlten bislang wissenschaftliche Erkenntnisse. Diese Lücke haben die Forscher um Markus Egert von der Hochschule Furtwangen nun geschlossen.

Für ihre Studie haben sie an verschiedenen Stellen von Test-Brillen Proben durch Tupfer genommen: vom Rahmen, den Nasenpolstern und den Gläsern. Die Tupfer wurden anschließend auf Nährmedium ausgestrichen, um die Bakterien aus den Proben wachsen zu lassen. Anschließend konnten die Wissenschaftler untersuchen, welche Spezies an den bestimmten Stellen der Brillen vorkommen und auch Rückschlüsse über die ursprüngliche Besiedlungsdichten waren möglich. Egert und seine Kollegen gingen außerdem der Frage, ob sich die Brillen-Mikroflora von jungen und älteren Menschen unterscheidet. Denn ein Teil der Test-Brillen stammte von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule Furtwangen, ein anderer hingegen von Bewohnern eines Altenheims.

Hochschul-Brillen versus Altenheim-Brillen

„Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt“, berichtet Egert. „Am stärksten an Stellen mit direktem Hautkontakt wie Ohrbügel und Nasenpolster“. Der Gemessene Spitzenwert war demnach 660.000 Bakterien pro Quadratzentimeter. Die geringste Keimdichte stellten die Forscher hingegen auf den Gläsern fest. Wie sie berichten, waren die Altenheim-Brillen im Durchschnitt leicht stärker besiedelt als die Hochschul-Brillen. Deutlich war der Unterschied jedoch bei den Gläsern: Die Brillen der jungen Leute beherbergten auf diesen Flächen nur 40 Bakterien pro Quadratzentimeter, wohingegen bei den Gläsern der Älteren durchschnittlich 230 Bakterien pro Quadratzentimeter zu finden waren.

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Es gibt für diesen Unterschied auch eine plausible Erklärung, sagen die Forscher: Senioren reinigen ihre Brillengläser seltener. Der Grund: Durch altersbedingte Sehschwäche fallen ihnen Fingerabdrücke oder ähnliche Verschmutzungen weniger auf. Die Altenheim-Brillen zeichneten sich zudem durch eine höhere Vielfalt an Bakterien aus, berichten die Forscher: zehn Gattungen im Gegensatz zu zwei Gattungen bei den Hochschul-Brillen. Wie sie erklären, ist dies wohl auf einen bekannten Effekt zurückzuführen: Die Hautflora des Menschen wird mit zunehmendem Alter vielfältiger.

Reinigung gegen mögliche Problem-Mikroben

Was die Bakterienarten betrifft, identifizierten die Forscher auf allen Brillen vor allem typische Haut- und Schleimhautbakterien der Gattung Staphylococcus. Der Anteil an potentiell gesundheitsschädlichen Bakterienarten lag bei rund 60 Prozent. In der Regel werden diese Keime allerdings nur bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem problematisch. Allerdings stießen die Wissenschaftler auch auf bekannte Erreger, die Augenerkrankungen wie Bindehautentzündung oder Endophthalmitis hervorrufen können. Von diesen Keinem sind auch Antibiotika-resistente Varianten bekannt. „Für gesunde Menschen stellt ihre Brille in der Regel kein besonderes Infektionsrisiko dar“, beruhigt Egert. Wer ihm zufolge allerdings unter häufig wiederkehrenden Augeninfekten leidet, sollte seine Brille verstärkt reinigen.

In diesem Zusammenhang konnten die Forscher zeigen, dass feuchte Brillen-Reinigungstücher besonders effektiv sind: Sie erreichen demnach eine Keimreduktion um 94 bis 99 Prozent. Eine Reinigung mit trockenen Tüchern war hingegen weniger effektiv und erzielte nur eine Beseitigung der Mikroben um 85 bis 90 Prozent. In weiteren Studien wollen die Forscher nun genauer der Frage nachgehen, welche Zusammenhänge es zwischen der Brillenflora und wiederkehrenden Augeninfektionen gibt – also inwieweit eine Brille ein Erreger-Reservoir darstellen kann.

Quelle: Hochschule Furtwangen, PLOS One, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0207238

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