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Gesundheit+Medizin

Forschungsland Österreich: Ausgaben um rund 70 Prozent gestiegen

Symbolbild medizinische Forschung
Die Erforschung neuer Medikamente ist nur ein Teil des riesigen, medizinischen Forschungsgebietes in Österreich. (Bild: thinkstock.com, poba)
Land der Berge, Land am Strome, heißt es in der österreichischen Nationalhymne. Es könnte aber genauso gut Land der Forschung heißen, denn der Forschungsstandort Österreich hat sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt. Das belegen die Zahlen und Fakten des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Demnach stiegen in Österreich die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung in den letzten zehn Jahren um beachtliche 70 Prozent. Laut Statistik Austria wurden für das Jahr 2019 beispielsweise 12,69 Milliarden Euro Ausgaben für diese Sparte erwartet. Das entspricht einer im europäischen Durchschnitt sehr hohen Forschungsquote von 3,18 Prozent. Zum Vergleich: Der EU-28-Durchschnitt dieser Quote liegt derzeit bei 2,06 Prozent. Spitzenreiter mit 3,4 Prozent ist in Europa Schweden. Aber wer forscht eigentlich in Österreich? Welche aktuellen Projekte speziell im Gesundheitsbereich gibt es und welche Studien im Zusammenhang mit der Pandemie laufen derzeit? Der folgende Artikel klärt auf.

22 Universitäten und knapp 3.500 Unternehmen forschen

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern ist Österreich relativ klein – doch die Forschungslandschaft ist hierzulande trotzdem beachtlich und divers. So forschen in Österreich 22 öffentliche Universitäten, dazu kommen 3.489 Unternehmen, die Forschungsprojekte durchführen. Dazu gehört zum Beispiel die Tiroler Firma Montavit, die seit über 75 Jahren Medikamente in den Bereichen Gynäkologie, Urologie und Allergietherapie entwickelt. Generell sind in Österreich großteils Klein- und Mittelbetriebe forschend tätig, aber auch internationale Konzerne, die ihren Hauptsitz in Österreich haben, spielen eine große Rolle. Dazu kommen noch einige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und -gruppen, wie zum Beispiel das Austrian Institute of Technology. 2017 waren so mehr als 76.000 Personen in Österreich im Bereich Forschung und Entwicklung beschäftigt – davon zirka ein Viertel weiblich – und diese Zahlen steigen kontinuierlich. Der größte Bereich innerhalb der Forschung entfällt auf die experimentelle Entwicklung, die somit in Österreich die wichtigste Forschungsart darstellt. Dahinter rangiert die Angewandte Forschung und schließlich befindet sich die Grundlagenforschung auf dem dritten Platz. In puncto Bundesländervergleich liegt Wien aufgrund seiner vielen Universitäten und Institute klar auf dem ersten Platz. Hier finden 32 Prozent aller Forschungsprojekte statt. Den zweiten Platz teilen sich Oberösterreich und die Steiermark, die in etwa gleich auf liegen. Dahinter reiht sich Tirol ein.

Aktuelle Forschungsprojekte in Österreich

Aber woran wird eigentlich genau geforscht? Ein großes Forschungsgebiet ist und bleibt die Gesundheit, weswegen sich dieser Artikel speziell damit befasst. Exemplarisch werden im Folgenden drei aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt.

Grazer entdeckten pflanzlichen Wirkstoff gegen Krebs

Jährlich erkranken viele Menschen an Krebs – eine der gefährlichsten Formen ist dabei der schwarze Hautkrebs. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt, gibt es noch Möglichkeiten, sie zu behandeln. Sobald sich jedoch im Körper Metastasen gebildet haben, wird es immer schwieriger. Einer Forschungsgruppe der Universität Graz gelang nun der Nachweis der Wirksamkeit einer Heilpflanze, die in der Traditionellen Chinesischen Medizin schon länger geschätzt wird: Es handelt sich dabei um eine bestimmte Art von Lotwurz. Diese Pflanzen gehören zur Familie der Raublattgewächse, zu der zum Beispiel auch Borretsch oder das Wald-Vergissmeinnicht zählen. Für das vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Forschungsprojekt wurden mehr als 250 Extrakte verschiedener Pflanzen erstellt und an unterschiedlichen Krebszellen getestet – mit Erfolg! Ein bestimmter Inhaltsstoff der Lotwurz eliminiert Krebszellen – und das nicht nur im Labor, sondern bereits auch an Hautkrebs erkrankten Mäusen.

Salzburger erforschen Helferzellen, die bei chronischen Wunden helfen könnten

Wunden entstehen nicht nur durch Unfälle und akute Ereignisse, sondern bei vielen Menschen sind sie auch chronisch. Dazu zählen zum Beispiel sogenannte Schmetterlingskinder. Solche Personen leiden unter einer angeborenen, noch nicht heilbaren Krankheit, die dazu führt, dass ihre Haut so dermaßen verletzlich ist, dass man sie mit den Flügeln von Schmetterlingen vergleicht. Aber auch Diabetes oder Durchblutungsstörungen können zu chronischen Verletzungen führen. All diese Menschen können nun Hoffnung schöpfen, denn amerikanische Forscher haben kürzlich eine neue Immunzell-Art im Blut entdeckt, die einen großen Einfluss auf den Heilungsprozess haben dürfte. Wissenschaftler der Universität Salzburger setzen sich nun bis 2025 profunder mit diesen T-Helferzellen auseinander und hoffen, noch mehr Erkenntnisse zu gewinnen.

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Wiener arbeiten mit aus Milben gewonnenen Peptiden

Milben gehören eigentlich nicht zu den liebsten Tierfreunden des Menschen – und doch sind sie unerlässlich und könnten künftig auch bei der Medikamenten-Entwicklung eine Rolle spielen. Forschern der MedUni Wien gelang nämlich ein bahnbrechender Nachweis: Sie bewiesen, dass ein aus diesen kleinen Tierchen gewonnenes Peptidhormon beim Menschen einen ganz bestimmten, sekundären Botenstoff aktiviert. Wozu ist dies nun gut? Viele Medikamente führen heutzutage nicht nur zu erwünschten Reaktionen, sondern auch zu Nebenwirkungen. Die gewonnenen Peptide funktionieren wie natürliche Werkzeuge, die diese eindämmen können. Das könnte künftig zu besseren Medikamenten und Therapien führen.

Studien im Zusammenhang mit der Coronapandemie

Ein nach wie vor relevantes Thema ist auch die Corona-Pandemie – diese bestimmt daher auch das Forschungsgeschehen in Österreich zu einem großen Teil. So werden derzeit über 150 COVID-relevante Forschungsprojekte alleine an der Medizinischen Universität Wien durchgeführt. Dazu zählen Arzneimittelstudien und solche zur Therapieentwicklung genauso wie Befragungen und begleitende Forschungsprojekte. Ein Beispiel hierfür sind Studien, die sich mit den Auswirkungen häuslicher Isolation im Rahmen der Pandemie auf die körperliche und psychische Gesundheit der Österreicher auseinandersetzen. Aber auch die derzeitigen Risikofaktoren und die Arbeitssituation des Gesundheitspersonals werden erforscht. Ebenso laufen Studien zu transkulturellen Unterschieden des psychischen Wohlbefindens während der Pandemie in Österreich und der Türkei oder solche, die sich mit dem Einfluss des Bildungsgrades auf die Risikoselbsteinschätzung befassen. Schließlich gibt es auch noch jede Menge Forschungsprojekte, die sich mit der Diagnose, dem Krankheitsverlauf und der Immunität auseinandersetzen.

02.11.2021

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