Punktsieg gegen Parkinson - wissenschaft.de
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Gesundheit+Medizin

Punktsieg gegen Parkinson

Mit einem neuartigen Medikament ist es US-Wissenschaftlern gelungen, das Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung bei Mäusen zu verhindern. Die Substanz verstärkt die Aktivität eines Gens, das in den Nerven einen Schutz vor Sauerstoffradikalen aufbaut und gleichzeitig die zelluläre Abfallbeseitigung verstärkt. Diese Doppelwirkung verhindert das Absterben der Nervenzellen, deren Schwinden für die typischen Parkinson-Symptome verantwortlich ist. Tests zur Untersuchung der Wirkung beim Menschen haben ebenfalls bereits begonnen und werden laut den Forschern in Kürze erste Ergebnisse liefern.

Die Wissenschaftler sind der Funktion des Schutzgens namens DJ-1 schon seit dem Jahr 2003 auf der Spur. Es ist für die Produktion von Antioxidantien in Nervenzellen verantwortlich. Diese Substanzen schützen die Neuronen vor der zerstörerischen Kraft der Sauerstoffradikale. Besonders stark profitieren dabei die sogenannten dopaminergen Neuronen von diesem Schutz: Sie produzieren den universellen Gehirnbotenstoff Dopamin und sind entscheidend für die Steuerung von Bewegungen. Zusätzlich ist DJ-1 auch an der Entsorgung von überflüssigen Eiweißen beteiligt, die sich sonst in den Zellen ansammeln und sie zerstören können. In einer früheren Studie hatte sich bereits gezeigt, dass Personen, bei denen DJ-1 aufgrund einer Mutation nur eingeschränkt arbeitet, ein erhöhtes Risiko für eine Parkinson-Erkrankung haben.

Den Zusammenhang mit der Parkinson-Erkrankung erklären die Forscher wie folgt: Sind die Funktionen von DJ-1 beeinträchtigt, werden die dopaminergen Neuronen zunehmend durch die aggressiven Sauerstoffradikale und die nicht entsorgten Eiweißfragmente geschädigt und sterben schließlich ab. Dadurch entsteht ein Mangel an dem Hirnbotenstoff Dopamin, der schließlich zu den typischen Symptomen bei Parkinson führt – Bewegungsstörungen, das charakteristische Zittern und Lähmungserscheinungen. Die bisher gegen die Erkrankung eingesetzten Medikamente erhöhen gezielt die Dopaminproduktion im Gehirn. Dadurch lindern sie zwar die Symptome, packen die Erkrankung aber nicht bei ihrer Ursache.

Genau das soll nun der neue Wirkstoff leisten, den die Wissenschaftler jetzt identifiziert haben. Die Substanz heißt Phenylbutyrat und ist offenbar in der Lage, die Aktivität von DJ-1 anzukurbeln und damit seine Schutzfunktion zu verstärken beziehungsweise – bei einem defekten Gen – wiederherzustellen. Zeigen konnten die Forscher das, indem sie das Medikament ins Trinkwasser von Mäusen gaben, die extra für die Parkinsonforschung gezüchtet wurden – sie tragen eine Veranlagung zu einer frühzeitigen Entwicklung der Erkrankung in ihrem Erbgut. Die Behandlung der Tiere mit Phenylbutyrat verhinderte die Ausbildung der Symptome, berichten die Wissenschaftler: Es trat kein Rückgang ihrer Nervenleistungen auf und sie zeigten auch nicht die typische Anhäufung schädlicher Proteine im Gehirn.

Nach Aussagen der Forscher haben Tests mit der Substanz am Menschen bereits 2009 begonnen. Die Ergebnisse dieser Studie werden sie in den nächsten Monaten ebenfalls veröffentlichen. Die Aussagen von Studienleiter Curt Freed dazu klingen vielversprechend: „Wir freuen uns auf eine Zukunft, in der Parkinson-Patienten eine Pille schlucken können, die das Fortschreiten der Erkrankung stoppt.“

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Curt Freed (University of Colorado, Aurora) et al: Journal of Biological Chemistry, doi: 10.1074/jbc.M110.211029 dapd/wissenschaft.de – Martin Vieweg
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