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Gesellschaft+Psychologie Gesundheit+Medizin

Ein Schmerz und eine Seele

Heiraten ist gut für die Gesundheit. Aber Eheleute leiden oft unter denselben Krankheiten.

Eigentlich stabilisiert Verheiratetsein die Gesundheit. Ehe-Männer leben in den westlichen Industrienationen etwa acht Jahre länger als unverheiratete, bei den Frauen beträgt der Unterschied drei Jahre. In Japan bringt die Hochzeit sogar 15 bis 20 Jahre Bonus auf der Lebensjahrskala.

Dennoch ist der Trauschein keine Garantie fürs Wohlbefinden und für viele Lebensjahre. So kommt eine englische Studie der University of Nottingham an über 29 000 Menschen – davon 17 000 verheirateten – zu dem Schluss, dass Ehepartner das gleiche Risiko für dieselben Erkrankungen tragen. Womit nicht Schnupfen oder andere Bagatellen gemeint sind, sondern schwere Leiden wie Depression, Magengeschwüre, Asthma oder Schlaganfälle.

„Wer mit einem Partner zusammen lebt, der an einer solchen Erkrankung leidet“, erklärt Studienleiterin Julia Hippisley-Cox, „ muss stärker als andere damit rechnen, diese Krankheiten ebenfalls zu kriegen.“ Bei Asthma, Depressionen und Magengeschwüren erhöht sich sein Risiko im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung um 70 Prozent, das Risiko für Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verdoppelt sich.

Der Gleichklang der ehelichen Krankheitsgeschichten kann viele Ursachen haben. So leben Eheleute meistens in derselben Wohnung, dadurch haben sie weitgehend identische Umweltbedingungen. Ihr Lebensstil ist in der Regel ebenfalls nahezu deckungsgleich, sie haben ähnliche Ernährungs- und Schlafgewohnheiten, und selbst ihre Haustiere können sich auf den Gesundheitszustand beider ähnlich auswirken. Im positiven Sinne, wenn etwa Herrchen und Frauchen durch ihren Hund gleichermaßen zu Spaziergängen gezwungen werden. Aber auch im negativen Sinne: Der ehemalige US-Präsident George Bush senior leidet wie seine Frau an Basedowscher Krankheit – und beim Familienhund wurde ebenfalls eine Überfunktion der Schilddrüse festgestellt.

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Es sind aber nicht nur die Jahre des Zusammenlebens, die den Ehepartnern eine ähnliche Krankengeschichte geben, sondern auch Herkunft und Persönlichkeit. Soziologische Untersuchungen zeigen immer wieder, dass Ehen vor allem nach dem Prinzip „Gleich zu Gleich gesellt sich gern“ gegründet werden, und nicht nach dem Muster „Gegensätze ziehen sich an“. Was in der Regel bedeutet, dass man schon zum Zeitpunkt der Hochzeit bei den Beteiligten einen ähnlichen gesellschaftlichen Hintergrund und ähnliche Charaktere findet. Herkunft und Persönlichkeit wiederum haben großen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten beider Ehepartner, beispielsweise im Hinblick auf gesundheitliche Vorsorge und auf das Vermeiden riskanter Verhaltensweisen wie Rauchen oder Bewegungsmangel.

Schließlich erzeugen schwere und chronische Erkrankungen Stress, der seinerseits das Krankheitsrisiko des Partners erhöht. Eine 1998 veröffentlichte Studie am Hadassah University Hospital in Jerusalem fand kaum Unterschiede zwischen dem Stress von Krebspatienten und dem ihrer Lebensgefährten. Manchmal leidet der Partner sogar stärker, weil er sich als ohnmächtiger Zuschauer fühlt, der die Therapie den Ärzten und anderen Experten überlassen muss – ohne dass er selbst in der Lage wäre, etwas zur Heilung beitragen zu können. ■

Jörg Zittlau

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