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Heilpflanze: Anti-Aging-Effekt belegt

Extrakte aus getrockneten Wurzeln des Vielblütigen Knöterichs werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt. (Foto: ThamKC/iStock)

Angeblich ergrauen sogar die Haare weniger – Wurzelextrakten des Vielblütigen Knöterichs werden verjüngende und gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt. Doch hält das traditionelle chinesischen Heilmittel tatsächlich, was es verspricht? Eine Studie an Fadenwürmern attestiert dem Mittel nun Potenzial: Dem Modelltier der Forschung verschaffen die Wurzelextrakte demnach ein verlängertes Leben. Die Studie liefert außerdem Hinweise dazu, welche molekularen Effekte der Wirkung zu Grunde liegen.

Ho Shou Wu – „Der schwarzhaarige Mann“ so wird das Heilmittle in der Traditionellen Chinesischen Medizin genannt. Diese Bezeichnung basiert auf einer Legende, der zufolge sich ein alter Mann durch Wurzelextrakte des Vielblütigen Knöterichs (Polygonum multiflorum) erstaunlich verjüngt haben soll. Mittlerweile erfreut sich das Mittel auch außerhalb Chinas großer Beliebtheit: Viele Anbieter vertreiben Extrakte und Pulver der Pflanze als Nahrungsergänzungsmittel mit angeblich verjüngender und auf vielfältige Weise gesundheitsfördernder Wirkung. Die Branche hat diesbezüglich allerdings einen etwas zwielichtigen Ruf: Für die angepriesenen Wirkungen vieler Mittel gibt es nur wenige oder gar keine wissenschaftlichen Belege.

Im Fall des Vielblütigen Knöterich gibt es allerdings bereits Hinweise auf eine Wirkung. „Die meisten bisherigen Untersuchungen konzentrierten sich allerdings nur auf den Hauptwirkstoff des Pflanzenextraktes. Tatsächlich besteht er aber aus vielen verschiedenen Stoffen, deren kombinierte Wirksamkeit dagegen noch nicht stark erforscht ist“, sagt Wim Wätjen von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Er und seine Kollegen untersuchen deshalb momentan detailliert die Inhaltsstoffe der vielversprechenden Heilpflanze und deren mögliche Wirkungen.

Verjüngte Würmchen

Im Rahmen ihrer Studie haben sie Wurzelextrakte des Vielblütigen Knöterichs einem häufig verwendeten Modellorganismus in den Bio- und Lebenswissenschaften verabreicht: dem winzigen Fadenwurm Caenorhabditis elegans. „Die meisten bisherigen Studien haben die Wirkungen der Pflanze mit isolierten Zellen oder im Reagenzglas untersucht – wir wollten sie im lebenden Organismus erforschen“, erklärt Wätjen. Wie er und seine Kollegen berichten, stellten sie ab einer bestimmten Konzentration des Wurzelextrakts tatsächlich deutliche Effekte fest: Die Lebenszeit der Würmer verlängerte sich um rund 19 Prozent. Im Fall dieses recht kurzlebigen Wesens entspricht das einem Plus von etwa drei Tagen. Weitere Untersuchungen belegten zudem, dass die Gabe des Extrakts die Bildung schädlicher Sauerstoffradikale verringert – ein Effekt der die Tiere vor oxidativem Stress schützt.

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Um den Grundlagen dieser Effekte auf die Spur zu kommen, wiederholten die Forscher die Tests mit genetisch veränderten Würmern, bei denen gezielt die Funktion spezieller Proteine ausgeschaltet wurde, die für das Altern von zentraler Bedeutung sind. „Waren die Gene für die Bildung der Proteine DAF-16 oder Sir-2.1 defekt, waren auch die positiven Effekte des Wurzelextraktes deutlich geringer“, fasst Wätjen das Ergebnis dieser Untersuchungen zusammen. Dieses Resultat liefert Hinweise über Einflüsse der pflanzlichen Inhaltsstoffe auf grundlegende Mechanismen und Signalwege des Alterns, erklären die Forscher.

Potenzial für weitere Forschung

Ihnen zufolge fügen sich die Ergebnisse nun auch gut in ein Gesamtbild ein: Ein Hauptbestandteil des Wurzelextraktes ist demnach eine Substanz, die eine ähnliche Struktur wie die bekannte Substanz Resveratrol besitzt. „Diesen Stoff findet man zum Beispiel in Weintrauben und von ihm weiß man, dass er eine spezielle Enzymklasse, die Sirtuine, aktiviert. Diese zählen seit Langem zu den maßgeblichen Stoffen, die Alterungsprozesse im Körper steuern“, sagt Wätjen.

Wie er und seine Kollegen betonen, ist allerdings noch Zurückhaltung angebracht, denn es ist bislang nicht klar, inwieweit sich die Ergebnisse übertragen lassen. Mit anderen Worten: Der Mensch ist kein Wurm. Zwar sind Grundprinzipien und Signalwege bei vielen Organismen ähnlich, aber die genauen Effekte beim Menschen müssen nun erst noch Folgestudien klären. Wätjen und sein Team wollen sich in diesem Zusammenhang nun einer speziellen Frage widmen: Sie planen eine Untersuchung der möglicherweise schützenden Wirkung des Extraktes bei der Entstehung von Plaques im Rahmen der Alzheimer-Krankheit.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Plants, DOI: 10.3390/plants7030060

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