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Hoffnungsträger sind Mangelware

Ein Patent läuft aus: Mehr als 140 Millionen Euro hat die Garching Innovation GmbH seit 1992 mit ihrem großen Renner „FLASH“ eingenommen, einem Verfahren, das die Aufnahmezeiten bei Kernspintomographien beschleunigt. Weltweit arbeitet die gesamte Industrie mit dieser Erfindung. Dementsprechend haben sich die Umsatzzahlen der Garching Innovation entwickelt: Waren es 1990 noch etwa 1,3 Millionen Euro, die durch Lizenzverträge in die Kassen kamen, ist dieser Betrag in den letzten Jahren auf deutlich über 15 Millionen Euro gewachsen. Garching Innovation ist eine Tochter der Max-Planck-Gesellschaft und hat die Aufgaben, die Patente der Grundlagenwissenschaftler zu vermarkten und bei Unternehmensausgründungen zu beraten. Wenn das Patent im Februar 2006 ausläuft, fällt damit die größte Einnahmequelle weg.

Bereits in der Dezemberausgabe 1999 von bild der wissenschaft berichtete Geschäftsführer Bernhard Hertel, der in wenigen Wochen in den Ruhestand geht, von der Suche nach neuen Umsatzträgern. „ Denn so eine Erfindung wie FLASH macht man leider nicht alle Tage“ , weiß Hertel. Die großen Hoffnungsträger sah er 1999 vor allem in einem Impfstoff gegen Borreliose und in dem Schlafmittel Gaboxadol. Sie sollten die fehlenden Einnahmen durch das Auslaufen des FLASH-Patents wettmachen. Die Chancen für einen Erfolg dieser Erfindungen standen gut.

Jährlich erkranken allein in Deutschland Zehntausende an der von Zecken übertragenen Borreliose und leiden an Fieberschmerzen, Gelenkentzündungen oder Gesichtslähmung. Hertel hoffte, dass sich ein Impfstoff gegen die Krankheit dementsprechend gut verkaufen würde. Doch kurze Zeit, nachdem der Impfstoff 1999 auf den Markt kam, wurde er wieder zurückgezogen. „Bei einigen Geimpften hat es Überreaktionen gegeben“, erinnert sich Hertel. Rückblickend sieht er vor allem einen anderen Grund für den Misserfolg: Zecken übertragen neben Borreliose noch zahlreiche andere Krankheiten, gegen die der Impfstoff wirkungslos ist. „Warum sollte ich mich gegen Borreliose impfen lassen, wenn ich dann trotzdem nicht in den Wald gehen darf?“ Hoffnungsträger Nummer 1 war damit gestorben.

Das Schlafmittel Gaboxadol gilt bis heute als möglicher Umsatzträger. Die Markteinführung soll nun Ende 2007 erfolgen. 10 Jahre kann es dauern, bis eine Erfindung so weit entwickelt und erforscht ist, dass sie endlich Marktreife erlangt. „Das ist die Crux in der Pharmaindustrie“, seufzt Hertel. „Und nach der Markteinführung besteht immer noch das Risiko des Absturzes.“ Damit das Schlafmittel die Erwartungen erfüllen kann, muss es nicht nur gut sein, sondern besser als die Konkurrenzprodukte. Mittelfristig werden also keine Einnahmen zu erwarten sein.

Hertel setzt zur Zeit besonders auf speziell konstruierte kurze doppelsträngige Ribonukleinsäuren (siRNA). Die synthetischen Moleküle sollen unerwünschte Gen-Aktivitäten unterbinden. Das Anwendungsgebiet für einen therapeutischen Einsatz ist breit gefächert: Diabetes, Hepatitis und Krebs könnten mit dieser neuen Methode behandelt werden. Zwei Lizenzverträge wurden bereits abgeschlossen. Aber wie das Beispiel des Borreliose-Impfstoffs zeigt, lässt sich der wirtschaftliche Erfolg einer Erfindung nicht vorhersagen. „Man sollte nicht zu früh jubeln“, sagt Hertel.

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Trotzdem sieht er die zukünftigen Einnahmen des Unternehmens nicht gefährdet: Rund 80 der etwa 140 Erfindungen, die jährlich in den Max-Planck-Instituten gemacht werden, führen zu Patentanmeldungen.

„Außerdem werden wir künftig verstärkt Einnahmen durch die Veräußerung von Beteiligungen an Unternehmensausgründungen erwirtschaften“, sagt Hertel – und hofft dabei auf mehrere Millionen Euro. Thomas Lange ■

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