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Gesundheit+Medizin

OHNMACHT ÜBER DEN WOLKEN

Die Fruchtblase platzte über Düsseldorf. Bereits kurz nach dem Abflug aus Manchester hatten die Wehen bei Nicola Delemere in immer kürzeren Abständen eingesetzt, aber die 31-Jährige, die in der 25. Woche schwanger war, hatte gehofft, die Frühgeburt noch bis zum Eintreffen des Ferienfliegers auf Kreta hinauszögern zu können. Doch jetzt musste alles sehr schnell gehen. Zum Glück befand sich eine Krankenschwester an Bord, die gemeinsam mit einer Stewardess in einer dramatischen Aktion Alfie das Licht der Welt erblicken ließen.

Geburten über den Wolken kommen vor, sie sind aber selten. Das ist ein Ergebnis einer Studie von Medizinern der Universität Bochum um Michael Sand. Die Forscher hatten medizinische Notfälle in Flugzeugen untersucht. Dazu analysierten sie die Daten von zwei europäischen Fluggesellschaften zwischen 2002 und 2007. Insgesamt 10 189 Mal hatten Passagiere in diesem Zeitraum während des Fluges gesundheitliche Probleme bekommen. Am häufigsten waren Ohnmachten (5307), mit deutlichem Abstand gefolgt von Verdauungsbeschwerden (926) und Herzanfällen (509). Die gefürchteten Reisethrombosen traten 47 Mal auf. Es kam zu 2 Geburten, und 52 Menschen starben.

„Die hohe Zahl der Ohnmachtsanfälle“, erklärt Sand, „ist vermutlich auf den Druckunterschied im Flieger zurückzuführen und auf eine zu tiefe oder zu hohe Temperatur in der Kabine. Als Gegenmaßnahme genügt es meist, die Beine der Betroffenen hoch zu lagern.“ Die Verdauungsbeschwerden erklärt Sand mit dem Stress, der für viele Menschen mit einem Flug verbunden ist: „Das schlägt auf den Magen.“

Dann kommt es zur bekannten Durchsage: „Ist ein Arzt an Bord?“ In 86 Prozent aller Fälle stand tatsächlich ein Mediziner zur Verfügung. Da der jedoch selten seine Arzttasche dabei hat, kommt es bei der Behandlung kranker Passagiere auf die Ausstattung an Bord an. Und hier liegt laut Sand einiges im Argen: „Das Gesetz schreibt zwar vor, dass eine Bordapotheke mitgeführt werden muss, über deren Inhalt gibt es jedoch keine Bestimmungen.“ Sand fordert deshalb vor allem für Langstreckenflüge eine notfallmedizinische Grundausrüstung und angesichts der relativ hohen Zahl von Herzanfällen das Mitführen von Defibrillatoren.

Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de

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Bio|mo|ni|to|ring  〈[–mnıtrın] n. 15〉 Verfahren zur Beurteilung der Umweltbelastung eines bestimmten Gebietes mittels Erhebung von Daten zur Luft–, Wasser– u. Bodenverschmutzung, Beobachtung u. Untersuchung der Tier– u. Pflanzenwelt [<grch. bios ... mehr

♦ Elek|tro|lyt|kup|fer  〈n. 13; unz.〉 durch Elektrolyse gewonnenes, reinstes Kupfer mit hoher elektr. Leitfähigkeit

♦ Die Buchstabenfolge elek|tr… kann in Fremdwörtern auch elekt|r… getrennt werden.

tri|go|nal  〈Adj.〉 dreieckig

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