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Prostatakrebs: Neuer Subtyp entdeckt

Den Krebszellen des neu entdeckten Subtyps fehlt ein Gen namens CDK12. (Foto: Alexander Tokarev/ Ella Maru Studio)

Besonders aggressive Formen von Prostatakrebs zeichnen sich durch ein rasantes und zerstörerisches Zellwachstum aus. Forscher haben nun herausgefunden, dass bei manchen Tumoren der Verlust eines bestimmten Gens für diese gefährliche Eigenschaft verantwortlich ist. Gleichzeitig hat dieser bisher unbekannte Krebs-Subtyp jedoch eine weitere Besonderheit: Er könnte vergleichsweise gut auf Immuntherapien ansprechen.

Prostatakrebs ist eine der häufigsten Krebserkrankungen älterer Männer und die dritthäufigste Ursache für krebsbedingte Todesfälle. Wie bei vielen anderen Tumorleiden auch verbirgt sich hinter dieser Krebsart jedoch kein einheitliches Krankheitsbild. So gibt es Subtypen, die eher harmlos sind, aber auch ausgesprochen aggressive Formen. Diese zeichnen sich in der Regel durch ein rasantes Zellwachstum und eine hohe Metastasierungsrate aus. Zu wissen, mit welcher Form des Krebses man es zu tun hat, kann für den Behandlungserfolg entscheidend sein. Denn je mehr über die Eigenschaften des Tumors bekannt ist, desto besser und vor allem gezielter lässt er sich bekämpfen. Aus diesem Grund schauen sich Mediziner häufig die molekularen und genetischen Merkmale eines Krebses an.

Wissenschaftlern um Yi-Mi Wu von der University of Michigan in Ann Arbor ist es mithilfe dieser Methode nun gelungen, einen zuvor unbekannten Subtyp von Prostatakrebs zu identifizieren. Für ihre Studie untersuchten sie 360 Gewebeproben von Patienten mit einem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom – eine besonders aggressive Form des Krebses, der auch unter gängigen Hormontherapien weiterwächst. Außerdem analysierten sie Tumore von 498 Patienten, deren Krebs sich in einem frühen Stadium befand und noch nicht gestreut hatte. Bei der Analyse der DNA- und RNA-Profile der einzelnen Geschwulste zeigte sich: Manchen Tumoren fehlte ein Gen namens CDK12, das eine wichtige Rolle für die Regulation bestimmter Zellprozesse spielt. Auffällig dabei: Während der Genverlust nur etwa ein Prozent der Tumore im Frühstadium betraf, fehlte in der Stichprobe der aggressiven, bereits gestreuten Tumore in sieben Prozent der Fälle diese Erbgutsequenz – ein deutlicher Sprung.

„Ein zweischneidiges Schwert“

Die Forscher gehen daher davon aus, dass der Verlust des CDK12-Gens zur Entstehung einer aggressiven Krebsform führt. „Es scheint naheliegend, dass die Frühstadium-Patienten mit diesem Merkmal später Metastasen entwickelt. Der Genverlust könnte ein Vorbote für einen aggressiven Krankheitsverlauf sein“, konstatiert Wus Kollege und Seniorautor Arul Chinnaiyan. Weitere Untersuchungen zeigten: Die mit dem CDK12-Verlust einhergehende genetische Instabilität der Zellen scheint einerseits krankmachendes, unkontrolliertes Wachstum zu fördern und den Krebs aggressiv zu machen. Andererseits kommt es dadurch jedoch zu einem durchaus vorteilhaften Prozess: Die Zellen bilden Antigene, die dem Immunsystem noch nicht bekannt sind – und rufen dadurch vermehrt T-Zellen auf den Plan. Genau dies könnte den Tumor anfällig für Immuntherapien machen, wie die Wissenschaftler berichten. „Faszinierenderweise ist die genetische Instabilität somit ein zweischneidiges Schwert“, schreiben sie.

Immuntherapeutische Behandlungen zielen darauf ab, dem Krebs mithilfe des körpereigenen Abwehrsystems den Garaus zu machen – sie wirken jedoch längst nicht bei jeder Krebsart und bei jedem Patienten. In der Regel spricht nur eine Minderheit der Betroffenen auf solche Therapien an. „Diese vielversprechende Studie legt nahe, dass der CDK12-Verlust womöglich ein geeigneter Biomarker ist, um jene Prostatakrebs-Patienten zu identifizieren, denen eine Immuntherapie helfen könnte“, sagt Howard Soule von der US-amerikanischen „Prostate Cancer Foundation“, die die Untersuchung mitfinanziert hat. Entsprechende klinische Studien sollen diesen Zusammenhang schon bald näher untersuchen. Bestätigen sie das Ergebnis, könnten davon in Zukunft womöglich viele Betroffene profitieren. „Die sieben Prozent aus unserer Untersuchung klingen zwar wenig. Weil Prostatakrebs so verbreitet ist, handelt es sich dabei jedoch um eine signifikante Zahl“, schließt Chinnaiyan.

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Quelle: Yi-Mi Wu (University of Michigan, Ann Arbor) et al., Cell, doi: 10.1016/j.cell.2018.04.034

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