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Pandemien

Forscher fordern mehr Restriktionen im Wildtierhandel

Wildtiermarkt
Handel mit Wildtieren auf einem Markt in Kambodscha. (Bild: Kit Magellan)

Viele Seuchen und Pandemien entstehen durch Erreger, die aus dem Tierreich auf den Menschen überspringen – so auch die Corona-Pandemie. Schuld daran ist der enge Kontakt zwischen Mensch und Tier, wie etwa im Wildtierhandel oder in der Nutztierhaltung. Wissenschaftler fordern deshalb strengere Restriktionen für den Tierhandel und mehr Schutz für unberührte Lebensräume. Nur so seien langfristig weitere Zoonosen vermeidbar.

Ob Covid-19, Ebola oder die Influenza: Alle diese Infektionskrankheiten wurden von Krankheitserregern verursacht, die vom Tier auf den Menschen übergesprungen sind. Während die tierischen Wirte wie etwa Fledermäuse, Vögel und Nagetiere dabei meist gegen die Bakterien, Viren oder Parasiten immun sind, sind diese für den Menschen neu, sodass unser Immunsystem darauf nicht vorbereitet ist und erkrankt.

Aber wie gelangen die Erreger solcher Zoonosen vom Tier auf den Menschen? Meist erfolgt die Übertragung, wenn der Mensch eng im Kontakt mit Wild- oder Nutztieren steht. Zwei Hauptfaktoren, die dies begünstigen, sind Wissenschaftlern zufolge der Handel mit Wildtieren und die Fragmentierung des natürlichen Lebensraums. Tiere auf Wildtiermärkten sind oft in einem überfüllten und unhygienischen Umfeld untergebracht, was Krankheitserregern eine perfekte Umgebung zur Ausbreitung bietet. Außerdem spielt auch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume von Wildtieren eine Rolle. Wenn zum Beispiel Wälder gerodet werden, bringt das Menschen und auch die Nutztiere in engeren Kontakt mit den wilden Wirten potenzieller Krankheitserreger.

Wie können wir Epidemien vermeiden?

Ein internationales Forscherteam um Amaël Borzée von der Forstwirtschaftlichen Universität Nanjing appelliert nun in einem Fachartikel für sofortiges Handeln, um das Risiko weitere Zoonosen einzugrenzen. „Wir rufen dringend dazu auf, den Handel mit Wildtieren zu regulieren, den Schutz für ursprüngliche Ökosysteme auszuweiten und die Nachfrage für Wildtierprodukte einzuschränken“, so die Forscher.

Denn wie sie betonen, können kurzfristige Maßnahmen wie Quarantänen oder Social Distancing zwar die Infektionsketten unterbrechen und die Verbreitung von bereits kursierenden Erregern bremsen. Auf Dauer aber bekämpfe dies nicht die Ursachen von Pandemien wie der aktuellen: „Obwohl lokale Quarantänen und Abriegelungen rund um die Welt scheinbar einige kleinere positive Auswirkungen haben, sollten diese kurzfristige Erfolge angesichts der tief greifenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie nicht überbewertet werden“, so die Forscher.

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Maßnahmen in Asien als Vorbild

Tatsächlich haben erste Regierungen in Asien haben bereits reagiert und weitergehende Maßnahmen ergriffen, die laut Borzée und seinen Kollegen langfristige Wirkung zeigen könnten: In Korea hat die Regierung zum Beispiel die Kontrollen des Wildtierhandels verstärkt, indem sie für mehrere invasive Tierarten ein Einfuhrverbot erließ. Im Juni 2020 verbot außerdem die Regierung Chinas den Handel mit Schuppentieren (Manidae) – einer Tiergruppe, die auch bei SARS-CoV-2 in Verdacht stand, ein Überträger zu sein. Das Problem dabei: Bisher gibt es noch kein Verbot von Medikamenten, die Schuppen der Tiere enthalten, sodass die Forscher vermuten, dass der Handel etwa über Lagerbestände weitergeht. „Daher sind zusätzliche Rechtsvorschriften zur Überwachung des Bestands an gelagerten Schuppentieren und Strafverfolgung nötig“, konstatiert das Forscherteam.

Dennoch könnten diese Maßnahmen Vorbild für andere Länder sein, die Wildtierhandel und zum Beispiel Lederhandel betreiben. Um künftige Pandemien zu vermeiden, fordern die Wissenschaftler die Regierungen auf, wirksame Rechtsvorschriften und auch Strafen zu erlassen, die den Handel mit Wildtieren regulieren, Lebensräume schützen und den Kontakt zwischen Mensch, Wildtieren und Nutztieren einschränken. „Um einen nächsten Ausbruch, in welcher Form auch immer, zu verhindern, muss erkannt werden, dass sich die Beziehung des Menschen zur Natur ändern muss“, ergänzt Trishna Dutta von der Universität Göttingen. Als Nebeneffekt können so auch vom Aussterben bedrohte Tierarten wie etwa die Schuppentiere geschützt werden.

Von einem vollständigen Verbot des Wildtierhandels raten die Forscher derzeit aber dennoch ab: „Ein totales Verbot des Wildtierhandels würde Auswirkungen auf Millionen von Menschen in Asien und weltweit haben, die vom Wildtierhandel finanziell abhängig sind.“ Alle Maßnahmen der Regierungen sollten deshalb laut Borzée und seinen Kollegen erst umgesetzt werden, wenn es alternative Möglichkeiten für diese Menschen gibt, ihre Existenz zu sichern.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen, Fachartikel: Trends in Ecology & Evolution, doi: 10.1016/j.tree.2020.10.001
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