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Gesundheit|Medizin

Hilfe aus dem Kuhstall

Dreck schützt vor Allergien. Es muss allerdings der richtige sein. Forscher der Ruhr-Universität in Bochum haben im Stallstaub Substanzen entdeckt, die in Tierversuchen Asthma verhindern konnten.

Schon länger vermuten Allergologen, dass übertriebene Hygiene Kinder für Heuschnupfen und Asthma anfälliger macht. Diesen Zusammenhang untersuchte die ALEX-Study-Group, zu der sich Forscherteams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben. Das Akronym ALEX steht dabei für „ Allergie und EndotoXine“. Die Arbeitshypothese der Wissenschaftler: Der frühkindliche Kontakt mit Endotoxinen – bakteriellen Zellwandbestandteilen – kann die Neigung zu Allergien abschwächen. Bereits vor einigen Jahren hatten ALEX-Forscher herausgefunden, dass eine bäuerliche Umgebung das Allergierisiko senkt. „Allerdings“, sagt Marcus Peters von der Abteilung für Experimentelle Pneumologie in Bochum, „war es entscheidend, dass die Kinder direkt Kontakt zu den Tierställen hatten.“

Die Forscher sammelten Staubproben in jenen Kuh- und Ziegenställen, die sich in der früheren Studie bewährt hatten. Die Wirkung des Staubs testeten sie an speziellen Mäusen, bei denen Hühnereiweiß (Ovalbumin) eine Allergie auslöst. Die Forscher sensibilisierten die Tiere einen Monat lang mehrmals mit dem Eiweiß. Die Mäuse reagierten nach dieser Prozedur mit heftigen Asthmaanfällen auf das Ovalbumin. Setzten Marcus Peters und seine Mitarbeiter einen Teil dieser Mäuse jedoch während der Sensibilisierung 14-mal in eine Kammer, in der sie einen Stallstaub-Extrakt vernebelten, waren die Tiere geschützt: Die Mäuse reagierten bei Provokationstests mit Ovalbumin nicht allergisch.

Welche Substanz für den Schutz sorgt, kann Marcus Peters bislang nicht beantworten. Derzeit prüft sein Team verschiedene Bestandteile des Staubextraktes, um die Zahl der Kandidaten einzugrenzen. „Wir denken, dass es verschiedene, hauptsächlich mikrobielle Bestandteile sind, die in Kombination wirken – und nicht nur eine Substanzklasse allein.“ Vermutlich binden die Stoffe an die erst seit wenigen Jahren bekannten „Toll-like“- Rezeptoren. Diese Andockstellen finden sich auf solchen Immunzellen, die Kinder bereits bei der Geburt besitzen. Sie sind darauf spezialisiert, typische Strukturen von Krankheitserregern zu erkennen, beispielsweise Endotoxine, bakterielle DNA oder die doppelsträngige RNA vieler Viren.

Etliche Allergieforscher vermuten inzwischen: Wenn diese Rezeptoren in der kindlichen Reifephase der Abwehrkräfte unterbeschäftigt sind, könnte das Immunsystem in Richtung Allergie geprägt werden. Marcus Peters hofft daher aus den Stallstäuben einen „Allergie-Impfstoff“ für stark allergiegefährdete Kinder entwickeln zu können.

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Doch der Allergieforscher warnt vor falschen Schlüssen: Eltern sollten Kinder keinesfalls bewusst unhygienisch aufwachsen lassen oder gar auf Impfungen oder Antibiotika verzichten und so schwere Erkrankungen riskieren. Denn die ALEX-Studien haben gezeigt, dass nicht jeder beliebige Dreck schützt, sondern nur ganz bestimmte Substanzen aus der bäuerlichen Umgebung. Ulrich Fricke

COMMUNITY Internet

Vortrag zum Thema Hygienewahn und Allergien:

www.pneumologie.insel.ch/pneu-vortraege2.html

Deutscher Allergie- und Asthmabund:

www.daab.de

Kontakt

Dr. Marcus Peters

Experimentelle Pneumologie

Ruhr-Universität Bochum

Bürkle-de-la-Camp-Platz 1

44789 Bochum

www.ruhr-uni-bochum.de/

homeexpneu

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