Mit Bakterien gegen Darmkrebs? - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Mit Bakterien gegen Darmkrebs?

Wie hängen Darmflora und Dickdarmkrebs zusammen? (Bild: LightFieldStudios/ istock)

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten weltweit. Betroffene Patienten werden wie bei anderen Tumorleiden auch häufig mittels Chemotherapie behandelt. Diese Therapie lässt sich durch die Einnahme von Probiotika und eine ballaststoffreiche Ernährung womöglich wirksam unterstützen, wie Forscher nun berichten. Denn zumindest im Zellversuch führten Bakterien und Pflanzenfasern dazu, dass Krebszellen langsamer wuchsen. Dieser Effekt scheint durch genetische und metabolische Veränderungen zustande zu kommen.

Unser Verdauungstrakt ist von Billionen winziger Organismen besiedelt: den Bakterien der Darmflora. Diese Mikroben haben entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit – auch auf die Gesundheit des Darms selbst, wie sich zunehmend zeigt. Erst kürzlich haben Forscher etwa herausgefunden, dass viele Patienten mit Darmkrebs charakteristische Auffälligkeiten in Bezug auf die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft in ihrem Verdauungstrakt aufweisen. Demnach könnten bestimmte Keime schädliche Wirkungen entfalten und auf diese Weise die Entstehung von Krebs fördern. Umgekehrt stellt sich die Frage, inwiefern „gute“ Mikroben möglicherweise positiv wirken: Könnten sie zum Beispiel das Wachstum von Tumoren verlangsamen?

Ballaststoffe und Probiotika

Genau das haben nun Kacy Greenhalgh von der Universität Luxemburg und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie analysierten sie den Effekt von probiotischen Milchsäurebakterien und einer ballaststoffreichen Ernährung auf Dickdarmkrebs. Bekannt ist, dass sich die Ernährungsweise maßgeblich auf die Zusammensetzung des Mikrobioms auswirken und eine ballaststoffreiche Diät das Risiko für bestimmte Krebsarten senken kann. Um den Einfluss von Probiotika und Ernährung zu testen, nutzten die Wissenschaftler einen sogenannten „Gut-on-a-Chip“. Dieses In-Vitro-Modell des Darms erlaubt es, menschliche Darmzellen gemeinsam mit Bakterien zu kultivieren – unter Bedingungen, die denen im Körper sehr ähnlich sind.

Die Experimente zeigten: Eine ballaststoffreiche Ernährung allein wirkte sich ebenso wenig auf das Wachstum entarteter Darmzellen aus wie die alleinige Gabe von Probiotika. Die Kombination beider Ansätze aber führte tatsächlich zum Erfolg, wie die Forscher berichten. Mithilfe eines computerbasierten Stoffwechselmodells analysierten sie, wie genau das Zusammenspiel beider Faktoren auf den Darm wirkt. Demnach führt der kombinierte Behandlungsansatz auf molekularer Ebene unter anderem dazu, dass die Aktivität bestimmter Gene herunterreguliert wird – darunter an der Krebsentstehung sowie an Medikamentenresistenzen beteiligte DNA-Abschnitte. Zudem reduziert sich die Konzentration als krebsauslösend geltender Metabolite und die Fähigkeit zur Selbsterneuerung der Krebszellen wird gehemmt.

Unterstützend zur Chemotherapie

Diese ersten Ergebnisse legen den Wissenschaftlern zufolge nahe, dass die richtige Ernährung in Kombination mit der Gabe von Probiotika die Wirksamkeit von Chemotherapien steigern könnte. „Krebspatienten erhalten im Rahmen ihrer Chemotherapie derzeit keine evidenzbasierten Ernährungsempfehlungen. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass sich die Interaktionen zwischen Ernährung und Mikrobiom zur Unterstützung der Krebsbehandlung ausnutzen lassen“, konstatiert Greenhalgh. Bis es soweit ist, sind zunächst allerdings weitere Untersuchungen nötig. „Künftige Studien müssen im Detail die Mechanismen entschlüsseln, durch die Prä- und Probiotika die typischen molekularen und zellulären Eigenschaften von Dickdarmkrebszellen beeinflussen“, so das Fazit der Forscher.

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In Zukunft könnten sich aus diesen Erkenntnissen nicht nur neue, ergänzende Behandlungsstrategien für Dickdarmkrebs ergeben. Auch für Leiden wie Colitus ulcerosa oder Morbus Crohn wäre ein Nutzen durch maßgeschneiderte Diäten und probiotische Mittel denkbar, wie Greenhalgh und ihre Kollegen erklären. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie diese gelten auch als Risikofaktor für die Entstehung von Dickdarmkrebs.

Quelle: Kacy Greenhalgh (Universität Luxemburg) et al., Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2019.04.001

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