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Glaukom trotz niedrigem Augendruck

Rund eine Million Deutsche leiden an einem Glaukom, im Volksmund „Grüner Star“ genannt. Der Name geht auf eine Verfärbung der Regenbogenhaut zurück, die gelegentlich mit der Erkrankung einhergeht. Etwa jedem zehnten Betroffenen droht mit zunehmendem Lebensalter die Erblindung. Das Problem: Nur wenige wissen von ihrer Erkrankung, denn sie verläuft schleichend und zunächst ohne Beschwerden. Deshalb fordern deutsche Augenärzte eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung. Die Krankenkassen argumentieren dagegen, dass ein Screening wenig bringe.

Bei einem Glaukom sterben die über eine Million Einzelfasern des Sehnervs langsam ab. Haben etwa ein Drittel ihre Funktion eingebüßt, verengt sich das Gesichtsfeld, und die Patienten können Gegenstände außerhalb des zentralen Sehbereichs nicht mehr wahrnehmen. Bisher galt ein erhöhter Innendruck des Auges als die Hauptursache. Er kommt zustande, wenn die Flüssigkeit im Augeninneren, das Kammerwasser, nicht richtig abfließt. Als „ normal“ galt lange ein Grenzwert von 21 Millimeter Quecksilbersäule. Doch inzwischen halten viele Augenärzte den Augen-Innendruck nicht mehr für den Hauptschuldigen. Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte Deutschlands erklärt: „Ein Glaukom ist vor allem eine Erkrankung des Sehnervs.“ Eckert betont, dass etwa jeder dritte Glaukompatient einen unauffälligen Augendruck hat. Andere hätten selbst mit deutlich erhöhten Werten keine Probleme. Entscheidend sei vielmehr, wie empfindlich der Sehnerv ist. In diese Richtung weist auch eine Untersuchung aus dem Jahr 2006: Forscher aus Mainz, Mailand und Gent hatten bei 1000 Patienten mit einem erhöhten Augen-Innendruck nach zusätzlichen Faktoren gesucht, die das Risiko für Schäden am Sehnerv steigen lassen. Neben einem höheren Lebensalter waren dies vor allem die Dicke der Hornhaut, Zelltrümmer in der Linse sowie ein eingeschränktes Gesichtsfeld. Für Patienten ohne solche Zusatzrisiken scheint ein erhöhter Augen- Innendruck weniger gefährlich zu sein.

Das Ergebnis ist Wasser auf die Mühlen der Krankenkassen: Was nützt eine Messung des Augendrucks, wenn dessen Rolle beim Glaukom nicht klar ist? Eckert sieht das ganz anders: „Es ist ein Anachronismus, wenn heute bei uns noch Menschen an einem Glaukom erblinden.“ Denn bei einem sinnvollen Screening wird nicht nur der Innendruck gemessen, sondern auch das Gesichtsfeld überprüft. Außerdem sollte der Arzt den Augenhintergrund untersuchen, ob dort bereits erste Schäden am Sehnerv zu sehen sind. Solange die Kassen dafür nicht zahlen, ist der Patient selbst gefordert. Etwa 20 Euro kostet der Glaukom-Check, den die Augenärzte ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre empfehlen. Neben dieser Basis- Vorsorge bieten viele Ärzte auch neue Laser-Checks an, bei denen Netzhaut und Sehnerv sehr präzise auf etwaige Fehler abgetastet werden – Kosten: 70 bis 80 Euro. Dr. Ulrich Fricke

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Kontakt

Berufsverband der Augenärzte Deutschlands

Tersteegenstr. 12

40474 Düsseldorf

Tel.: 0211/43037 00

www.augeninfo.de

Internet

Glaukom-Informationen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft:

www.dog.org (zu finden im Bereich „Patienten“)

Informationen der Initiative Auge e. V., einer Selbsthilfegruppe zu Glaukom und Makula-Degeneration:

www.initiative-auge.de

Quellen zu medinfo-Themen:

www.wissenschaft.de

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