„Hühner-Solarium“ für Vitamin-D-reiche Eier - wissenschaft.de
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„Hühner-Solarium“ für Vitamin-D-reiche Eier

Bei UV-Licht legen Hennen besonders gehaltvolle Eier. (Bild: luna4/iStock)

Es wird durch Sonnenlicht in unserer Haut gebildet und auch über die Nahrung nehmen wir es auf – dennoch leiden viele Menschen unter einem Vitamin-D-Mangel. Eier können zwar natürliches Vitamin D liefern, aberdoch auch ihr Gehalt lässt zu wünschen übrig. Wie Forscher nun berichten, lässt er sich aber offenbar vergleichsweise einfach steigern: Wenn man Hennen in der kommerziellen Haltung mit einer UV-Beleuchtung versorgt, legen sie Eier mit einem bis zu vierfach erhöhten Vitamin-D-Gehalt, zeigt ihre Studie. Und auch was das Tierwohl betrifft, ist das Licht anscheinend unproblematisch, geht aus den Versuchen hervor.

Es ist als das „Sonnen-Vitamin“ bekannt: Neben der Aufnahme aus der Nahrung versorgen wir uns im Sommerhalbjahr meist selbst genügend mit Vitamin D: Es wird unter Einwirkung von UV-Strahlung in unserer Haut gebildet und dann im Körper verteilt. Doch im dunklen Winterhalbjahr reicht die Versorgung über diesen Weg meist nicht aus und es kommt bei vielen Menschen zu einem Mangel. Die Bedeutung von Vitamin D und die ausreichende Dosis wird momentan wissenschaftlich stark diskutiert. Klar ist: Der Vitalstoff ist sehr wichtig – er ist an vielen Zell- und Immunvorgängen beteiligt. Besondere Bedeutung hat Vitamin D bekanntermaßen für die Stabilität der Knochen.

Eier mit einer Extraportion Sonnen-Vitamin

„Aufgrund ihrer Lebensweise sind viele Menschen nicht optimal mit Vitamin D versorgt. Das Problem steigert sich in den sonnenarmen Wintermonaten noch weiter“, sagt Julia Kühn von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In dieser Zeit wird deshalb die Versorgung über die Ernährung besonders wichtig. Doch im Gegensatz zu anderen Vitaminen gibt es nicht viele Nahrungsmittel, die Vitamin D in nennenswerten Mengen liefern. Eier bilden dabei eine Ausnahme – sie besitzen einen vergleichsweise hohen Gehalt.

Kühn und ihre Kollegen haben sich im Rahmen ihrer Studie nun dem Ziel gewidmet, das Versorgungs-Potenzial von Eiern noch weiter zu steigern. „Die Idee war es, die natürliche Vitamin-D-Produktion von Hühnern mithilfe von UV-Lampen in den Hühnerställen anzuregen, um so auch den Gehalt in den Eiern zu erhöhen“, sagt Kühn. Dabei wollten sie den Effekt nutzen, dass UV-Bestrahlung bei Hühnern die gleiche Wirkung hat wie beim Menschen: Es bildet sich in der Haut Vitamin D. In Voruntersuchungen konnten die Forscher bereits zeigen, dass dies tatsächlich der Fall ist. „Allerdings hatten wir dafür immer sehr ideale Versuchsbedingungen. Auf eine Lampe kam nur ein Huhn. In Hühnerbetrieben gibt es aber eine deutlich höhere Besatzdichte als bei uns, also viel mehr Tiere“, sagt Kühn.

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Effektiv, praktikabel und hühnerfreundlich

Im Rahmen der Studie haben die Forscher die Methode nun einem Praxistest unterzogen: In zwei Betrieben testeten sie zwei unterschiedliche Hühnerrassen, verschiedene Lampentypen sowie diverse Beleuchtungszeiten mit UV-Licht. Während der Versuchsphase analysierten die Wissenschaftler kontinuierlich den Vitamin-D-Gehalt der neu gelegten Eier. Außerdem untersuchten sie die Effekte der zusätzlichen Beleuchtung auf die Tiere: Anhand von Videoaufnahmen wurde das Verhalten der Hennen erfasst und ausgewertet. Zudem inspizierten die Forscher den körperlichen Zustand so wie etwaige Verletzungen der Tiere, um so ihr Aktivitäts- und Aggressionspotential einzuschätzen. „Menschen können UV-Licht nicht sehen, Hühner aber schon. Deshalb ist das Lichtregime für die Hühnerhaltung ein wichtiges Thema“, erklärt Co-Autor Eberhard von Borell.

Wie die Forscher berichten, kamen sie zu erfreulichen Ergebnissen: Der Vitamin-D-Gehalt der Eier war nach drei Wochen mit einer täglichen UV-Beleuchtung von sechs Stunden um das Drei- bis Vierfache angestiegen. Mehr geht offenbar nicht – zusätzliche Bestrahlung bringt keine weitere Erhöhung mehr, zeigten die Auswertungen. Und wie ging es den Hühnern dabei? Offenbar machte ihnen die Beleuchtung nichts aus, ergaben die Beobachtungen und Untersuchungen. Wenn ihnen das Licht zu grell gewesen wäre, hätten sie die Bereiche der Lampen gemieden, erklären die Forscher. Das war aber nicht der Fall und auch Verhaltensänderungen oder Schäden stellten die Forscher nicht fest.

Unterm Strich kommen die Wissenschaftler somit zu dem Schluss: Die Methode der UV-Bestrahlung zur Steigerung des Vitamin-D-Gehalts von Eiern ist praxistauglich und beeinträchtigt nicht das Tierwohl. Das Konzept hat somit das Potenzial, zu einer besseren Versorgung der Bevölkerung mit dem Vitalstoff beizutragen, resümieren Kühn und ihre Kollegen.

Quelle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Poultry Science, doi: 10.3382/ps/pez234

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