Editor's Pick: Genschere CRISPR - wissenschaft.de
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Editor’s Pick: Genschere CRISPR

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Bereit für neue Einsichten! (Foto: iStock/Andrew Rich)
Die Genschere CRISPR erleichtert Genetikern die Arbeit. Könnten auch Verbrecher diese Methode nutzen, um Embryonen zu manipulieren oder neue Viren herzustellen? Der Selbstversuch eines Journalisten zeigt: das Erbgut zu verändern ist ein Handwerk, das man erst erlernen muss.

Als ich im Frühjahr die Chance hatte, Emmanuelle Charpentier zu sprechen, habe ich sie gefragt, ob man die Genschere CRISPR auch ohne Studium anwenden könne. Charpentier hat dieses Werkzeug, das Eingriffe ins Erbgut vereinfacht, mitentwickelt. Im Oktober rechneten viele damit, dass sie dafür den Nobelpreis bekommen werde. ( Den Nobelpreis bekam jemand anderes, aber in einem der nächsten Jahre wird es sicher klappen.)

Wenn die neue Methode einfach zu handhaben ist, kommt der Verdacht auf, dass Terroristen und skrupellose Sektenführer sie missbrauchen könnten. Vor einigen Jahren hat die Sekte der Raelianer zum Beispiel behauptet, das erste geklonte Baby sei geboren, und man darf vermuten, dass sie es tatsächlich versucht haben (das sagt zum Beispiel der Genetiker Olaf Rieß in diesem Interview). Und Terroristen könnten wiederum versuchen, ein lethales und leicht übertragbares Grippevirus herzustellen. Wäre das möglich? Emmanuelle Charpentier antwortete mir damals: „Man muss nicht studiert haben, um Regeln und Gesetze zu brechen.“

Mit krimineller Energie

Nun hat es ein Journalist, Jon Cohen vom US-amerikanischen Wissenschaftsmagazin „Science“, ausprobiert: Er wollte in einer Zellkultur ein spezifisches Gen zerschneiden, so dass es nicht mehr als Bauplan für Proteine dienen kann. Seine Kompetenz: Er hat vor 30 Jahren am College einen Laborkurs absolviert. In einem Online-Beitrag beschreibt er die Arbeitsschritte und sein Versagen: Er scheiterte schon daran, die Genschere CRISPR auf das zu zerschneidende Gen zu „programmieren“. Die Arbeitschritte sind Standard in modernen Labors, aber man muss sie erst erlernen, lautet seine Botschaft. Der Wissenschaftler, der Jon Cohen bei dem Vorhaben betreute, vermutete, dass er nicht sauber mit den Pipetten umgegangen ist.

Ich habe Verständnis für den Kollegen, denn als ich vor 25 Jahren im Chemielabor stand und einen Anfängerkurs absolvierte, hatte ich auch meine Schwierigkeiten. Ich habe einige Glasgeräte zerbrochen. Aber die Aussage von Emmanuelle Charpentier darf man als Warnung verstehen: Mit krimineller Energie kann man es weit bringen und sich womöglich auch die nötigen handwerklichen Fähigkeiten erwerben. Die Polizei und Nachrichtendienste werden daher in den nächsten Jahren ihre Kompetenzen in Sachen Genetik ausbauen müssen.

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Mehr zum Thema CRISPR finden Sie im Titel-Schwerpunkt der Oktober-Ausgabe von „bild der wissenschaft“.

© wissenschaft.de – Alexander Mäder
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