Besser essen Im Dschungel der Regionalsiegel - wissenschaft.de
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Besser essen

Im Dschungel der Regionalsiegel

Regionalsiegel
Regionalsiegel
Lebensmittel aus der Umgebung liegen im Trend. Doch was dem Verbraucher an Siegeln, Labeln und Gütezeichen aufgetischt wird, ist verwirrend. Für mehr Durchblick soll jetzt das „Regionalfenster“ sorgen. Siegel und Regionalfenster haben wir auf Herz und Nieren geprüft.

„Unser Land“ ist für Heiner Sindel, Mitbegründer und Vorsitzender des Bundesverbands der Regionalbewegung, das Ideal einer Vermarktungsinitiative. Sogar Hunde- und Katzenfutter wird produziert. Die gesamte Wertschöpfungskette bleibt in der Region, kein Teil der Schlachttiere wird verschwendet. „Ohne regionale Wirtschaftskreisläufe geht der Mensch kaputt“, sagt Sindel. „Wir verlieren Arbeitsplätze. Die jungen Leute ziehen in die Stadt. Der ländliche Raum verwaist.“

 

Den natur-Test der Regionalsiegel können Sie hier herunterladen.

 

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Sindel ist ein deutschlandweit bekannter Lobbyist für die Regionen und kämpft gegen die Global Player, die Lebensmittel durch ganz Europa karren. „Die Billigläden machen gewachsene Strukturen kaputt“, sagt der Hüne mit dem graumelierten Vollbart. Doch die Politik hat ihm ein Regionalsiegel beschert, das vor allem den Discountern nützt, statt die kleinen Landwirte und Handwerker zu stützen, wie Sindel klagt. „Mit dem Regionalfenster haben die Global Player jetzt ein Instrument an der Hand, mit dem sie dem Verbraucher Regionalität vorgaukeln können.“ Denn das Geschäft mit heimischen Produkten boomt. Neun von zehn Verbrauchern greifen lieber zu regionalen Lebensmitteln.

Seit Januar 2014 gibt es das Regionalfenster. Gefordert wird so eine Kennzeichnung schon lange – von der Regionalbewegung, Verbraucherverbänden und zuletzt auch der Agrarministerkonferenz. Denn selbst der Weltkonzern Coca Cola bezeichnet sich als „regionales Unternehmen“ und hat den Slogan „Wir von hier“ kreiert.

Undurchsichtiges Regionalfenster

Andrea Schauff, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Hessen: „Es gibt keine einheitliche rechtliche Regelung dafür, was sich ‚regional‘ nennen und mit ‚Heimat‘ werben darf. Daher definieren Anbieter munter selbst, was sie darunter verstehen.“ „Heimische Früchte“ kommen dann schon mal aus ganz Europa. Und Orangensaft aus brasilianischen Apfelsinen wird unter der Marke „Unser Norden“ verkauft.

Das neue Regionalfenster soll für mehr Transparenz sorgen. Entwickelt wurde es im Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Lizenzen vergibt der eigens dafür gegründete Verein Regionalfenster e.V., in dem unter anderem Bioland, Demeter, Edeka, Lidl, Rewe und tegut Mitglied sind. Wichtigste Angabe im Regionalfenster ist der Ursprung des Lebensmittels.

Keine Aussagen zur Qualität

Angegeben werden muss, wo das Produkt verarbeitet wurde und welches neutrale Prüfinstitut für die Kontrolle zuständig ist. „Das Regionalfenster ist eine reine Herkunftsauslobung“, erklärt im Amtsdeutsch Madeleine Altenhein, Geschäftsführerin des Regionalfenster e.V. „Wir wollen keine bestehenden Zeichen ersetzen, deshalb macht es keine Qualitätsaussagen.“

Im Klartext heißt das: Der Verbraucher erfährt nicht, ob das Produkt fair, nachhaltig, ökologisch, ohne Gentechnik oder tiergerecht hergestellt wurde. Informationen dazu sind sogar ausdrücklich verboten. Auch die Definition von „Region“ ist weit gefasst: „Kleiner als die Bundesrepublik Deutschland“ genügt. Äpfel aus Baden-Württemberg können auch in Norddeutschland als regional verkauft werden. Bei allen Schwachstellen: Für die Verbraucherzentralen ist das Regionalfenster „ein Schritt in die richtige Richtung“, meint Hartmut König, Leiter der Ernährungsabteilung der Verbraucherzentrale Hessen. Es müsse aber noch Korrekturen geben…

Den gesamten Artikel lesen Sie in natur 08/14 .

Fotocollage: Karl Marx/natur

© natur.de – Sigrid Krügel
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