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Gesundheit+Medizin

Langlebig mit Schmalhans als Küchenmeister

Illustration zur Studie. ROS steht für Sauerstoffradikale. (Credit: Redman et al./Cell Metabolism )

Wenig Energiezufuhr bringt’s offenbar: Eine kalorienreduzierte Diät wirkt auch unabhängig vom Einfluss auf das Körpergewicht lebensverlängernd, zeichnet sich immer klarer ab. Eine Langzeitstudie an normalgewichtigen Personen liefert nun Hinweise auf die Grundlagen dieses Effekts beim Menschen. Eine Senkung der Energiezufuhr reduziert demnach die Verbrennung und damit auch die Bildung von Sauerstoffradikalen im Körper, die zu Krankheiten und Alterungsprozessen führen können.

Kalorienrestriktion heißt das Fachwort: Bei einigen Tierarten wirkt sich eine ausreichende aber reduzierte Energieaufnahme günstig auf Gesundheit und Lebenserwartung aus, haben Studien gezeigt. Ob und inwieweit dieser Effekt auch beim Menschen auftritt, gilt allerdings nach wie vor als unklar und auch welche Mechanismen hinter der positiven Wirkung einer Kalorienrestriktion stecken könnten. Der Erforschung dieses Themas widmet sich bereits seit einigen Jahren das Projekt CALERIE (Comprehensive Assessment of Long-term Effects of Reducing Intake of Energy) vom Pennington Biomedical Research Center in Baton Rouge, USA.

Dem Effekt auf der Spur

Bisherige Ergebnisse von CALERIE haben bereits Hinweise darauf geliefert, dass eine Kalorienrestriktion auch beim Menschen eine positive Wirkung über die Gewichtsreduktion hinaus erzielen kann. Die aktuelle Studie vertieft und untermauert nun diese Ergebnisse. 53 gesunde, nicht übergewichtige Männer und Frauen im Alter zwischen 21 und 50 Jahren haben an ihr teilgenommen.19 von ihnen bildeten die Kontrollgruppe – sie ernährten sich wie immer. Die restlichen Studienteilnehmer haben über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg hingegen ihre Kalorienzufuhr um 15 Prozent im Vergleich zum vorhergehenden Niveau reduziert. Diese Einschränkung war nicht selbstberichtet – die Forscher erfassten sie durch Analysen bestimmter Isotopenverhältnisse im Körper der Probanden. Diese Untersuchungen lieferten somit objektive Informationen über die Energiemengen, welche die Studienteilnehmer zu sich nahmen.

Ein Ziel der Studie war die Überprüfung der Vermutung, dass eine reduzierte Kalorienzufuhr zu einer verminderten Verbrennung im Körper führt und damit auch zu einer geringeren Bildung von sogenannten reaktiven Sauerstoffspezies. Um dies zu untersuchen, erfassten die Forscher den Stoffwechsel der Probanden zweimal im Rahmen der Studie über 24 Stunden hinweg – im Wach- und im Schlafzustand. Außerdem untersuchten sie Biomarker im Blut, die Aufschluss über den sogenannten oxidativen Stress im Körper geben können, der durch Sauerstoffradikale verursacht wird.

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Biomarker des Alterns im Blick

Die Auswertungen zeigten: Obwohl es sich nicht um eine Absicht im Rahmen der Studie gehandelt hat, verloren die Probanden durch die Kalorienreduktion im Durchschnitt etwa neun Kilogramm im Lauf der zwei Jahre. Die Untersuchung ihrer Stoffwechselrate zeigte, dass ihr Körper 80 bis 120 Kilokalorien pro Tag weniger verbrauchte, als es durch die Gewichtsreduktion zu erklären wäre. Diese metabolische Anpassung wurde von einer deutlich reduzierten Aktivität der reaktiven Sauerstoffspezies im Körper der Probanden begleitet, berichten die Forscher. Sie kommen somit zu dem Fazit: „Die Begrenzung der Kalorienzufuhr kann den Grundstoffwechsel verlangsamen, Nebenprodukte reduzieren und damit vermutlich das Risiko für chronische Krankheiten senken und das Leben verlängern“, so Hauptautorin Leanne Redman von Pennington Biomedical Research.

Negative Nebeneffekte traten den Forschern zufolge durch die Kalorienrestriktion nicht auf. Im Einklang mit den früheren Ergebnissen verbesserte sie neben den Biomarkern des Alterns auch die Stimmung und die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Probanden. „Wir haben festgestellt, dass sogar Menschen, die bereits gesund und schlank sind, von einem kalorienreduzierten Regime profitieren können“, resümiert Redman die bisherigen Ergebnisse des Forschungsprojekts CALERIE.

Quelle: Cell Press, Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2018.02.019

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