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Mit Antikörpern gegen Migräne

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Migräne: Bisher gibt es kaum etwas, um eine Attacke zu verhindern (thinkstock)
Es gibt Aussicht auf eine wirksame Vorbeugung gegen Migräne: Bisher können Migräniker zwar ihre Symptome mit Medikamenten lindern, wenn eine Attacke beginnt. Mittel, die diese Anfälle gar nicht erst auftreten lassen, gibt es aber bisher kaum. Das könnte sich bald ändern. Gleich zwei Wirkstoffe haben sich jetzt in ersten klinischen Tests als vielversprechend erwiesen, wie US-Forscher berichten. Beide basieren auf monoklonalen Antikörpern, die ein bei Migräneattacken vermehrt auftretendes Molekül blockieren. In den Tests senkten beide Mittel bei Migränepatienten die Häufigkeit der Anfälle. Noch allerdings müssen umfangreichere klinische Tests diese Ergebnisse bestätigen.

Schwere Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht und laute Töne schmerzen – wer unter Migräne leidet, der kennt diese Symptome. Immerhin rund jeder Zehnte in Deutschland leidet unter diesen wiederkehrenden Kopfschmerz-Attacken. Schon länger ist bekannt, dass bestimmte Faktoren, darunter Stressschwankungen, bestimmte Nahrungsmittel oder Veränderungen des Schlafrhythmus, einen Migräne-Anfall fördern können. Dummerweise reicht ein Vermeiden dieser Trigger-Faktoren aber nicht aus, um die Attacken zu verhindern. Und auch die gängigen Medikamente können zwar die Symptome lindern, sie wirken aber erst, wenn ein Anfall bereits begonnen hat. „Migräne ist die dritthäufigste medizinische Störung – und sie lässt sich bisher nur ungenügend behandeln“, konstatiert David Dodick von der Mayo Clinic Arizona in Phoenix. Es gebe bisher kaum effektive und gut verträgliche Mittel, die eine Migräne-Attacke verhindern können.

Dodick und seine Kollegen haben daher nach neuen Wegen gesucht, die Häufigkeit von Migräne-Attacken zu verringern. Als Ansatzpunkt wählten sie ein kleines Eiweißmolekül, das Calcitonin-Gen verknüpfte Peptid (CGRP). Dieses gilt als wichtiger Akteur beim Entstehen eines Migräneanfalls. Schon länger vermutet man daher, dass eine Blockade dieses Peptids Attacken verhindern könnte. Eine solche Blockade erreichten die Forscher nun mit Hilfe zweier unterschiedlicher monoklonaler Antikörper. Ob diese auch bei Patienten Migräne-Attacken verhindern können, haben sie nun erstmals getestet. Dabei handelt es sich um die ersten klinischen Studien von monoklonalen Antikörpern zur Migränevorbeugung, wie die Wissenschaftler erklären.

Weniger Migränetage dank Antikörpern

An der ersten Studie nahmen 163 Migränepatienten teil, die durchschnittlich an 5 bis 14 Tagen pro Monat unter einer Attacke litten. Die Hälfte von ihnen bekam eine einmalige intravenöse Injektion mit einem der beiden Antikörper, ALD403, die andere Hälfte bekam eine Placebo-Spritze. Über 24 Wochen hinweg beobachteten die Forscher dann, wie sich die Anfallshäufigkeit bei den Teilnehmern entwickelte. Das Ergebnis: Bei denjenigen, die den Antikörper erhalten hatten, sank die Zahl der Migräneattacken um 66 Prozent, wie die Forscher berichten. Sie litten im Durchschnitt 5,6 Tage weniger an Kopfschmerzen. 16 Prozent der so behandelten Teilnehmer blieb sogar zwölf Wochen lang völlig attackenfrei. In der Placebogruppe sank die Zahl der Migränetage um 14 Prozent. Die Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen gleich.

Noch deutlicher fiel der Unterschied beim zweiten Antikörper, LY2951742, aus: 217 Migränepatienten erhielten ihn zwölf Wochen lang jede zweite Woche unter die Haut gespritzt. Dadurch sank die Zahl ihrer Migränetage um 63 Prozent – 21 Prozent stärker als in der Placebogruppe. Allerdings traten dabei auch leichte Nebenwirkungen auf, wie die Forscher berichten. Insgesamt sei der Wirkstoff aber dennoch gut vertragen worden.

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„Diese Ergebnisse könnten eine neue Ära in der vorbeugenden Therapie der Migräne einläuten“, sagt Koautor Peter Goadsby von der University of California in San Francisco. Er und seine Kollegen sind optimistisch, dass solche Antikörper-basierten Wirkstoffe künftig dazu beitragen können, die Beschwerden von Migränikern zu lindern. Für die beiden jetzt getesteten Antikörper müssen nun klinische Studien mit größeren Teilnehmerzahlen folgen, um die positiven Ergebnisse zu bestätigen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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